FORMAT exklusiv: Der geheime Magna-
Businessplan enthüllt harten Sparkurs

Im vertraulichen Businessplan für Opel hat die Magna-Spitze niedergeschrieben, wie sie den Autohersteller wieder flottkriegen will.

Die Chancen, beim zu GM gehörenden Autobauer Opel zum Zug zu kommen, stehen gut. Seit Mittwoch ist Magna hochoffiziell der erklärte Favorit der deutschen Bundesregierung. Entschieden wird wahrscheinlich nächste Woche.

Bis dahin werden sich die Deutschen und GM aber noch einen harten Fight liefern. Denn die Amerikaner bevorzugen den US-Finanzinvestor Ripplewood, der über eine belgische Tochter für Opel bietet. GM will bei Opel weiterhin das Sagen haben und den Autohersteller eventuell in ein paar Jahren wieder zurückkaufen – und das geht nur mit Ripplewood. Allerdings besitzt eine Treuhandgesellschaft des deutschen Staates 65 Prozent von Opel. Die könnte GM-Boss Henderson nur ausschalten, wenn er 1,5 ­Milliarden Euro Überbrückungsfinanzierung zurückzahlt. Zudem hat Merkel klar gemacht, dass es für einen Finanzinvestor keine Haftungen gibt. Und: Bei Magna rechnet man damit, dass sich die Kanzlerin mit US-Präsident Obama verständigt hat, weil GM ja auch teilverstaatlicht ist. Somit spricht sehr viel für Magna, jede andere Lösung wäre eine Sensation.

Laut ihrem Angebot wollen Siegfried Wolf und Magna-Gründer Frank Stronach sofort 500 Millionen eigenes Geld in Opel investieren, wobei 400 Millionen davon vorerst als Darlehen gegeben werden und ab 2011 in vier Jahrestranchen in Eigenkapital gewandelt werden. Ripplewood würde nur 270 Millionen Eigenmittel in die Hand nehmen und will 3,8 Milliarden Staatshaftungen für Kredite (Magna: 4,5 Milliarden).

„Projekt Beam“
Magna und sein russischer Partner Sberbank wollen je 27,5 Prozent an Opel erwerben. Zehn Prozent sollen die Mitarbeiter, 35 Prozent GM halten. Der FORMAT exklusiv vorliegende 25 Seiten lange Businessplan unter dem Titel „Projekt BEAM – Zukunftskonzept Opel 2014“, der am 17. Juli in Berlin den GM-Spitzen und der deutschen Regierung präsentiert wurde, zeigt, wie sich Stronach und Wolf den Fahrplan für NewOpel vorstellen: von Restrukturierungsmaßnahmen über die Markterschließung in Russland bis hin zum gesamten Finanzbedarf. Die Eckpunkte des vertraulichen Papiers:

„Personalabbaumaßnahmen Produk­tion.“ Insgesamt müssen 10.560 Mitarbeiter gehen. Von den Kürzungen betroffen ist vor allem der Standort Antwerpen, der im März 2010 geschlossen wird. 2.321 Menschen verlieren dort den Job. Beim heimischen Motoren- und Getriebewerk in Aspern werden nur Leiharbeiter betroffen sein. Neben den Personalkürzungen will Magna Maßnahmen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeldern sowie Gehaltskürzungen durchsetzen – und so weitere 264 Millionen Euro sparen. Im Gegenzug ist – ganz nach dem Magna-Prinzip: weniger fix, mehr Erfolgsprämie – eine zehnprozentige Gewinnbeteiligung für die Mitarbeiter geplant. Insgesamt 167 Millionen Euro sind dafür bis 2014 budge­tiert. Die Opel-Betriebsrenten will Wolf beenden und dafür zusätzliche 226 Millio­nen Euro in den Pensionsversicherungsverein einzahlen.

„Einsparungen in Einkauf und Logis­tik.“ Zwischen 2009 und 2014 sollen durch eine effizientere Organisation und Synergien 329 Millionen gespart werden.

„Veränderungen der Produktionsstrate­gie
Laut Businessplan soll Opel im nächsten Jahr 1,25 Millionen Autos bauen und die Zahl bis 2014 auf über 1,6 Millionen steigern. Diese Werte sind deutlich konservativer angesetzt, als das GM gemacht hat, weshalb es mit den Amerikanern in den letzten Wochen auch viel Zoff gab. Die Auslastung der europäischen Werke, die im Moment nur zwischen 50 und 70 Prozent liegt, soll mittelfristig in die Gegend von 100 Prozent steigen. Die Produktion in Belgien (derzeitige Produktion nur 76.000 Autos) soll aus Rentabilitätsgründen noch 2010 eingestellt werden. In Aspern ist die Anhebung der Fertigung von einer Million auf 1,79 Millionen Motoren und Getriebe vorgesehen (Auslastung von 54 auf 97 Prozent).

Von Silvia Jelincic

Magnas Finanzplan für Opel und die Expansionspläne für Russland entnehmen Sie der aktuellen FORMAT-Ausgabe 30/09.

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