Gemüse – teuer wie nie!

Gemüse – teuer wie nie!

Nichts freut Europas Notenbanker mehr als der Hinweis auf die niedrige Inflation. Doch beim Blick auf die Supermarktrechnung merkt jeder: Der Befund kann so nicht stimmen.

Denn die Preise für den täglichen Einkauf steigen laufend. Monat für Monat müssen die Österreicher für dieselben Lebensmittel mehr bezahlen. Und das ist nicht nur eine gefühlte Inflation, sondern Realität, statistisch belegt.

Zwar ist die Inflationsrate in Österreich im Juli auf zwei Prozent gesunken, was vor allem auf niedrigere Energiepreise zurückzuführen ist. Lebensmittel und antialkoholische Getränke sind heute jedoch um 4,4 Prozent teurer als vor einem Jahr. Obwohl die Preise für viele Lebensmittelrohstoffe zuletzt gesunken sind, folgt die Entwicklung im Supermarkt einem längerfristigen Trend nach oben.

Schon 2012 waren Lebensmittel nirgends in der Eurozone so teuer wie bei uns. In diesem Jahr gibt es viele neue Preistreiber: Pfirsiche etwa, die sich im Vergleich zum Vorjahr um rund 42 Prozent verteuerten. Im Durchschnitt müssen Österreicher für Obst um 5,7 Prozent mehr bezahlen, für Gemüse um 4,4 Prozent. Fleisch kostet um 6,3 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Für ein Schweinsschnitzerl sind aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage sogar um 19,1 Prozent mehr auf den Tisch zu legen, und Butter ist um fast 15 Prozent teurer.

Spürbar teurer

"Diese Verteuerungen treffen vor allem Geringverdiener, weil sie ungleich mehr von ihrem Einkommen für Lebensmittel ausgeben müssen“, sagt Roland Lang von der Arbeiterkammer. Generell wäre das auch nicht weiter problematisch, würden die Gehälter in gleichem Maße steigen. Das war aber nur selten der Fall. "Die Realeinkommen des unteren Drittels der unselbständig Beschäftigten sind in den vergangenen zehn bis 15 Jahren sogar gesunken“, sagt Josef Baumgartner, Inflationsexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts. Gleichzeitig liegen die Lebensmittelpreise in Österreich seit Anfang der 2000er-Jahre meist über der offiziellen Inflationsrate.

Die Gründe für die immer höheren Preise sind vielfältig. Beispiel Ernteausfälle: "Die aktuellen Preissteigerungen bei Erdäpfeln erklären sich über das mangelnde Angebot“, sagt Edmund Rauchberger, Erdäpfelbauer aus Aspersdorf bei Hollabrunn. "Im vorigen Jahr hatten wir durch Wetterkapriolen Mindererträge und damit weniger Ware, als der Markt brauchte.“ Dieses Jahr dürfte die Ernte aufgrund des langen Winters, des an Hochwasser reichen Frühlings und der Dürre in den vergangenen Monaten ebenfalls schlecht ausfallen.

Neben extremen Witterungsverhältnissen, die durch den Klimawandel in immer kürzeren Zeitabständen auftreten, ortet Christine Nowak, Analyst bei der Raiffeisen Bank International, auch einen neuen Megatrend als Ursache für Teuerungen: die "Verwestlichung der Ernährung“. Der zunehmende Fleischkonsum der wachsenden Mittelschicht in den Entwicklungsländern treibt die Preise für viele Grundnahrungsmittel in die Höhe. In China etwa haben die Preise für Schweinefleisch zuletzt Rekordhöhen erreicht.

Bei steigender Weltbevölkerung kann sich das dramatisch auf die Entwicklung auswirken. Die Produktion hält bei weitem noch nicht Schritt. In Europa ist das Potential für weitere Anbauflächen nahezu erschöpft, auch die Entwicklungsländern werden bald an Grenzen stoßen. Zudem wird immer mehr Anbaufläche für Agrosprit herangezogen. Die Welternährungsorganisation FAO geht deswegen von steigenden Lebensmittelpreisen aus. Insbesondere Fleisch und Fisch werden auch in Österreich noch teurer.

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