"Frank hat mich in den letzten Monaten oft konsultiert"

"Frank hat mich in den letzten Monaten oft konsultiert"

Ex-Landesrat, Wirtschaftsberater, Mastermind hinter Stronachs politischen Ambitionen: Herbert Paierl ist ein Mann mit vielen Hüten. Leise bastelt er am Polit-Comeback.

Zum Beispiel eine Woche wie diese: Montag Oberösterreich, Dienstag Spanien, Mittwoch und Donnerstag Polen, Freitag Wien. Herbert Paierl ist derzeit viel unterwegs. Der „Executive Vice President“ der zu Frank Stronachs Magna-Reich gehörenden Cosma-Gruppe berät den Milliardär in Wirtschaftsfragen.

Nicht nur: Stronach setzt vor allem bei seinen Polit-Ambitionen auf die Expertise des früheren steirischen Regierungsmitglieds, einst tragende Figur in der damals vergleichsweise revolutionär gesinnten Landes-ÖVP.

Irgendwie ist Paierl, der sich in erster Linie gerne als Unternehmer sehen würde, immer schon die Politik dazwischengekommen. Das war bereits 1981 so, als ihn der steirische Landeshauptmann Josef Krainer aus der Wirtschaft in sein Kabinett holte. Und später, als Krainers Nachfolgerin Waltraud Klasnic dem gelernten Raumplaner das Wirtschaftsressort anvertraute. Im Duett mit dem damaligen Freund und Regierungskollegen Gerhard Hirschmann rockte Paierl die Steiermark. Er galt, wie Hirschmann, als Klasnic-Nachfolger.

Doch zwei Kronprinzen verträgt kein Land, 2004 endete alles im Chaos um den Herberstein-Skandal (Fördermillionen des Landes für einen gräflichen Tierpark). Klasnic, als Landeshauptfrau längst am absteigenden Ast, opferte Paierl. Der schied, nun heftig zerstritten mit seinem Zwilling Hirschmann, aus der Politik aus.

Glücksfall Zäsur

„Ein Glücksfall war das“, sagt er rückblickend über diese Zäsur. Für Paierl begann ein neues Leben. Er gründete eine Beratungsfirma, über die er noch heute seine Brötchen verdient, wechselte ins Magna-Reich. Nach einem Umzug ins kanadische Toronto sowie der Rückübersiedlung nach Wien reifte er zum Stronach-Vertrauten in Sachen Politik.

Obwohl nach wie vor unklar ist, was der Milliardär nun genau an politischen Aktivitäten plant – entwickelt werden sie unter maßgeblichem Zutun von Herbert Paierl. Der gibt sich gar keine große Mühe mehr, das zu verbergen. „Frank hat mich in den letzten Monaten oft konsultiert. Und ich habe ihm zugesagt, ihn bei seinen Plänen zu unterstützen“, sagt Paierl.

Mit dem Jetten durch Europa wird in absehbarer Zeit ohnehin Schluss sein, Paierls Cosma-Mandat geht dem Ende zu. Aber in den Jahren als Frank Stronachs Berater hat er sich eine starke Position in dessen Gunst erarbeitet. Auch wenn Paierl schwört, nun ein Mann der Wirtschaft zu sein, blitzt im Gespräch immer wieder Interesse an der Politik durch.

Auch Lust. „Wer einmal Politiker war, den juckt es immer wieder, dieses Gen sitzt tief“, schätzt Herwig Hösele, Klasnic-Vertrauter und langjähriger Wegbegleiter Paierls, dessen Ambitionen auf eine Rückkehr durchaus als gegeben ein.

Es sind eben immer die Gene. Wohl deshalb spielt Paierl hinter den Kulissen in Stronachs politischen Absichten die tragende Rolle. Was Paierl aus seiner diesbezüglichen Gedankenwelt nach außen dringen lässt, ähnelt auch verdächtig dem, was Stronach dieser Tage so von sich gibt. Das System sei am Ende, Parteien in ihrer jetzigen Form hätten sich überlebt, neue Menschen brauche es und so weiter. „Frank und ich verstehen uns, denken ähnlich, reden oft. Und machen uns dieselben Sorgen ums Land“, sagt Paierl.

Auch wenn Stronach schon mehrere politische Entscheidungsträger in seinem Magna-Imperium verschlissen hat, bei Paierl scheint die Sache dauerhafter angelegt zu sein. Offensichtlich stimmt zwischen den beiden die Chemie. „Herbert war lange Zeit in der Privatwirtschaft und hat neben seinen politischen Erfahrungen sehr viel aus der Wirtschaft dazugelernt. Er ist ein gestandener Bursche mit viel Hausverstand“, lobt Stronach seinen Einflüsterer. „Wir kommen aus den gleichen einfachen Verhältnissen, aus derselben Gegend“, sagt der 60-jährige Gleisdorfer Paierl über den 80-jährigen Weizer Stronach – die steirischen Kleinstädte liegen kaum mehr als 20 Kilometer voneinander entfernt.

Paierl, dem man Umgänglichkeit und Kreativität nachsagt und dem kaum jemand lange böse sein kann, eignet sich gut als Galionsfigur: Anders als zum Beispiel Karl-Heinz Grasser, ebenfalls ehemaliger Zögling des Milliardärs Stronach, leistet er sich keine ernsthaften Skandale, ist daher auch nachhaltig salonfähig. „Der Herbert gehört zweifellos zu den hellen Köpfen im Land“, lobt Hösele. Auch Paierls Streit mit dem früheren Freund Hirschmann, zwischendurch zur veritablen Feindschaft eskaliert, ist beigelegt.

Vor kurzem erst kam es zu einer mehrstündigen Aussprache. „Ich habe ihm verziehen“, sagt Paierl über Hirschmann. „Es passt wieder“, bestätigt der. Und legt nach: „Wir waren einmal ein brillantes Team, so kann es wieder sein.“ Hirschmann teile, schrieb jüngst die renommierte Wochenzeitung „Die Zeit“, die Welt in Genies und Idioten. Paierl hält er zweifellos für Ersteres. Man dürfte wohl auf dem besten Weg sein, neue alte Freunde zu werden.

Die Planspiele der Steirer-Buam

Weil der impulsive Hirschmann, aus dem es schon einmal unkontrolliert heraussprudelt, immer gleich im großen Stil denkt, scheint eine neue Konstellation auf der kleinen heimischen Politbühne denkbar: ein Engagement Stronachs mit den Aushängeschildern Paierl und Hirschmann. Paierl mag Wien, wo ein künftiger Stronach-Politiker wohl seinen Dienstort hätte. „Gegenwärtig“, erzählt er zufrieden, „wohnen wir in der Innenstadt, da haben wir viel Platz.“ Das geräumige Appartement in der Löwelstraße biete genug Raum (zwei der sieben Kinder, welche zur Patchwork-Familie von Paierl und Ehefrau Linda gehören, wohnen noch zuhause).

Gut möglich also, dass die Untermiete zur Dauerbleibe wird. Außer, den Steirer zieht es wieder hinaus in die etwas weitere Welt, zum Beispiel nach Europa. „EU-Wettbewerbskommissar“, sagt Paierl, wäre nämlich sein eigentlicher Traumjob. Aber das wird es in diesem Leben wohl nicht mehr spielen.

Dieser Tage machen im Stronach-Umfeld übrigens wilde Gerüchte die Runde: Für den Fall, dass Karl-Heinz Grasser aus seinen vielen Gerichtsverfahren unbeschädigt hervorgeht, überlege der Mäzen, KHG als Frontfigur einzusetzen.

– Klaus Puchleitner

Dem Autor auf Twitter folgen:

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff