Gebühren-Poker in Schwechat: AUA blitzt mit Wunsch nach finanzieller Unterstützung ab

Die um ihre Existenz kämpfende AUA erwartet sich vom Flughafen Wien ein finanzielles Entgegenkommen in der Höhe von 40 Millionen Euro. Dieser bleibt aber gegenüber seinem Hauptkunden hart.

Klinkenputzen ist zurzeit die Hauptbeschäftigung der neuen AUA-Chefs Andreas Bierwirth und Peter Malanik. Sei es bei der OMV, der Austro Control oder beim Flughafen Wien. Überall ist das Gleiche gewünscht: ein Solidarbeitrag für den angeschlagenen Homecarrier. Gelingt es nämlich der AUA nicht, in wenigen Wochen ein 225 Millio­nen Euro schweres Sparpaket zu schnüren, droht ihr die Insolvenz. Doch das Entgegenkommen der Befragten hält sich bislang in Grenzen.

Ansuchen beim Flughafen
Ein besonders hartnäckiger Fall scheint der Flughafen Wien zu sein: Dort fanden sich die AUA-Chefs vorige Woche zu einem Achtaugengespräch mit der Flughafen-Spitze, Herbert Kaufmann und Christian Domany, ein. Dabei ging es um die „Verbesserung der Systempartnerschaft“, genauer gesagt um eine Gebührenreduktion für die Airline. Über genaue Gesprächsinhalte wurde von beiden Seiten zwar Stillschweigen vereinbart, aber in der Gerüchteküche brodelt es umso heftiger. Von einer kompletten Gebührenbefreiung oder von einem Millionendarlehen vom Flughafen an seinen maroden Kunden hört man. „Die AUA wollte angeblich ein Darlehen in der Höhe von 40 Millionen Euro, aber das kommt natürlich nicht infrage“, meint ein Flughafen-Aufsichtsrat nach FORMAT-Anfrage.

Wettbewerber bereits alarmiert
In dem einen oder anderen Bereich könne man dem Homecarrier vielleicht entgegen­kommen, aber sicher nicht in der geforderten Größenordnung. „Eine Gebührenbefreiung kann es schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht geben“, wehrt auch Flughafen-Sprecher Peter Kleemann prompt ab. Und tatsächlich beäugen die Wettbewerber, etwa Airliner Niki Lauda, die Gebührenwünsche der AUA bereits misstrauisch: „Wenn die AUA vom Flughafen Vergünstigungen bekommt, werden wir das sicher nicht hinnehmen. Dann kann der Flughafen-Vorstand gleich bei uns vorbeikommen und uns auch Geld mitbringen.“

Tarife unter dem Durchschnitt
Genau das will man am Flughafen Wien vermeiden und verweist darauf, dass die Tarife ohnehin schon unter dem europäischen Durchschnitt liegen, und der für die AUA bedeutende Transferverkehr werde noch extra berücksichtigt. Außerdem, so ist vom Flughafen zu hören, wäre dieser Beitrag nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn: „Weniger als vier Prozent des Aufwandes der AUA betreffen den Flughafen“, will ein Flughafen-Insider wissen. Das sieht man bei der um ihre Existenz kämpfenden Fluglinie anders und schätzt das jährliche Einsparungspotenzial am Flughafen auf 40 Millionen Euro. AUA-Chef Bierwirth spricht auf einer Mitarbeiterveranstaltung sogar von der „Abschöpfung von Monopolrenditen“ durch den Airport.

Letztes Wort noch nicht gesprochen
Außerdem orten AUA-Insider einen Bruch mit dem früheren Gebaren in Krisenzeiten: „Nach 9/11 ist uns der Flughafen auch durch eine Sistierung der Gebühren entgegengekommen. Diesmal gibt es aber absolut keine Bereitschaft dazu.“ Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, der Flughafen will seinem wichtigsten Kunden Austrian Airlines (48 Prozent Marktanteil) die Tür nicht vor der Nase zuschlagen. Aber ein finanzielles Entgegenkommen scheint unwahrscheinlich, zumal man sich in guter Gesellschaft weiß. Auch bei der OMV zeigt man nämlich wenig Verständnis für die prekäre Lage der AUA. Ein OMV-Sprecher: „Wir sind ein fairer Wettbewerber am Markt.“

Von Angelika Kramer

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