Gagen: Viele österreichische Vorstände haben 2009 deutlich weniger verdient

Das Jahr 2009 hat bei rund der Hälfte der Vorstände von ATX-Unternehmen Krisenspuren auf den Gehaltszetteln hinterlassen. Vor allem im Bereich Banken und Versicherungen gingen die Bezüge für die Top-Manager zurück.

Wäre Wolfgang Ruttenstorfer ein Durchschnittsösterreicher, müsste er knapp 90 Jahre arbeiten, um das zu kassieren, was er als OMV-Chef im vergangenen Jahr verdiente. Wäre Ruttenstorfer Bundespräsident, müsste er rund acht Jahre im Amt sein, um auf seinen Bezug im Mineralölkonzern für 2009 in Höhe von 2,6 Millionen Euro zu kommen. Was der 59-Jährige im Vorjahr für nicht einmal zwei Tage Arbeit überwiesen bekam, erhält ein österreichischer Pensionist im Schnitt im Jahr. Mit 2,6 Millionen Euro führt Ruttenstorfer die Einkommensstatistik der ATX-Manager eindeutig an. Dies geht aus einer FORMAT-Auswertung der Geschäftsberichte der wichtigsten heimischen börsennotierten Firmen hervor. Im vergangenen Jahr teilte sich Ruttenstorfer, dessen Vertrag noch knapp ein Jahr läuft, die Spitzenposition mit Hans Peter Haselsteiner. Doch der Strabag-Boss kommt für das abgelaufene Geschäftsjahr wohl auf geringere Bonuszahlungen als 2008, heißt es, während Ruttenstorfer um 100.000 Euro mehr verdiente. Betrachtet man die Gehaltstabelle genauer, so sind die Krisenspuren nicht nur bei den Strabag-Managern zu finden. Rund die Hälfte der Vorstände musste im Vorjahr ein Einkommensminus hinnehmen. Dabei war auch schon 2008 für viele Manager in Österreich kein besonders gutes Jahr. Im Schnitt gingen ihre Gehälter damals um 8,3 Prozent zurück, wie das Aktienforum errechnet hat. Die variable Entlohnung wurde 2008 um durchschnittlich 14,3 Prozent reduziert.

Große Einbußen im Finanzbereich
Vor allem bei Banken und Versicherungen sind 2009 die Gagen abermals ordentlich geschrumpft: Erste-Group-Vorstand Franz Hochstrasser verdiente um 63 Prozent weniger und kam 2009 auf 723.000 Euro. Sein Boss Andreas Treichl verdiente 2007 noch rund 4,2 Millionen Euro. Im Jahr 2008 waren es 3,3 Millionen Euro, im Vorjahr 1,5 Millionen. Treichl verzichtete wie die anderen Erste- und Raiffeisen-International-Vorstände auf Bonuszahlungen. Auch der Chef der Vienna Insurance Group (VIG, Wiener Städtische Versicherung), Günter Geyer, vermeldete zwar gute Geschäftsergebnisse für 2009, Bonus erhält er – wie 2008 auch schon – dennoch keinen. Damit bringt sich die Finanzbranche, der mit einem staatlichen Rettungsschirm geholfen wurde, ein wenig aus der Schusslinie. Denn die hohen Gehälter für Manager sorgten im Vorjahr für hitzige Diskussionen.

"Das kann nicht sein"
Politiker wie Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) legten den Spitzenkräften mehr Bescheidenheit ans Herz. Kanzler Werner Faymann liebäugelte mit einer Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit der Vorstandsbezüge auf 500.000 Euro. Damit müssten Unternehmen, die ihren Managern mehr bezahlen, höhere Körperschaftssteuern in Kauf nehmen. Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer, hat derzeit immer noch das Gefühl, „die Folgen der Krise werden auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen“. Selbst der „bescheidenste“ der ATX-Vorstände verdient noch mehr als der Bundespräsident. Außerdem werden viele börsennotierte Unternehmen auch heuer wieder ihre Aktionäre mit Dividenden belohnen. „Das kann nicht sein“, ärgert sich Tumpel. „Während einerseits massenweise Arbeitsplätze abgebaut werden, planen die ATX-Konzerne wie schon in den Jahren zuvor enorme Ausschüttungen“.

