Glückspiel: So wollen Casinos Austria einen Partner fürs Auslandsgeschäft gewinnen

Casinos Austria locken Partner für ihr Auslandsgeschäft mit ehrgeizigen Expansionsplänen: Märkte USA und Großbritannien im Visier.

Der 2. Dezember wird ein Spaziergang für Karl Stoss, verglichen mit dem, was in den Wochen danach auf ihn zukommen wird. Am 2. Dezember wird der Aufsichtsrat dem Casinos-Boss grünes Licht für tiefer gehende Gespräche mit Investoren für die Auslandstochter Casinos Austria International (CAI) geben. Doch ob zu den ­Bedingungen, die die Casinos vorgeben, wirklich ein Partner gefunden werden kann, ist für Branchenkenner noch keine ausgemachte Sache. 500 bis 600 Millionen Euro will der Casinos-Chef für einen Minderheitsanteil von 49 Prozent. Im Gegenzug wartet Stoss mit ambitionierten Expansions­plänen, aber eher schwachen Zahlen auf. Dies geht aus dem FORMAT exklusiv vorliegenden Morgan-Stanley-Papier ­hervor, das im August an rund 15 Inter­essenten verschickt wurde.

Schuldenberg könnte abschrecken
Für das Jahr 2009 erwartet CAI Umsätze in der Höhe von 213 Millionen Euro (2008 waren es noch 225,1 Millionen Euro). Das Nettoergebnis ist nur dank ­außerordentlicher Erträge – durch den Verkauf des Südafrika-Geschäfts – positiv. Zieht man von den erwarteten 25,3 Millionen Euro Gewinn rund 26 Millionen für Südafrika ab, wäre das Ergebnis im heurigen Jahr sogar erstmals rot. Einstiegshemmnis für Investoren könnte aber der Schuldenberg sein, der sich netto auf 148 Millionen Euro beläuft. Und das, ­obwohl der Ertrag aus dem Verkauf des Südafrika-Geschäfts teilweise zum Schuldenabbau verwendet wurde. Casinos-Sprecher Martin Himmelbauer gibt zu ­bedenken: „Ein Großteil davon betrifft aber die Anleihe.“

Expansion in viele Richtungen
Dafür hören sich die Expansionspläne der Casinos im Ausland sehr attraktiv an: In Groß­britannien steht die CAI auf einer Shortlist für drei ausgeschriebene Casino-Projekte. In den USA ist die Due Diligence für ein Projekt im Staat Mississippi bereits erfolgreich abgeschlossen, und in Ägypten steht die CAI kurz davor, eine zweite Konzession zu ergattern. Dabei handelt es sich um ein Casino in einem 5-Sterne-Hotel im Zentrum von Kairo. Die Märkte Japan, Vietnam, Island und Liechtenstein stehen ebenso auf der Agenda wie Russland, wo man noch die neuen Gesetze abwarten will.

Trotz Verbots China-Kasinos?
Auch für sogenannte „Mini-Casinos“ gibt es konkrete Pläne: In Italien wurde mit einem lokalen Anbieter ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Bis zu 2.500 sogenannte VLTs (Video Lotterie Terminals) sollen mit der Casinos- und Lotterien-Tochter winwin aufgestellt werden. Verwundert zeigen sich Branchen­kenner über den Plan der CAI, mit einer chinesischen staatsnahen Firma in China Spielhallen errichten zu wollen. „In China ist das Glücksspiel per Todesstrafe ver­boten. Wie das funktionieren soll, ist ein Rätsel“, meint ein Insider. Darüber hinaus will CAI verstärkt ins Online-Geschäft, etwa in England, Dänemark oder der Schweiz einsteigen. Auch gemeinsame Pläne mit den Lotterien in Italien oder ­Argentinien werden angedacht.

Umbau an der Spitze
Um all das umsetzen zu können, wollen die Casinos aber nicht nur genügend Geld aufstellen, sondern es soll auch zu Veränderungen in der Führungsetage kommen. Aus zwei Vierer-Vorständen sollen zwei Zweier-Spitzen werden. Während Stoss und sein Kollege Dietmar Hoscher weiterhin als Vorstände in der Casag verbleiben, sollen Josef Leutgeb und Paul Herzfeld in Zukunft den Vorstand der CAI bilden. Diese Umbildung soll Anfang des nächsten Jahres über die Bühne gehen. Egal, ob wirklich ein passender Partner gefunden wird oder nicht. Casinos-Sprecher Himmelbauer dementiert derartige Pläne nicht: „So wird es auch schon gegenwärtig ­operativ gelebt.“

Mehr als fünf Interessenten
Bei der Partnersuche hat es Stoss – angesichts der ambitionierten Projekte – sehr eilig. Schon im Frühjahr soll sie abgeschlossen sein. Zuletzt gab sich der Casinos-Boss noch sehr optimistisch: Mehr als fünf potenzielle Investoren hätte er an der Hand. Ob der in Österreich stärkste Konkurrent Novomatic dazuzählt, wollte er aber nicht verraten. Insider gehen davon aus, dass die Casinos die Novomatic unter Garantie nicht in ihre Datenräume Einblick nehmen lassen wird. Als mögliche Bieter werden jedenfalls die Investmentfonds Apollo und Texas Pacific gehandelt.
„Die CAI ist im Grunde genommen ein Sanierungsfall. Deshalb müssen die Casinos einem Käufer entweder bei den Schulden oder bei der Mitsprache entgegenkommen“, meint ein Brancheninsider, der das Morgan-Stanley-Papier auch ­bekommen hat. Klappt es mit der Part­nersuche nicht, ist damit zu rechnen, dass sich die Casinos – wie in den letzten Monaten auch – weiter aus einigen ihrer Auslandsbeteiligungen zurückziehen ­werden.

Angelika Kramer

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