Grassers Penthouse-Papiere

Grassers Penthouse-Papiere

Ein Luxuszinshaus in der Wiener Babenbergerstraße wurde Investoren um 28 Millionen Euro angeboten. Im Kaufpreis inkludiert: das Penthouse von Karl-Heinz Grasser.

Das Sonderangebot für Superreiche ging im Jänner hinaus. Ein „repräsentatives Stilzinshaus mit exklusiver und luxuriöser Dachgeschoß-Wohnung in 1010 Wien“ wurde hand­verlesenen Immobilienmanagern und Private-Bankern in Österreich und der Schweiz befristet angeboten. Als Makler fungiert die Cable Technologies Austria GmbH, die einem gewissen Kurt Perko gehört. Laut Anbot hat die börsenotierte Vienna Insurance Group (VIG; früher: Wiener Städtische), die das Haus in der Babenbergerstraße besitzt, klare Vorstellungen: „Der Kaufpreis für die geldlastenfreie Liegenschaft ­beträgt 28 Millionen Euro.“

Der FORMAT vorliegende Maklerprospekt erregte jedenfalls großes Aufsehen. Nicht der hohe Preis, sondern die scharfen Bilder waren dafür verantwortlich. Sie stellen das berühmte Penthouse von Ex-Finanzmininster Karl-Heinz Grasser und dessen Ehefrau Fiona Pacifico Griffini-Grasser eindrucksvoll zur Schau.

„Sämtliche Informationen basieren auf Daten, die uns von Eigentümerseite zur Verfügung gestellt wurden“, heißt es im Makler-Exposé. Der Eigentümer garantiere für „die Richtigkeit dieser Angaben“. Eine Passage aus dem Prospekt ist daher besonders inte­ressant: Grassers „Penthouse mit zirka 410 Quadratmetern und zirka 280 Quadratmetern Terrassen“ wird explizit als „bestandsfrei“ bezeichnet. In der Maklersprache bedeutet das, dass ein Objekt nicht mit einem Miet- oder Pachtvertrag belastet ist. Im Klartext: Die Wohnung steht leer.

Das ist überraschend. Immerhin besitzen KHG und Fiona einen unbe­fristeten Mietvertrag mit der VIG. Der elf Seiten schlanke Hauptmietvertrag, der FORMAT vorliegt, garantiert den Grassers viele Rechte. So dürfen sie das Penthouse „teilweise oder zur Gänze untervermieten“. Ein großzügiges Weitergaberecht wurde ebenfalls eingeräumt: „Die Mieter sind auf die Dauer von 90 Jahren berechtigt, diesen Mietvertrag mit allen Rechten und Pflichten an einen Rechtsnachfolger zu überbinden.“ Einschränkung: „Beim Rechtsnachfolger muss es sich um eine natürliche Person ­handeln.“

Fakt ist: KHG sucht bereits seit Mitte 2012 nach einem Abnehmer für sein Mietrecht. Für die internationale Verwertung engagierte er sogar das britische Auktionshaus Christie’s. Doch Grassers Preiswunsch dürfte zu heftig gewesen sein: elf Millionen Euro. Das war selbst reichen Russen und spendablen Scheichs zu viel. Denn im Gegenzug würden sie kein Eigentum erwerben, sondern „nur“ einen Mietvertrag auf 90 Jahre. Monatliche Aufwendung: 6.000 Euro Miete ­inklusive Steuern und Betriebskosten.

Die Tierliebe

Das von Stararchitekt ­Günther Domenig geplante Dachgeschoß, das einen einzigartigen Blick auf viele Ringstraßengebäude (Parlament, Rathaus, Staatsoper) sowie Albertina und Hofburg bietet, wird von den Grassers mittlerweile kaum bewohnt. Der Grund dafür ist nicht wirtschaftlicher Natur und auch nicht Grassers Verwicklung in die Buwog-Affäre, sondern die Tierliebe. Fiona Grasser erklärte das der Tageszeitung „Österreich“ so: „Unsere Wohnung verkaufen wir nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil eine Stadt­wohnung definitiv kein Umfeld für Hunde bietet.“ Die Stadt sei nicht das ihre. „Ich will raus aufs Land.“

Für die VIG stellt sich nun die Frage, ob die Wohnung noch regelmäßig genutzt werde. Warum das wichtig ist? Das Mietrechtsgesetz (MRG) schützt die Grassers. Der Vermieter darf nur aus „wichtigen Gründen“ kündigen. Die gesetzlichen Beschränkungen stehen in Paragraf 30 MRG. Demnach darf gekündigt werden, wenn die Wohnung nicht „zur Befriedigung des dringenden Wohnbedürfnisses des Mieters regelmäßig verwendet“ wird oder wenn „trotz einer nach dem Eintritt der Fälligkeit erfolgten Mahnung“ die Miete nicht bezahlt wird.

Fakt ist: In Kitzbühel oder am Wörthersee sind die Grassers viel lieber als in Wien. Dass Grasser seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlagern könnte, hat KHG-Anwalt Manfred Ainedter in der Vergangenheit mehrfach zurückgewiesen. Dass KHG sich die Miete nicht mehr leisten kann, glaubt nicht einmal der kritische Staatsanwalt. Obwohl KHG in einem ORF-Interview für die Sendung „Am Schauplatz“ über seine schlechte Geschäftslage jammerte: „Ich versuche mich halt über Wasser zu halten.“ Dass er früher gut verdient habe, helfe ihm jetzt. Den damals angesparten Geld­polster brauche er jetzt auf.

Penthouse und Polizei

Wie er zum Geld kam, prüft die Polizei seit Herbst 2009. Auch das noble Penthouse steht im Fokus, weil das Geld für den Erwerb und Umbau von der Liechtensteiner Grasser-Stiftung Silverland kam. Konkret vergab die zypriotische Silverland-Firma Levesque ein Darlehen an KHG. Der erhielt 3,7 Millionen Euro um günstige zwei Prozent Zinsen pro Jahr. An Levesque musste Grasser laut „Loan Agreement Offer“ vom 6. März 2009 das Mietrecht und die Hälfte des möglichen Nettoprofits eines Mietrechtsverkaufs abtreten. „Sollte ich meinerseits mit der Bedienung des Darlehens in Verzug geraten, hat die Darlehensgeberin als Sicherheit das Recht, ­einen Käufer für den Erwerb meines Mietrechts namhaft zu machen“, schreibt Grasser in einer Stellungnahme im ­Finanzstrafverfahren.

Eine schriftliche FORMAT-Anfrage an Anwalt Ainedter, wie es mit dem Grasser-Penthouse weitergehen soll, wurde bis Redaktionsschluss nicht ­beantwortet. Ob, wann und zu welchen Bedingungen der Mietvertrag mit der VIG aufgelöst wurde, blieb ebenfalls ­offen. Die VIG will Mietverträge nicht kommentieren. Offenbar spießt sich die Sache, denn die Versicherung stellt plötzlich fest: „Die Immobilie steht nicht zum Verkauf.“ Der Deal wurde kurz­fristig verschoben. Makler Perko ist der Leidtragende: Ihm entgehen vorerst bis zu 840.000 Euro Provision.

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