Gerüchte um Magna-CEO Sigi Wolf: Geht er zu Deripaska nach Russland?

Magna-CEO Sigi Wolf soll vor einem Wechsel nach Russland stehen. Ein Abgang würde Frank Stronachs Konzern derzeit nicht gerade guttun.

Ein schönes Zinshaus in der Wiener Innenstadt zur sicheren Geldanlage, das wünschen sich derzeit viele Vermögende. Sigi Wolf hat sich dieses Begehren soeben erfüllt. Der Co-Chef des Autozulieferers Magna – seine Gage lag 2009 bei rund 4,3 Millionen Euro – leistete sich unlängst ein Haus in der Wiener Elisabethstraße, gleich um die Ecke der Staatsoper. Bis 2007 logierten an der noblen Adresse Mitarbeiter der ÖBB, ehe Frank Stronachs Magna das Objekt um 14,1 Millionen Euro erwarb und jetzt an Wolf um nur 8,4 Millionen Euro weiterverkaufte.

Ist der diskrete Immobiliendeal im Herzen Wiens ein Geschenk zum Abschied des Topmanagers? Seit längerem machen Gerüchte die Runde, Stronachs enger Vertrauter stehe vor einem Wechsel ins Firmenreich des russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Zuletzt berichtete etwa das ­renommierte „Manager Magazin“ dar­über. Für Magna, einen der weltweit führenden Autozulieferer (Umsatz 2009: 17,37 Milliarden Dollar), wäre der Verlust seines Konzernkapitäns allerdings gerade jetzt schmerzlicher denn je: Nach der gescheiterten Übernahme des Autobauers Opel muss Magna noch energischer um neue Kunden und Aufträge buhlen, und Gründer Frank Stronach schlägt sich mit aufmüpfigen Aktionären herum.

Ein möglicher Schritt Richtung Russland klingt jedenfalls verlockend: Oleg Deripaska ist einer der schillerndsten und mächtigsten Oligarchen Russlands. Der enge Vertraute des Expräsidenten Vladimir Putin ist mit 10,7 Milliarden Dollar Vermögen der fünftreichste Mann des Landes. Mit seinem Firmengeflecht (Basic Element, Rusal, und Gaz) kontrolliert der 42-Jährige weite Teile der russischen Industrie.

Auf FORMAT-Anfrage wollte sich Frank Stronach zu den Gerüchten über den Wechsel seines Vertrauensmannes Wolf zu Deripaska jedenfalls nicht äußern. Wolf selbst meinte Anfang Juni in einem Interview auf die Frage, ob er auch nach der Hauptversammlung Ende Juli bei Magna bleibe: „Wenn ich die Garantie hätte, wäre ich ein Hellseher.“ Ein klares Dementi klingt anders.

Wolf und Deripaska sind seit langem enge Geschäftspartner: Kurz nach dem Einstieg Deripaskas beim Baukonzern Strabag im April 2007 – damals wurde der Aluminium-Milliardär in Österreich breit bekannt – kaufte er sich auch bei der österreichisch-kanadischen Magna ein. Zwar musste er seine Anteile ein Jahr später wegen finanzieller Turbulenzen wieder abstoßen. Doch beim Übernahmepoker um Opel vergangenen Sommer holte Wolf Deripaskas Autofirma Gaz (Abkürzung für Gorkowski Awtomobilny Sawod) in einem Konsortium wieder mit an Bord. Seitdem sind die beiden eng verbunden. Und im Mai übernahm Wolf auch den Aufsichtsratzsvorsitz bei Gaz. Ein Vertrauensbeweis Deripaskas.

Streit zwischen Wolf und Stronach 

Doch gerade der verpatzte Opel-Deal soll laut Branchenkennern für einen handfesten Streit zwischen Stronach und Wolf gesorgt haben. Der Magna-Gründer sei verärgert über Wolf, heißt es. Und er ist bekannt für seine emotionalen Bauchentscheidungen, und in seiner Wut feuerte Stronach schon öfter Mitarbeiter kurzerfristig. Und so wäre ein Abgang Wolfs wohl ebenfalls nicht ganz freiwillig. „Wenn da jemand von Scheitern spricht, sage ich: Mehr Dummheit gibt es nicht“, entgegnete Wolf in der „Kleinen Zeitung“ hinsichtlich der geplatzten Opel-Transaktion. Tatsächlich war Magna in den Verhandlungen mit Opels Mutterkonzern General Motors (GM) und der deutschen Regierung im November bereits knapp vor dem Ziel, als die Amerikaner überraschend den Verkauf stoppten.

Ein Zerwürfnis zwischen Stronach und Wolf täte dem Konzern allerdings nicht gut: Der Autozuliefergigant hat gerade eines der schwierigsten Jahre seiner Unternehmensgeschichte hinter sich. 2009 fuhr Magna 493 Millionen Dollar Jahresverlust ein, und der Umsatz schrumpfte um ein Viertel. Im ersten Quartal 2010 verbesserte sich die Lage, doch in Europa schreibt das Unternehmen nach wie vor rote Zahlen. Und einige Märkte könnten durch das Auslaufen der staatlichen Abwrackprämien heuer in ein Verkaufsloch kippen: In Deutschland etwa, so rechnet der Auto­experte Ferdinand Dudenhöffer, sollen heuer um eine Million Stück weniger Fahrzeuge verkauft werden als 2009. Als Weg aus der Flaute hätte Opel ­dienen können mit seiner geplanten Expan­sion in Russland. Doch nun muss Magna den vielversprechenden Markt eben ohne den deutschen Autobauer aufrollen.

Der Hilfe seitens Deripaskas und seiner Gaz-Gruppe kann sich Konzernboss Wolf sicher sein. Zwar litt Gaz ebenfalls schwer unter der Krise am Automarkt und schramm­te vergangenes Jahr nur haarscharf an der Pleite vorbei. Der mit 18 Werken größte russische Autobauer erholt sich derzeit aber wieder. Es läuft ein Personalabbau, und die zu groß dimensionierten Kapazitäten sollen an ausländische Hersteller verliehen werden. Demnächst dürfte es außerdem zu einem Joint Venture mit einem Automobilhersteller kommen – was Magna eine Milliarde Euro Business-Volumen bringen könnte.

Und im Herbst wird Magna ein neues Zulieferwerk in der Nähe von St. Petersburg eröffnen. Im Großraum der Metropole produzieren derzeit GM, Toyota und Nissan Fahrzeuge. Heuer will auch Hyun­dai dort eine Fabrik eröffnen.

Aktionäre gegen Stronach  

Im Falle eines Abgangs Wolfs Richtung Moskau ist fraglich, wer Stronachs ambitionierte Expansion vorantreiben wird. Dabei hat der 78-jährige Firmenpatriarch noch eine andere Front offen: In Kanada reiten mehrere große Pensionsfonds eine Kampagne gegen seinen Rückzug aus dem Konzern und die damit verbundene 856 Millionen Euro schwere Abfindung. Nach der Billigung des Teilrückzugs vom Landesgericht Ontario am 13. August wollen einige Aktionäre deshalb Klage einreichen.

Dieser Tag sollte auch zum Stichtag für Wolf werden. Dann nämlich will sich der Topmanager zu den Spekulationen um
seine Person klar äußern.
 
Barbara Nothegger

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