Gerechtigkeit für Inara Vilkaste

Gerechtigkeit für Inara Vilkaste

Inara Vilkastes Geschichte klingt nach Verschwörungsstory aus dem Kino. Wie glaubwürdig die undurchsichtige lettische Räuberpistole tatsächlich ist, lässt sich kaum beurteilen.

Die Geschäftsfrau erhebt jedenfalls schwere Vorwürfe: Ihr Ehemann, damals ungeliebter Vizechef der lettischen Antikorruptionsbehörde KNAB, sei 2006 durch eine Autobombe schwer verletzt worden. Dann fuhr ein Sprengstoff-Laster gegen den Villeneingang des Ehepaares. Eine Tochter sei Opfer eines Entführungsversuchs und gefälschter Pornofotos geworden, der Familienanwalt ist spurlos verschwunden. Und die lettischen Behörden, klagt Vilkaste, überziehen sie seither mit einem Netz von Verfahren.

Die Kalamitäten begannen, so Vilkaste, als sie 2003 das bis dato größte private Immobilienprojekt Lettlands abgeschlossen hatte, ein Wohn- und Einkaufspark vor den Toren Rigas. Die Immobilienentwicklerin, die sich nach der Unabhängigkeit Lettlands von der früheren Sowjetunion ein kleines Imperium aufgebaut hat, hatte sich geweigert, Bestechungsgeld zu zahlen. Vor allem der KNAB soll Forderungen gestellt haben, obwohl dort Vilkastes Mann Malversationen verfolgte.

Korruptionsvorwürfe

Zu rigoros, wie Vilkaste heute glaubt. Korruption, sagt sie, reiche in Lettland auch nach dem EU-Beitritt immer noch bis in Regierungskreise hinauf. Der KNAB sei in Wahrheit eher das Gegenteil einer Antikorruptionsbehörde. Wer nicht mitspiele, bekomme Probleme. Tatsächlich verlor Vilkastes Mann seinen Job und bekam in Lettland keinen Fuß mehr auf den Boden. Er liegt derzeit, nach dem Attentat gesundheitlich immer noch angeschlagen, in einem Wiener Sanatorium.

In Lettland sind laut Vilkaste aktuell über 100 Verfahren anhängig, in denen sie formal zwar meist als Zeugin geführt, jedoch wie eine Beschuldigte behandelt wird. Vergangenen September wurde sie in Riga 21-mal vor Gericht zitiert.

Die lettische Botschaft in Wien weist alle Vorwürfe zurück. "Unser Rechtssystem erfüllt sämtliche internationalen Standards, lettische Gerichte sind unabhängig“, heißt es in einer Stellungnahme. Aber Vilkaste hat ihren komplexen Fall inzwischen auf einem übermannshohen Chart detailliert dargestellt und sucht nun im Ausland Unterstützung.

Austro-Hilfe

Die hat sie gefunden - in Österreich. Der ehemalige ÖVP-Politiker Walter Schwimmer gründete das Komitee "Gerechtigkeit für Inara“ und will den Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringen.

Zufällig kam diese Austro-Connection nicht zustande. Geburtshelfer von Vilkastes lettischen Immobilien-Aktivitäten ist ein in der Öffentlichkeit unbekannter österreichischer Projektentwickler, der vor allem in Indien und China milliardenschwere Großdeals abwickelt. Über ihn sind bei Vilkastes Projekten, die mit den Problemen ins Stocken gerieten, auch österreichische Architekten wie das Wiener Büro Sonnbichler involviert. Die nun um Umsätze fürchten müssen, wodurch handfeste heimische Geschäftsinteressen auf dem Spiel stehen.

Derweil erzielt die wehrhafte Lettin Etappensiege in ihrem Kampf gegen die Behörden: Ein Gericht befand Hausdurchsuchungen des KNAB in ihrer Villa in Riga für illegal. Und das lettische TV hat die attraktive Blondine als quotenbringenden Talkshowgast entdeckt.

In Österreich steht am 25. Jänner ein öffentlicher Auftritt am Programm. Im Wiener "klub47“ will Vilkaste ihren Fall bei einer Diskussion schildern. Mit ihr am Podium: Ex-Verteidigungsminister Werner Fasslabend und Elisabeth Rech, Vizechefin der Rechtsanwaltskammer.

Die lettische Botschaft schreckt das wenig. Dabei handle es sich bloß um "Aktivitäten der Lobbyisten Frau Vilkastes“. Tatsächlich fungiert Rech auch als Wiener Anwältin der Lettin.

Dem Autor auf Twitter folgen:

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff

50 Millionen Euro Umsatz macht die von Ronnie Seunig gegründete Excalibur City pro Jahr und schafft 500 Jobs. Roger Seunig tritt in die Fußstapfen seines Vaters und setzt dessen pittoreske Visionen fort.
 

Business

Roger Seunig - der Ritter von Kleinhaugsdorf