Versteckte Bezüge
Während die Höhe der Ausschüttungen stolz und die Zahl der Mitarbeiter klar ersichtlich sind und meist schon auf den ersten Seiten des Geschäftsberichts bekannt gegeben werden, sind die Vergütungen der Vorstände vielfach nur versteckt zu finden. Dies geschehe in „Rücksichtnahme auf die Privatsphäre der Mitglieder des Vorstandes“ und weil der „Informationswert individualisierter Bezüge“ für die Öffentlichkeit und die Anleger vergleichsweise gering ist, wie etwa VIG-Sprecher Alexander Jedlicka betont. „Individualisierte Bezüge sind prinzipiell kein wesentlicher Punkt, aber ein kleines, wichtiges Zeichen, was die Kapitalmarkttransparenz betrifft“, sagt Anleger-Schützer Wilhelm Rasinger. Je ungenauer die Höhe der Vergütung angegeben wird, desto schwieriger werden aber Vergleiche, denn nicht immer ist offensichtlich, ob in der Gesamtsumme aus variablen und fixen Gehaltsbestandteilen etwa auch die Pensionskassenbeiträge und Sachbezüge berücksichtigt werden.

Mehr Transparenz bei Gehältern
Richard Schenz, Kapitalmarktbeauftragter der österreichischen Regierung, sieht das ähnlich: „Es ist für Aktionäre wichtig, zu wissen, welche Boni wann ausbezahlt werden, außerdem ist es international üblich.“ Der Vergütungsreport von BP International umfasse mittlerweile 13 Seiten, dort würde genau aufgelistet, welchem Vorstand welche Abfertigung, welche Sachwerte und welche sonstigen Bezüge gewährt werden. Schenz glaubt, dass in einigen Jahren alle großen börsennotierten österreichischen Unternehmen mehr Gehaltstransparenz bieten werden und nicht mehr nur die Musterschüler wie OMV, Verbund, Wienerberger und die Erste Group. Noch mehr zu wünschen übrig lässt die Nachvollziehbarkeit der Gehälter bei öffentlichen Unternehmen. Zwar listet der Rechnungshof Jahr für Jahr die durchschnittliche Vergütung der Vorstandsgehälter auf, aber durch Ab- und Zugänge ist ein genauer Vergleich oftmals schwierig. Rechnungshofpräsident Josef Moser meinte unlängst, bei öffentlichen Unternehmen sei keine Transparenz gegeben. Er empfahl dem Parlament, sich für die Offenlegung personenbezogener Daten einzusetzen – wie das auch in anderen Ländern übrig sei. So ist zwar das Gehalt von Christian Kern als Verbund-Chef bis zum letzten Euro bekannt. Was der Wiener aber im Juni nach seinem Wechsel in die ÖBB genau verdienen wird, darüber gibt es mit „rund 500.000 Euro“ nur vage Aussagen. Es wird auf jeden Fall weniger als im Verbund sein.

2010 winkt mehr Geld  
Für viele andere Manager dürfte aber 2010 nach zwei Krisenjahren eine Trendwende bei den Gehältern darstellen. In den Geschäftsberichten könnte bald wieder von höheren Bonuszahlungen die Rede sein, glaubt Maria Smid, Personalexpertin bei Kienbaum Management Consultants. „Bei den variablen Vergütungen wurden 2009 zum Teil große Einbrüche verzeichnet“, sagt Smid. Nun gebe es Signale, dass die Unternehmen heuer bessere Ergebnisse erzielen könnten – mit positiven Folgen für die Führungsmannschaft. Der Anstieg wird aber nicht mehr so rasant sein wie in den Boomjahren, denn die Entlohnungsziele wurden zum Teil an längerfristige Ziele gekoppelt. Am Arbeitsmarkt für Durchschnittsösterreicher ist hingegen von einer Trendwende noch nichts zu spüren: Fachleute erwarten ein weiteres schwieriges Jahr.

Miriam Koch

Im aktuellen FORMAT auf Seite 24 finden Sie eine Tabelle mit den Vergütungen der Vorständen von ATX-Unternehmen

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