Formel 1-Dream Team Lauda/Wolff verleiht Mercedes Flügel

Sechs Tage vor dem Start der Formel 1-Saison wirkt Toto Wolff sehr entspannt. Mit Rucksack, weißem offenen Hemd und breitem Grinsen im Gesicht sieht der 42-jährige Wiener eher wie ein Student nach dem Fußballtraining als der Chef eines der größten Formel-1-Rennställe der Welt aus.

Seit dem Frühjahr letzten Jahres ist Wolff Motorsportchef des Mercedes AMG Formel 1-Teams. Seine bisherige Bilanz kann sich sehen lassen: In nur einem Jahr hat er aus einem Mittelklasse-Team einen Mitfavoriten um den WM-Sieg gemacht. In der Saison 2012 fuhren die Silberpfeile mit bloß einem Rennsieg auf Platz 5 der WM, 2013 belegte Mercedes bereits Rang zwei hinter Red Bull mit immerhin drei Siegen. Und in der heurigen Saison, die dieses Wochenende in Melbourne startet, leuchtet der Mercedes-Stern noch ein wenig heller.

In den Testfahrten dominierten die Silberpfeile klar: Mit 974 Testrunden demoralisierten sie die Bullen aus Dietrich Mateschitzs Rennstall mit läppischen 319 Testrunden. Vierfachweltmeister Sebastian Vettel ist die Enttäuschung anzumerken: „Man kann wohl sagen, dass wir nicht die Favoriten sind“, resümierte der Red Bull-Fahrer bitter. Und für Formel 1-Boss Bernie Ecclestone und die Buchmacher steht der nächste Weltmeister schon fest: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton. Wolff hat also allen Grund, entspannt in die nächste Saison zu blicken.

Der listige Wolff

Zumal auch die deutschen Medien den Wiener mittlerweile für sich entdeckt haben. „Mercedes und der listige Wolff“ lautet eine in diesen Tagen erschienene Schlagzeile. Der listige Wolff weiß aber auch, dass es klug ist, den Ruhm mit seinem Team bestehend aus 600 Mitarbeitern zu teilen. Und so spricht er stets von „wir“, wenn er über die Erfolge des letzten Jahres spricht. Überhaupt attestieren ihm Freunde ein „sehr gutes Gespür für Menschen“.

Wolff schaut auf sein Team: So hat er etwa in der Werkskantine eine sogenannte „healthy option“, also ein gesundes Gericht eingeführt. „Wenn man so viel reist wie wir, muss man auch auf sich schauen“, ist der Manager überzeugt. Wolffs wichtigster Ansprechpartner im Team ist Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda. Beide besitzen auch Anteile – Wolff 30, Lauda zehn Prozent – am Mercedes-Rennstall. „Niki Lauda ist mit seinen guten Kontakten so etwas wie ein Außenminister. Und er lässt uns nach innen machen, was wir für richtig halten“, beschreibt Wolff im Interview mit FORMAT die Rollenverteilung. Nach anfänglichen Reibereien zwischen den beiden Österreichern im Team, scheinen die zwei mittlerweile gut zu harmonieren. Der dritte im Bunde ist Paddy Lowe, Technikchef bei Mercedes, den Wolff von McLaren abgeworben hat.

In Kürze neu bei Mercedes werden auch zwei Ingenieure von Konkurrenten Red Bull sein, die das Duo Lauda/Wolff an Land gezogen haben. Die Rivalität zwischen Bullen und Silberpfeilen dürfte dadurch neu angeheizt werden. Was Wolff aber scheinbar kalt lässt: „Auf derartige Befindlichkeiten kann ich keine Rücksicht nehmen.“ Formel-1-Insider berichten, dass zwischen Red Bull und Mercedes seit der letzten Saison hinter den Kulissen regelrecht die Fetzen fliegen. Wolff bezeichnete seinen Konkurrenten despektierlich als „Brausehersteller“. Dieser wiederum legte bei der FIA, der Rennsportbehörde, Proteste wegen der Reifentests von Mercedes ein.

Karten neu gemischt

In der neuen Saison dürften jedoch nicht mehr nur die Reifen rennentscheiden sein, denn das Reglement sieht etliche Neuerungen bei den Boliden vor. Statt der bisherigen Saugmotoren kommen Sechszylinder-Triebwerke mit Turbolader zum Einsatz und der Spritverbrauch wurde mit 100 Kilogramm begrenzt. Offenbar alles Neuerungen, die Mercedes zugute kommen. Wolff ist begeistert von den Änderungen: „Endlich erleben wir wieder einen Wettbewerb der besten Ingenieure.“ Und die dürften diese Saison in Stuttgart bei Daimler beziehungsweise im englischen Brackley, wo die Silberpfeile gefertigt werden, sitzen. Oder sie haben die Rennpause einfach effizienter genutzt, wie Niki Lauda kürzlich andeutete: „Wer früher anfängt, ist früher fertig“, sagte er keck in Richtung Red Bull. Die Bullen ihrerseits haben vor allem mit Software-Problemen und der Einstellung der Renault-Motoren zu kämpfen.

Auch wenn das Austro-Duo bei Mercedes sehr gelöst wirkt, der Druck von Daimler, die WM zu gewinnen, ist groß. Daimler-CEO Dieter Zetsche hat die Marschroute bereits deutlich abgesteckt: „Selbstverständlich ist unser Ziel der Gewinn der Fahrer- und der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft“, sagte er und meinte damit bereits die Saison 2014.

Damit will er auch Aktionärsgruppen zum Schweigen bringen, die Anfang 2013 noch den Ausstieg von Daimler aus der Formel 1 gefordert hatten. Seit den Erfolgen der letzten Saison sind sie aber merklich ruhiger geworden. Wahrscheinlich sind es Zahlen wie diese, die zweifelnden Aktionäre verstummen lassen: „2013 hat die Formel 1 einen Werbe-Gegenwert von rund einer Milliarde Euro für Mercedes erzielt“, berichtet der Motorsportchef stolz. Und auch die Ausschüttungen aus dem Formel 1-Kuchen konnten sich vergangene Saison sehen lassen: 92 Millionen Dollar soll Bernie Ecclestone locker gemacht haben. Im Vergleich dazu nehmen sich die kolportierten 50 Millionen Euro, die Daimler dem Stall zuschiesst, geradezu mickrig aus.

Sieg am Österreich-Ring ist Pflicht

Druck auf den WM-Sieg kommt aber nicht nur vom Eigentümer, sondern von Wolff selbst. „Er ist jemand, der sich nicht mit Platz zwei oder drei zufrieden gibt“, berichtet sein langjähriger Freund und Rechtsberater Christian Nordberg. Speziell am Österreich-Ring, der heuer wieder am Tour-Kalender steht, würde sich der Mercedes-Chef einen Erfolg wünschen. Mit 20 Jahren war er nämlich dort als Renn-Instruktor tätig: „Es ist fast wie eine sentimentale Pflicht, dort zu siegen“, meint Wolff.

Und was, wenn der gebürtige Wiener mit seinem Unterfangen, den WM-Titel zu holen, in den fünf Jahren, die ihm vertraglich zur Verfügung stehen, scheitert? Dann bleibt ihm immer noch sein Private Equity-Geschäft, das jetzt vorwiegend von seinem Geschäftspartner Rene Berger weitergeführt wird und in das Wolff – Erfolg oder Misserfolg – jedenfalls früher oder später zurückkehren will. Zur Zeit sieht es eher nach später aus.

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