FORMAT über die kometenhafte Aufsteiger:
Wer von der Bawag-Katastrophe profitierte

Das Bawag-Desaster war ein voller Erfolg. Zumindest gilt das für Claudia Bandion-Ortner. Die gerichtliche Aufarbeitung der Karibikgeschäfte mit Wolfgang Flöttl machte die 42-jährige Juristin nicht nur landesweit berühmt, sondern entpuppte sich in der Folge auch als einzigartiger Karriereturbo. Über Nacht wurde aus der Strafrichterin eine Justizministerin. Claudia Bandion-Ortner ist aber nicht der einzige Gewinner der Bawag-Krise. Ein Jahr nach Urteilsverkündung gibt es zumindest acht weitere Personen, für die der Wirtschaftskrimi ein Happy End hatte.

Während Helmut Elsner und Co zu mehrjährigen Haftstrafen verknackt wurden, kletterten Erich Foglar und Rudolf Hundstorfer die Karriereleiter zügig hinauf. Das war nicht selbstverständlich. So stand Foglar als leitender Gewerkschaftssekretär stets im Schatten des mächtigen Metallerchefs Rudolf Nürnberger.

Ähnliches gilt für Hundstorfer, der als Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten vor allem eines war: unauffällig. Mit dem Beginn der Bawag-Refco-Affäre im Oktober 2005 änderte sich alles schlagartig. Foglar folgte Nürnberger, und Hundstorfer ersetzte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Gemeinsam mit ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider sanierten die beiden den maroden Gewerkschaftsbund, der mit sinkenden Mitgliedsbeiträgen und hohen Pensionsverpflichtungen zu kämpfen hatte. Der erfolgreiche ÖGB-Turnaround förderte nicht nur das Image in der Öffentlichkeit. Auch die Partei war begeistert. Die Gewerkschafter gewannen in der SPÖ wieder an Bedeutung: Hundstorfer ist nun Sozialminister, Foglar wurde ÖGB-Präsident, und Schneider zählt zur „roten“ Personalreserve.

Notenbank-Rochade
Einen kometenhaften Aufstieg machte Ewald Nowotny. Als 61-Jähriger folgte er Anfang 2006 Johann Zwettler als Bawag-General nach, dealte den millionenschweren Refco-Vergleich mit dem US-Staatsanwalt aus und wickelte im Jahr dar­auf den Bankverkauf an den US-Finanzinvestor Cerberus ab. Die Krönung seines Berufslebens fand aber im September 2008 statt, als er Gouverneur der Notenbank (OeNB) wurde. Nowotnys Nominierung war aber nicht die einzige OeNB-Personalie, die einen Hauch Bawag versprühte. So wurde Helmut Ettl im Vorjahr zum Vorstand der Finanzmarktaufsicht ernannt. Zuvor war Ettl für die OeNB-Prüfung der Bawag-Sondergeschäfte zuständig. Und am 1. Oktober 2008 wurde ein gewisser Philip Lincoln Senger Reading zum neuen Leiter der Hauptabteilung Finanzmarktstabilität und Bankenprüfung bestellt. Vor seinem Jobwechsel leitete Reading das Treasury der Bawag PSK.

Kriesenverlierer
Neun Krisenprofiteuren stehen neun Verurteilte gegenüber. Elsner wurde zu 9,5 Jahren Gefängnis verdonnert. Zwettler erhielt fünf und Peter Nakowitz vier Jahre Haft aufgebrummt. Deren Kollegen Josef Schwarzecker und Hubert Kreuch fassten je 3,5 Jahre aus. Bawag-Präsident Günter Weninger bekam 2,5 Jahre (sechs Monate unbedingt) und KPMG-Wirtschaftsprüfer Robert Reiter drei Jahre (ein Jahr unbedingt). Milliardenspekulant Flöttl muss schlimmstenfalls 2,5 Jahre (zehn Monate unbedingt) hinter Gitter.

Rechtskräftig sind die Urteile von Chris­tian Büttner (1,5 Jahre bedingt) und Co – es gilt die Unschuldsvermutung – noch nicht. Bis Ende August ist Zeit, um das Urteil zu beeinspruchen. Dann ist das Höchstgericht an der Reihe. Mit einer Entscheidung ist frühestens Ende 2010 zu rechnen. Die Warte­zeit vertreiben sich die Bawag-Delinquenten höchst unterschiedlich. So arbeitet Schwarzecker für den Papierhändler Libro. Dort ist er Aufsichtsratsvorsitzender.

Erschwerte Jobsuche
Büttner betont, „nie Arbeitslosengeld kassiert“ zu haben, und bietet sich Großunternehmen als Consulter an. „Ich habe einen Gewerbeschein für Unternehmensberatung und Finanzberatung“, sagt er. Der in New York ­lebende Flöttl tut sich schwer bei der Jobsuche. „Er versucht, wieder an der Wall Street Fuß zu fassen“, erzählt Flöttl-Anwalt Herbert Eichenseder, „doch das ist in Zeiten der Finanzkrise nicht leicht.“ Flöttls Ehefrau Anne Eisenhower muss ihn vorerst aushalten. Johann Zwettler plagen seit Urteilsverkündung am 4. Juli 2008 schwere Depressionen. Zudem soll sich sein Gesundheitszustand verschlechtert haben. Dass er haftunfähig erklärt wird, gilt als sehr wahrscheinlich.

Von Ashwien Sankholkar

Lesen Sie im FORMAT 27/09, wer der größte Verlierer der BAWAG-Krise ist

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