Gemeinsam in Genossenschaft statt einsam im Einzelkampf

Gemeinsam in Genossenschaft statt einsam im Einzelkampf

Ein Gruppe von Oberösterreichern ist überzeugt, ein neues Modell gefunden zu haben, wie Ein-Personen-Unternehmer künftig zu mehr Sicherheit kommen können. Sie erfanden die genossenschaftliche Selbstanstellung.

Gut zwei Jahre hat es gedauert, die Idee einer Genossenschaft von Ein-Personen-Unternehmen (EPU) in Kooperation mit dem Raiffeisen-Genossenschaftsverband in die Tat umsetzen. "Es gab viele arbeits-, gewerbe- und genossenschaftsrechtliche Fragen, die da im Vorfeld zu klären waren“, sagt Mitinitiator Martin Hollinetz. Wenn sich das System nun in der Praxis bewährt, könnte es für bislang Selbstständige ein interessantes Modell sein, um mehr soziale Sicherheit zu erhalten.

In der neuen Otelo Genossenschaft werden die Mitglieder angestellt. Jeder definiert, wie viel er verdienen möchte - inklusive aller Zusatzkosten für Versicherung, Steuern und andere Gemeinkosten. Genau dreimal so hoch wie dieser Monatskostenblock ist der Einstiegsbeitrag in die Genossenschaft, damit zumindest drei Monate Gehalt als Puffer zur Verfügung stehen. Will man 4.000 Euro im Monat verdienen, muss man dann rund 10.000 Euro Umsatz erwirtschaften.

Hollinetz glaubt, dass sich die "Selbstanstellung“ dennoch rechnet. "Ich war zehn Jahre selbstständig. Wenn man ehrlich kalkuliert, kann man sich höchstens 50 Prozent des Umsatzes als Gewinn auszahlen.“

Statt acht Steuerberatern nur noch einen

Dennoch habe sein System zahlreiche Vorteile. Probeweise haben Hollinetz und seine Freunde den Genossenschaftsbetrieb nachgeahmt. "Statt acht Steuerberatern haben wir nun nur noch einen, zudem teilen wir uns die Gewerbeanmeldungen“, sagt er. Ein weiteres Beispiel für einen Vorteil der Konstruktion: Hollinetz’ Frau, die ursprünglich von seinem Kleinstunternehmen ein geringes Gehalt bezog, ist nun auch von der Genossenschaft angestellt - was für die Familie eine geringere Steuerlast und langfristig eine höhere Pension für die Frau bedeutet. Für die nötigen Umsätze sorgen beide gemeinsam. "Die Genossenschaft ist so organisiert, dass Umsätze einer Person oder einem Team zugeordnet werden.“

Dass mehr Gehalt als ausgemacht ausbezahlt wird, geht nicht - wenn mehr Umsatz erzielt wird, kann dieser Betrag als Zeitausgleich wieder abgebaut werden. Deckt sich das ausbezahlte Einkommen überhaupt nicht mit den anvisierten Umsätzen, wird das Arbeitsverhältnis aufgelöst.

"Der Vorteil einer Genossenschaft ist, dass es ohne Firmenbuch möglich ist, Mitglied zu werden beziehungsweise wieder auszusteigen“, so Hollinetz. Plan der Otelo Genossenschaft ist es, ihr Wissen um EPU-Zusammenschlüsse anderen zur Verfügung zu stellen. Dafür soll es ein eigenes Handlungsbuch geben - ein Sponsor wird allerdings noch gesucht. Einige Anfragen von anderen Gruppen, die sich überlegen, eine solche Gemeinschaft zu bilden, hat Hollinetz bislang schon erhalten.

Open-Source-Modell für Kreative ins Leben gerufen

Ein Modell mit Vorbildcharakter zu entwickeln, das ist dem Oberösterreicher bereits einmal gelungen: Er hat mit Otelo (Offenes Technologielabor) ein Open-Source-Modell für Kreative ins Leben gerufen. Die Vereine sollen Raum für Experimente mit Technologie und Naturwissenschaften sowie für Kreativität bieten und durch die regionale Vernetzung den "Braindrain“ am Land verringern. Mittlerweile gibt es neun Otelo-Standorte, an denen etwa Solartrockner, Tesla-Spulen und 3D-Drucker gebaut oder Fahrräder repariert werden. Weitere sind geplant, sogar in Wien gibt es Interesse an so einem Projekt, das aus der Regionalentwicklung stammt und im Rahmen eines Impulse-Lead-Förderprogramms des Austria Wirtschaftsservice (AWS) weiterentwickelt wurde.

Für seine Initiativen wurde Hollinetz in das weltweite Ashoka-Netzwerk als Fellow aufgenommen. Von der Tageszeitung "Die Presse“ wurde er im Vorjahr zum Österreicher des Jahres gewählt.

Weitere Ideen für die Genossenschaft hat er auch bereits: "Wir denken über verschiedenen Kooperationen mit anderen Initiativen nach oder auch über Stipendien zum Start ins Entrepreneurleben.“ Sein Motto nennt er: "Learning by Burning“. Und ganz offen gibt er zu: "Wir brennen dafür, aber uns ist schon auch bewusst, dass wir uns mit neuen Wegen wie diesem auch die Finger verbrennen können.“

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