Frisches Geld aus dem Morgenland für René Benko

Frisches Geld aus dem Morgenland für René Benko

Die Schweizer Falcon Private Bank, die dem Staatsfonds aus Abu Dhabi gehört, hat sich in René Benkos Immobilienkonzern Signa eingekauft. Ein Lichtblick in turbulenten Zeiten.

Es gibt dieser Tage trotz unangenehmer Erfahrungen mit der Justiz auch erfreuliche Momente für den 35-jährigen Tiroler René Benko. Der Immobilien-Tycoon konnte für seine Konzerntochter Signa Prime Selection, wo die Luxus-Liegenschaften gebündelt sind, einen potenten Investor an Land ziehen. Die traditionsreiche Schweizer Falcon Private Bank hat für 50 Millionen Euro 13,63 Prozent der Anteile an der Signa Prime erworben. Die Bank steht zu 100 Prozent im Eigentum der Investmentgesellschaft Aabar des Herrscherhauses von Abu Dhabi. Und Geld ist in dieser Gegend des Morgenlandes bekanntlich reichlich vorhanden.

Der energiegeladene Immobilien-Unternehmer zeigt sich über den neuen Partner dementsprechend erfreut: "Die Falcon Private Bank ist Mitaktionärin der Signa Prime Selection, weil sie vom Geschäftsmodell und vom zukünftigen Potenzial der Signa Gruppe völlig überzeugt ist.“ Das Institut hat sich sogar eine Option auf die Aufstockung seiner Anteile einräumen lassen. Bankchef Eduardo Leemann soll auch in Kürze in den Aufsichtsrat der Signa Prime Selection AG einziehen. Dort trifft er auf eine sehr illustre Gesellschaft: Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer findet sich so wie Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Kontrollgremium der Immobilienfirma.

Die hinter der Falcon Private Bank stehende Aabar-Gruppe ist eine große Nummer im europäischen Investmentgeschäft und hält unter anderem Anteile an der Bank-Austria-Mutter UniCredit, dem Automobilkonzern Daimler und dem Rohstoff-Giganten Glencore. Auch in Österreich sind die Herren aus Abu Dhabi keine Unbekannten. Der milliardenschwere Staatsfonds IPIC (International Petroleum Investment Company), Eigentümer von Aabar, ist seit Jahren Minderheitsaktionär beim Mineralölkonzern OMV. Lange als äußerst verlässliche Investoren geschätzt, war zuletzt mehrmals die Rede davon, dass die Araber bei der OMV bzw. deren Tochter Borealis, wo die IPIC sogar 65 Prozent hält, ihre Macht ausbauen wollen.

Justiz-Troubles

René Benko hat derzeit andere Sorgen, als sich darüber Gedanken zu machen. Der neue, mit viel Kapital ausgestattete Partner Falcon Private Bank ist zwar ein positives Signal für den Markt, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Benkos steile Karriere erstmals Schrammen abbekommen hat. Wegen des Vorwurfs einer verbotenen Intervention bei einem Steuerverfahren in Italien wurde Benko jüngst erstinstanzlich zu zwölf Monaten bedingter Haft verurteilt . Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Benko und sein Umfeld sind zwar eifrig bemüht, die Auswirkungen des Richterspruchs herunterzuspielen, allerdings macht der jahrelang als Aufsteiger uneingeschränkt gefeierte Benko jetzt eine neue Erfahrung. Plötzlich kursieren alle möglichen anonymen Querschüsse und Gerüchte. "Bei einigen Konkurrenten und Neidern sind seit dem Urteil die Hemmungen gefallen, es werden schamlos Unwahrheiten verbreitet“, sagt ein Vertrauter von Benko. Gerüchte über verzögerte Zinszahlungen bei österreichischen Banken - insgesamt hat der Konzern durchaus beherrschbare 1,5 Milliarden Euro Verbindlichkeiten - sind zwar aus der Luft gegriffen. Aber die Nerven liegen durchaus blank.

Gerüchteküche

Insider wollen von Schwierigkeiten beim größten Prestige-projekt, dem Goldenen Quartier an den Wiener Tuchlauben, wissen. Benko kontert: "Das Goldene Quartier ist der neue Top-Standort im Zentrum von Wien. Für die wenigen noch zur Verfügung stehenden Shops gibt es mehrere Interessenten. Mit der Eröffnung des Luxushotels Park Hyatt Vienna und der Fertigstellung der Fußgängerzone wird das Gesamtprojekt Goldenes Quartier Anfang 2014 fertiggestellt und vollvermietet sein.“ Andere weisen auf Bilanz-Details wie eine auffällige sprunghafte Wertsteigerung des Kaufhauses Tyrol im letzten Geschäftsabschluss hin, was Benko ebenfalls abschmettert: "Der Marktwert der Immobilie beträgt laut internationalen Immobiliengutachtern in dem für die Bilanzerstellung maßgeblichen Zeitpunkt 238 Millionen. Bei dem Betrag von 154 Millionen hatte es sich um historische Betrachtung der Anschaffungskosten vor Fertigstellung und Vollvermietung gehandelt. Die Anpassung in der Bilanz setzt daher die tatsächlichen Gegebenheiten um.“

Sogar in Kroatien erschien ein negativer Medienbericht im Zusammenhang mit dem Mietvertrag der kroatischen Telekom in Benkos Hoto-Toran-Tower. Demnach sollen Signa-Lobbyisten Druck bei der Deutschen Telekom gemacht haben, weil die Tochter in Kroatien aus der Immobilie ausziehen will. Benkos Kommentar: "Totaler Schwachsinn. Es gibt einen laufenden Mietvertrag.“

Diese Sticheleien werden der Signa wenig anhaben können. Das Problem ist ein anderes: Das Urteil gegen Benko könnte die um ihre Compliance-Richtlinien sehr besorgten deutschen Geldinstitute, die bei der Signa im Boot sind - etwa die Hessische Landesbank - beunruhigen. Auch wenn der Erfolgsunternehmer betont: "Niemand ist nervös, die Sache betrifft mich privat, nicht die Signa.“ - Die Finanzierung künftiger Großprojekte könnte sich schwieriger gestalten als bisher. Zumal sich auch Benkos 50-Prozent-Partner, der griechische Schiffsreeder George Economou, Druck ausgesetzt sieht. Dass die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, griechische Millionäre unter Generalverdacht der Steuerhinterziehung stellte, wird wohl nicht zur Kalmierung der Situation beitragen.

Ungebrochener Expansionshunger

In seinem Expansionsdrang will sich René Benko trotzdem nicht bremsen lassen. Mit dem "Quartier Belvedere“ am neuen Wiener Hauptbahnhof steht das nächste Großprojekt vor der Tür. Um sich für die Zukunft zu rüsten, begab die Signa im Oktober eine zehnjährige Anleihe über 150 Millionen Euro mit einer Verzinsung von 4,5 Prozent. Und das Geld des neuen Partners Falcon Private Bank kommt da wie gerufen.

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