Gottwald Kranebitter: "Hypo-Chef? Ich habe die Frage erst für einen Scherz gehalten"

Exklusiv: Gottwald Kranebitter, der neue Chef der Hypo Alpe Adria, in seinem ersten Interview.

FORMAT: Herr Kranebitter, wie kommt es, dass Sie jetzt neuer Chef der Hypo Alpe Adria werden? Sie haben sich um den Posten ja nicht beworben.
Gottwald Kranebitter: Ich wurde von Franz Pinkl (dem scheidenden Chef der Hypo) im Dezember gebeten, bei der Verstaatlichung der Bank beratend mitzuarbeiten. Dort bin ich anscheinend Finanzminister Pröll und Staatssekretär Schieder aufgefallen. Ich wurde dann mit dem von der EU geforderten Restrukturierungskonzept betraut. Als klar war, dass der frühere Hypo-Vorstand nicht bleibt, hat mich Aufsichtsratschef Ditz gefragt, ob mich die Aufgabe interessiert. Ich habe das zunächst für einen Scherz gehalten.

Fokus auf Problemkredit-Abbau
FORMAT: Und wieso machen Sie es jetzt doch?
Kranebitter: Es ist für mich eine äußerst große Herausforderung. Wichtig war mir, dass ich ein gutes Team habe. Mit Johannes Proksch und Wolfgang Edelmüller habe ich das beste aller Vorstandsteams.
FORMAT: Werden Sie jetzt Ihren Wohnsitz von Wien nach Kärnten verlegen?
Kranebitter: Sitz der Bank ist Kärnten. Als Chef werde ich jedenfalls dort sein, wo das Geschäft ist.
FORMAT: Sie kennen die Hypo ja schon gut. Was sind die vordringlichsten Probleme, die man anpacken muss?
Kranebitter: Klarer Fokus ist, die Problemkredite abzubauen. Dann ist es wichtig, die nachhaltig gesunden Geschäftsfelder weiterzuentwickeln. Von einigen wird sich die Bank auch trennen müssen. Und der dritte Punkt ist ein sinnvolles Sparprogramm, ohne die Qualität der Kundenbetreuung und die Risiko-Steuerung der Bank zu gefährden. Die Europäische Kommission hat bei all dem ein gewichtiges Wort mitzureden.

"Jahre bis zur Dividendenzahlung"
FORMAT: Von welchen Bereichen wollen Sie sich da trennen?
Kranebitter: Primär von jenen, die nicht nachhaltig profitabel sind.
FORMAT: Wann, denken Sie, wird die Hypo wieder Dividenden zahlen?
Kranebitter: Die Wiederherstellung einer nachhaltigen Profitabilität wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
FORMAT: Ihr Aufsichtsratschef Ditz hat angekündigt, dass die Republik die Bank in drei Jahren wieder loswerden will. Halten Sie das für realistisch?
Kranebitter: Die Republik tut gut daran, die Bank so lange zu halten, bis sie dafür wieder mehr Geld bekommt, als das jetzt der Fall wäre.

"An Börsengang zu denken wäre unverfroren"
FORMAT: Wie sehen Ausstiegsszenarien aus? Ist Börsengang ein Thema?
Kranebitter: Jetzt an Börsengang zu denken wäre unverfroren. Die wahrscheinlichste Variante ist, dass sich die Republik in drei bis fünf Jahren zurückzieht.
FORMAT: Wie arbeitet man an der Spitze einer Bank, die ständig im Zentrum von Ermittlungen und Ausschüssen steht?
Kranebitter: Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist enorm wichtig, da darf nichts zugedeckt werden. Die Bank muss aber arbeitsfähig bleiben, daher ist es wichtig, die Vergangenheit von der Zukunft ordentlich abzugrenzen.
FORMAT: Über den Vertrag Ihres Vorgängers gab es ja ordentlich Wirbel. Wie sieht denn Ihr Vorstandsvertrag aus?
Kranebitter: Er läuft jedenfalls keine fünf Jahre. Und ich verdiene als KPMG-Geschäftsführer jetzt mehr als künftig in der Bank. Außerdem habe ich keine Change-of-Control-Klausel im Vertrag. Meine Bezüge orientieren sich an bundesrechtlichen Vorschriften.

Interview: Angelika Kramer

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