Flughafen Wien: Schwieriger Start nach Schlammschlacht um Vorstandsbestellung

Der Politstreit um die Bestellung der Flughafenvorstände lässt an einer geschlossenen Führung zweifeln. Die wäre aber nötiger denn je: Kostenexplosion beim Skylink, AUA-Krise, Passagierrückgang.

Mit Ernest Gabmann hatten Insider nicht mehr gerechnet. Als der frisch angelobte Finanzvorstand des Flughafens Wien am 26. März dann doch auf der Bilanzpressekonferenz erschien, war er für einige ein Überraschungsgast. Denn noch am Abend davor, unmittelbar nachdem der Aufsichtsrat einen Dreiervorstand für fünf Jahre bestellt hatte, äußerte der frühere Vizelandeshauptmann von Niederösterreich hörbar seinen Unmut über das Wahlergebnis und kündigte an, die Pressekonferenz auszulassen. „Ich habe nur gesagt, dass ich nicht für die Bilanz 2008 mitverantwortlich bin, was meine Anwesenheit nicht zwingend machte“, beschwichtigt Gabmann jetzt. Aber: Das Verhältnis zwischen ihm und Vorstandssprecher Herbert Kaufmann, dessen Vertrag verlängert wurde, gilt als zerrüttet. Und das könnte, ausgerechnet in einer Zeit, in der der Flughafen vor den größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte steht, zum Problem werden.

Holpriger Start
Größtes Sorgenkind im Moment ist der in Bau befindliche Terminal Skylink. Die Kosten ufern aus. Erstmals wird offiziell ein Kostenanstieg auf über 700 Millionen Euro eingestanden. Um die Troubles durch Schlampereien und Versäumnisse bei der Errichtung in den Griff zu kriegen, wäre eine geschlossene Führung mehr denn je vonnöten. Nicht nur der Skylink bereitet Kopfzerbrechen. Der Airport Schwechat befindet sich auch mitten im Strudel der Airline-Krise. Die Zahl der Passagiere wird heuer um etwa eine Million zurückgehen (siehe Grafik ). Dem größten Kunden, der AUA, droht die Pleite, wenn der Lufthansa-Deal scheitert. Verkleinert wird die AUA in jedem Fall.

Politische Schlammschlacht
Sowohl Kaufmann als auch Gabmann beteuern, mit dem Kollegen friedlich zusammenarbeiten zu wollen. Doch so einfach dürfte das nicht werden. Denn im Vorfeld ihrer Bestellung fand eine Schlammschlacht zwischen SPÖ und ÖVP statt. Mit je 20 Prozent sind die Länder Wien und Niederösterreich die größten Flughafenaktionäre. Am 20. März einigten sich die Vertreter beider Parteien im Personalausschuss zunächst auf einen Dreiervorstand mit Kaufmann und Gerhard Schmid (beide SPÖ) sowie Gabmann (ÖVP). Doch Gabmann sollte die Nummer eins werden und hatte in Erwin Pröll, dem Landeshauptmann von Niederösterreich, einen mächtigen Verbündeten. Dieser sprach sich bei der Syndikatssitzung am 23. März unter Hinweis auf die angeblichen Missstände am Flughafen Wien klar für eine Zweierlösung aus – ohne Kaufmann und mit Gabmann an der Spitze.

Rote Aufsichtsräte setzten sich durch
Bis zuletzt sah es so aus, als würde sich Pröll durchsetzen. Erst spät, nachdem von mehreren Seiten Lobbying für Kaufmann betrieben worden war, schaltete sich Wiens Bürgermeister Michael Häupl ein. Letztlich entschieden die roten Aufsichtsräte, die im Kontrollgremium die Mehrheit haben und sogar mit Rücktritt drohten, zugunsten von Kaufmann. Auch der Versuch schwarzer Aufsichtsräte, die Amtszeit der Vorstände wenigstens auf zwei Jahre zu begrenzen, scheiterte.Vor diesem Hintergrund fallen die Beteuerungen der gegenseitigen Wertschätzung wenig glaubwürdig aus. „Wir kennen einander aus Landtagszeiten in Niederösterreich und hatten nie ein Problem miteinander“, sagen Gabmann und Kaufmann unisono – und dass sie in Zukunft konstruktiv und professionell agieren wollen. Die beiden für ein Interview an einen Tisch zu bringen war jedoch nicht möglich.

