„Grasser hat in Steuerfragen nicht sehr geschickt agiert“

„Grasser hat in Steuerfragen nicht sehr geschickt agiert“

FORMAT: Herr Keppert, an wie vielen Gutachten arbeiten Sie zurzeit?

Thomas Keppert: Das müssten so 20 bis 25 Gutachten sein.

Wie lässt sich denn so eine Zahl bewerkstelligen?

Keppert: Nur mit vielen guten Mitarbeitern. Bei mir sind aktuell 30 beschäftigt.

Würden Sie sagen, dass es seit der Affäre Birnbacher schwieriger geworden ist, an Gutachtenaufträge zu kommen?

Keppert: Nein, ganz im Gegenteil. Unsere Expertise ist stärker gefragt denn je.

Aber dem Image der Steuerberater war dieser Fall nicht unbedingt förderlich, oder?

Keppert: Ich habe von Kollegen keine Beobachtungen zu etwaigen Imageschäden gehört. Eine mögliche Ausnahme sind freilich jene drei Kollegen (Anm.: G. Altenberger, R. Siart und G. Spitzer), gegen die ein Ermittlungsverfahren läuft.

Können Sie nachvollziehen, dass die Staatsanwaltschaft gegen einige Ihrer Kollegen ermittelt?

Keppert: Ich glaube nicht, dass es Anhaltspunkte für Ermittlungen gibt. Denn für eine Strafbarkeit müssten die Kollegen ihre Gutachten vorsätzlich falsch erstellt haben. Das glaube ich nicht. Dagegen spricht auch das lächerlich geringe Honorar.

Sie hatten im Fall Birnbacher das Gutachten von Frank Schäfer zu beurteilen, jenem Experten, der das Birnbacher-Honorar für zu hoch befunden hat. Sie kamen zu einem anderen Schluss als Schäfer. Sind Sie heute anderer Meinung?

Keppert: Ganz und gar nicht. Ich würde heute nichts anders machen. Auf Basis der Honorarrichtlinie wäre Birnbacher mehr zugestanden. Mehr habe ich nicht gesagt.

Aber haben Sie dieses sechsseitige Birnbacher-Gutachten jemals gesehen, oder haben Sie mit Birnbacher darüber gesprochen?

Keppert: In der Öffentlichkeit wurde das falsch wiedergegeben. Birnbacher hat nie ein Gutachten erstellt, bei den sechs Seiten handelte es sich nur um sein Leistungsverzeichnis. Gesprochen habe ich mit ihm nie. Das war aber auch nicht meine Aufgabe. Ich habe das Gutachten von Schäfer auf Herz und Nieren geprüft.

Was verstehen Sie unter einem Gefälligkeitsgutachten?

Keppert: Es gibt nur gute oder schlechte Gutachten, Gefälligkeitsgutachten gibt es per se nicht. Was man aber schon klarstellen muss: Bei Privatgutachten bekommt man oft einen sehr selektiven Gutachtensauftrag erteilt.

Wie lukrativ ist denn die Gutachtertätigkeit?

Keppert: Ich bin ja hauptberuflich nicht Gutachter. Neben dieser Tätigkeit habe ich als Steuerberater rund 1.000 Klienten, und ich habe eine Hausverwaltung mit 50 Häusern. Bei einem Jahresumsatz von vier Millionen Euro entfallen nur rund 800.000 Euro auf Gutachten.

Warum gibt es in Österreich nur so wenige Gutachter für große Wirtschaftsfälle?

Keppert: Das Gutachtergeschäft ist ein sehr hartes. Man muss ja seine Arbeit bei Gericht vor Verteidigern erläutern. Oft wird man dabei auch persönlich diffamiert. Das muss man erst einmal verkraften.

Kürzlich hat Ihr Kollege im Fall Meinl seinen Gutachterauftrag zurückgelegt, weil er zu viel Druck der Staatsanwälte spürte. Ist Ihnen das auch schon mal passiert?

Keppert: Eigentlich nicht. Auf mich wurde noch nie Einfluss von Ermittlern ausgeübt. Aber der Fall Meinl ist sehr speziell, weil von Anfang an viel schiefgelaufen ist.

Was zum Beispiel?

Keppert: Die Verhängung der U-Haft gegen Julius Meinl war völlig überzogen.

Wären Sie im Fall Meinl gerne Gutachter?

Keppert: Nein, ich wurde von der Meinl Bank inzwischen als Privatgutachter zugezogen.

Es heißt ja auch immer, Gutachter sind schuld an den langen Verfahren. Richtig?

Keppert: Ich sehe das anders. Nehmen Sie etwa den aktuellen Fall YLine, wo ich das Gutachten bereits 2005 fertiggestellt habe. Hier hat der Staatsanwalt fünf- bis sechsmal gewechselt, und gegen mich wurden sieben Befangenheitsanträge eingebracht, die allesamt abgewiesen wurden.

Seit rund eineinhalb Jahren sind Sie ja auch Steuerberater von Karl-Heinz Grasser. Haben Sie ihm geraten, Selbstanzeige wegen der Kirchensteuer zu erstatten?

Keppert: Nein, es hat keine Selbstanzeige gegeben. Er hat nur im Jahr 2007 etwas als Sonderausgabe abgesetzt, was er erst 2008 gezahlt hat. Und das hat er dann korrigiert. Das war alles.

Würden Sie sagen, Grasser hat in Steuerfragen sehr geschickt agiert?

Keppert: Nein, sicher nicht. Er war aber früher auch nicht von mir beraten.

Zur Person: Thomas Keppert, 58, ist Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und gerichtlich beeideter Sachverständiger in Wien. Als Gerichtsgutachter hat er sich vor allem in der Causa Bawag einen Namen gemacht. Auch als Privatgutachter ist Keppert gefragt: Für die Kärntner Landesholding ist er im Fall Birnbacher beigezogen worden, aktuell ist er für die Meinl Bank tätig.

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