Götterdämmerung erfasst Fußballhimmel:
Nur Manchester trotzt der Wirtschaftskrise

Die beste Liga der Welt, die Premier League, schlittert in die Krise. Nur in Manchester ticken die Uhren noch anders. ManU ist trotz Pleite-Sponsor top. Und Konkurrent City schwimmt seit dem Einstieg der Abu Dhabi United Group in Öl-Millionen.

Für den nordenglischen Fußballklub Manchester City begann das Märchen im vergangenen August. Mit einem Schlag wurde aus dem notorischen Mauerblümchen, das immer im Schatten seines übermächtigen Lokalrivalen Manchester United stand, der reichste Klub der Welt. Um kolportierte 230 Millionen Pfund übernahm die im Ölreichtum schwimmende Abu Dhabi United Group (ADUG) den schwächelnden Traditionsverein Manchester City. Als neuer Besitzer stellte sich Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der königlichen Familie des Emirats Abu Dhabi, vor.

40-Millionen-Pfund-Coup
Der Klub war damit nicht nur mit einem Schlag schuldenfrei, sondern kommt seither auch mit breiter Brust daher: Als erster Coup wurde der 40-Millionen-Pfund-Einkauf Robinho präsentiert. Das 24-jährige Wunderkind aus Brasilien, das jetzt für goldene Zeiten sorgen soll, bewies allerdings schon bei seinem ersten Auftritt vor der Presse die Entfremdung zwischen Spielern und Vereinen, die mittlerweile ins Fußball-Geschäft Einzug gehalten hat: Robinho konnte sich bei seiner ersten Pressekonferenz nach Vertragsunterzeichnung partout nicht an den Namen seines neuen Vereins erinnern. Trotzdem, die Show muss weitergehen. Und so tönen die arabischen Investoren von nun an im Wochenrhythmus, welche neuen Stars der Klub kaufen will. Bewegen wollen dabei die Ölscheichs sagenhafte Summen von 650 Millionen Euro in den kommenden Jahren.

Startrainer und Fabel-Kicker
Nur zum Vergleich: Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch wurde vor Ausbruch der Finanzkrise auf ein Privatvermögen von 22 Milliarden Euro geschätzt. Der Ölreichtum von Scheich Mansour wird hingegen auf unvorstellbare 610 Milliarden Euro taxiert. Kein Wunder also, dass es nach der Robinho-Verpflichtung hieß: „Das ist der Anfang, weitere Stars werden folgen.“ Auf der Wunschliste standen Namen wie Startrainer José Mourinho und Fabel-Kicker wie Lionel Messi, Kaká, Fernando Torres und Cristiano Ronaldo von Manchester United.

Keine überhöhten Preise
In der Zwischenzeit gibt man es bei City billiger. Wegen der ausbleibenden Erfolge schrecken die großen Namen inzwischen vor einem Wechsel zu den Neureichen zurück. Das weiß auch Cheftrainer Mark Hughes, der in der nun eröffneten Transferzeit im Jänner noch drei bis vier Spieler holen will: Allerdings finden sich nun keine Top-Namen mehr auf dem Wunschzettel, sondern eben Typen wie Bridge oder Newcastle-Torhüter Shay Given und Blackburn-Stürmer Roque Santa Cruz. Und so, wie die Dinge in der Premiere League stehen, wird Hughes den einen oder anderen Kicker durchschnittlicher Güte auch bekommen. Auch wenn er als Trainer die Erwartungen bremsen muss: „Manchester City wird sicher keine überhöhten Preise am Transfermarkt bezahlen.“

Eine Frage des Geldes
Denn Hughes ist im Gegensatz zu so gut wie allen anderen Premier-League-Kollegen in der komfortablen Position, über Geld für Spielkäufe zu verfügen. Chelsea-Eigentümer Abramowitsch hat – bisher nicht offiziell bestätigt – einen Sparkurs ausgegeben. Der russische Oligarch, der durch Wertpapierverluste je nach Quelle zwischen drei und 20 Milliarden Euro verloren haben soll, kann zwar nicht bei den Spielergehältern für Ballack, Drogba und Co einsparen. Aber die Chelsea-Spieler spüren bereits Einschnitte beim Mittagessen, das in Zukunft am Trainingsgelände nicht mehr kostenlos zu konsumieren sein soll. Oder beim limitierten Kartenkontingent für Spieler, die nicht mehr 20 Gratis-Karten pro Match erhalten sollen. Andere Vereine wie West Ham stehen zum Verkauf. Der isländische Bankier Bjorgolfur Gudmundsson, der in der Finanzkrise ebenfalls seine Mittel verloren hat, sucht händeringend nach einem neuen Eigentümer. Angeblicher Interessent: eine Investmentfirma aus dem Emirat Dubai. West Ham ist nicht der einzige Verein, der zum Verkauf steht: Insgesamt suchen aktuell zehn Premier-League-Klubs nach neuen Besitzern.

Manchester ist die Ausnahme
Die zweitgrößte Stadt Englands, Manchester, scheint das Kunststück zu schaffen, beide Klubs aus dem Sog der Finanzkrise herauszuhalten. Zumindest sehen das die Fußballexperten der größten Tageszeitung der Stadt, der „Manchester Evening News“, so. City-Experte Chris Bailey hält das Engagement der Scheichs bei den Blues für einen Segen: „Die neuen Besitzer wissen um die Tradition und Geschichte des Vereins und haben nicht vor, diese gewachsene Struktur zu zerstören.“ Man gebe der Mannschaft auch die notwendige Zeit, zueinander zu finden. Wie lange das allerdings für Headcoach Hughes gilt, lässt Bailey lieber offen.

Sponsorengelder im Trockenen
Für den Stadtrivalen United ist bei der Zeitung Baileys Kollege Stuart Mathieson zuständig. Für ihn ist klar: Auch die Red Devils stehen angesichts der prekären finanziellen Situation in der Premier League nicht schlecht da: „Die Mannschaft ist stark, und die Einnahmen aus TV-Geldern und Merchandising sorgen weiter für hohe Umsätze.“ Und Hauptsponsor AIG, jener Versicherungsgigant, der im November vergangenen Jahres vom US-Steuerzahler gerettet werden musste, hat bisher noch keinen vorzeitigen Vertragsausstieg bekannt gegeben. Damit bleiben ManU auch die 66 Millionen Pfund jährlich, eine Rekordsumme an Sponsorgeld, vorerst sicher. Dennoch gibt man sich in Old Trafford in der laufenden Transferzeit etwas vorsichtiger als in vergangenen Jahren. United-Coach Alex Ferguson will es im Jänner bei einem einzigen Einkauf belassen und gab nach der Verpflichtung des 21-jährigen Serben Zoran Tosic bekannt: „Das war definitiv unser einziger Einkauf in dieser Transferzeit.“

Ölmagnaten im europäischen Fußball
Manchester steht aber – Manchester Uniteds Erfolge hin oder her – für etwas anderes: einen Paradigmenwechsel im internationalen Fußball. Aufgrund des enormen Reichtums der arabischen Ölmagnaten werden Einstiege von Scheichs im europäischen Fußball in Zukunft häufiger werden. Zumindest so lange, wie man mit Öl das große Geld verdienen kann. Denn die notorisch überschuldete Premier League mit ihren Sponsoren aus dem Finanzbereich wird sich die überhöhten Spielergehälter und die Lizitation nach oben nicht mehr allzu lange leisten können. Dafür springen die Ölscheichs mit Handkuss in die Bresche.

Markus Pühringer, Manchester

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