Schwierige Zeiten
Mit der Übernahme des Projekts Skylink hat Ernest Gabmann ein schweres Erbe angetreten. Der neue Terminal ist mitverantwortlich dafür, dass die Finanzvorstände Kurt Waniek und Christian Domany ihren Sessel räumen mussten. Im Planungsjahr 1999 wurden für den Bau 366 Millionen Euro veranschlagt, danach 400,2, später 515 und zuletzt 657 Millionen. Auch diese Schätzung wird, trotz der Beteuerungen von Kaufmann, dass es zu keinem weiteren Kostenanstieg kommen werde, nicht halten. „Wir gehen jetzt von mehr als 700 Millionen Euro aus“, sagt Gabmann. Und selbst das ist noch untertrieben: Intern ist bereits von 800 Millionen die Rede. Verantwortlich für das Debakel sind Probleme bei der Haustechnik, neue Behördenauflagen etwa im Bereich Sicherheit sowie zahlreiche Änderungen des Shop- und Gastronomiekonzepts.

Megaproblem Skylink
Gabmann hat nun das Ziviltechnikbüro Gobiet & Partner mit dem Kassasturz beauftragt und den erfahrenen Ex-ÖBB-Mann Norbert Steiner zum Projektleiter ernannt. „Gabmann macht das clever. Er will nicht, dass ihm das Projekt so wie seinen Vorgängern zum Verhängnis wird“, sagt ein Aufsichtsrat. Der neue Finanzchef lässt den Skylink nun bis ins kleinste Detail prüfen. So tagt unter seiner Leitung zurzeit ein Expertenteam am Flughafen. Der Stand: Sage und schreibe 450 Änderungswünsche gibt es seit Baubeginn, erst ein kleiner Teil davon wurde umgesetzt. Gut 30 Personen – neben Beratern auch Leute vom Sicherheitsdienst, Einzelhändler und Techniker – nehmen an den täglichen Meetings teil. Gabmann lässt schriftlich festhalten, welche Maßnahmen wann, wo und von wem umzusetzen sind. Damit hofft er, eine weitere Kostenexplosion, die sogar in die Gegend einer Milliarde Euro gehen könnte, zu verhindern. Fest steht bereits, dass es Ende des Jahres nicht zur geplanten, teilweisen Eröffnung des Skylinks kommen wird – obwohl schon verschoben wurde. Die Verantwortung dafür will niemand tragen. Kaufmann und Schmid sagen, sie seien für das Projekt nicht zuständig – womit sie formal Recht haben. Allein: Wichtigen Entscheidungen müssen alle Vorstände zustimmen.

Hilfe für die AUA
Einigkeit zwischen Kaufmann und Gabmann herrscht in Bezug auf die AUA: Beide begrüßen den Einstieg der Lufthansa. In den letzten Monaten ersuchte die AUA den Flughafen wiederholt um finanzielle Unterstützung. Zuletzt bat der größte Airport-Kunde um eine Gebührensenkung in Höhe von 40 Millionen Euro. Der Flughafenaufsichtsrat blieb unter Berufung auf die Wettbewerbsregeln eisern. Nun kommt man der AUA – aber auch
anderen Airlines – doch entgegen: Noch vor dem Sommer soll die Vergütung für Transferpassagiere befristet (nicht länger als für ein Jahr) erhöht werden. Kaufmann: „Wenn eine Fluggesellschaft einen Transferpassagier bringt, erhält sie acht Euro von unserem Passagiertarif. Wir überlegen nun, diesen Betrag auf zehn Euro anzuheben.“ Das würde der AUA rund 13 Millionen im Jahr bringen. Auch Gabmann plädiert für diese Erhöhung. Sehr gut aufgenommen fühlt er sich am Flughafen offenbar aber noch nicht, Gabmann will, so ist zu hören, jetzt einen eigenen Pressesprecher, der seine Interessen nach außen vertritt.

Von Silvia Jelincic

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