FMA-Protokolle: Enges Verhältnis von Ex-Bank-Austria-Managern zu Madoff

Hochkarätige Bank-Austria-Manager trafen sich früher oft mit Bernard Madoff. Ex-Börsechef Stefan Zapotocky machte sogar gute Deals mit Madoff-Fonds.

In der Bank Austria liegen die Nerven blank. Seit Dezember steht das Geldhaus wegen der Affäre Madoff in den Schlagzeilen. Der US-Betrüger Bernard Madoff vernichtete bekanntlich 65 Milliarden Dollar Anlegergeld. Eine runde Milliarde Dollar davon stammt aus Primeo-Fonds der Bank Austria (BA). Weil die BA ihren Investoren den Namen Madoff im Fondsprospekt nie offengelegt hat, wurde die Finanzmarktaufsicht (FMA) aktiv. Sie zeigte die Bank vor drei Wochen bei der Staatsanwaltschaft Wien an. Der Vorwurf: strafbare Verstöße gegen das Investmentfondsgesetz.
Zudem ist die FMA laut FORMAT vorliegenden Protokollen auf zwei brisante Hinweise gestoßen: einerseits das enge Verhältnis zwischen Madoff und wichtigen Bank-Austrianern, andererseits die Madoff-Geschäfte des Ex-Börsevorstands Stefan Zapotocky.

Enges Verhältnis zu Madoff
„Ich war mehrere Male bei Madoff und habe ihn regelmäßig besucht“, sagt Ex-BA-Managerin Ursula Radel-Leszczyn­ski im FMA-Verhör. „Am Anfang geschah das mit Sonja Kohn gemeinsam, später war ich allein oder mit anderen Leuten von der Bank (Werner Kretschmer, Stefan Zapotocky, Willi Hemetsberger) bei ihm.“ Bei diesen Treffen wurde ­Madoffs Pouvoir bestätigt. „Es gibt keine Verträge zwischen BA World Wide Fund Management (BA WWF) und Madoff. Die Berechtigung, die Fonds zu managen, bekam er, indem ein managed account errichtet wurde. Dass Madoff der Subcustodian war, wussten wir von Anfang an, das war der Grund, warum er auf dem ­Konto handeln konnte“ (Radel-Leszczyn­ski).
„Madoff ist beim Primeo Manager der Gelder“, gibt BA-Beteiligungsmanager Josef Duregger zu Protokoll: „Ich bin aufgrund der Bekanntschaft von Gerhard Randa, Stefan Zapotocky, Werner Kretschmer mit Sonja Kohn davon ausgegangen, dass alles in Ordnung ist.“ Dass Madoff ein Schwindler war, hätte er nie für möglich gehalten.

Zapotockys Madoff-Klon
Kohn, Zapotocky und der Chef der Pioneer Austria, Kretschmer, hielten mit Madoff Kontakt. „Der wichtigste Mann in meinem Team war Kretschmer“, sagt Zapotocky gegenüber der FMA. Als BA-Wertpapierchef pries „Zapo“ den Madoff-Klon Primeo bei vermögenden Kunden an. Nach Zapotockys Ausscheiden aus der BA gründete er einen neuen Madoff-Klon: nämlich den Fonds Alpha Prime (AP). Das AP-Board-Mitglied Zapotoc­ky: „Ich habe den Fonds Alpha Prime nur eingeführt, aber nicht vertrieben.“ Trotzdem wurde er laut FMA-Protokoll zumindest zwei Jahre von AP fürstlich bezahlt: „Angesprochen auf die Höhe der Gebühr von 25 Prozent des Gewinns des Fonds, gebe ich an, dass mir dies aufgrund der Tätigkeit bei der Einführung als gerechtfertigt erscheint.“ Pikantes ­Detail: Gespeist wurde Alpha Prime von Primeo.

Unter Freunden
„Eine Due Diligence beim Alpha Prime wurde nicht gemacht, weil uns Madoff bereits gut bekannt war“, erklärt Radel-Leszczynski. Auch Kohn wurde laut Duregger bevorzugt behandelt: „BA WWF war Advisor für den Primeo. Eurovaleur war Subadvisor (und) hat 20 Prozent von den Erträgen der BA WWF erhalten.“ Eurovaleur ist eine Kohn-Firma. Duregger: „Ob eine Due Diligence der BA bei Frau Kohn erstellt wurde? Dazu ist mir nichts bekannt.“ Außer: „Mir hat Frau Kohn mitgeteilt, dass sie mit Herrn Randa gesprochen hat.“

Von Ashwien Sankholkar

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