Flughafen-Interimschef Christoph Herbst tritt nach Politintrigen im Sommer zurück

Nächster Eklat am Skandalflughafen: Interims-Chef Christoph Herbst will schon im Sommer zurücktreten. Die Vorstandssuche wird schwierig, und mit der dritten Piste droht neuer Ärger.

Es kommt oft anders, als man denkt. Als Christoph Herbst Anfang des Jahres zum neuen Flughafen-Vorstandschef gekürt worden ist, wollte er eigentlich bis Ende 2011 im Amt bleiben. Doch mit dem überraschenden Rücktritt von Flughafen-Aufsichtsratschef Karl Samstag – er hatte Herbst zum Jahreswechsel an der Spitze des Kontrollgremiums abgelöst – will auch Herbst nicht mehr. Aus der Flughafen AG heißt es, er habe die Nase von den ständigen Polit-Intrigen voll, sei von Samstag enttäuscht und stehe überdies ohne Verbündete da. Daher wolle der Jurist dem Airport den Rücken kehren. Und das lieber heute als morgen. Herbst selbst will sich dazu nicht äußern, doch wie es aus dem Unternehmen heißt, wirft er spätestens im Spätsommer, voraussichtlich im September, das Handtuch. Danach sollen die verbliebenen zwei Vorstände Gerhard Schmid und Ernest Gabmann das Unternehmen bis zum Jahresende leiten.

Neue Aufseher

Bei der Hauptversammlung an diesem Freitag (29. April) ist das natürlich kein Thema. Dort werden „nur“ die neuen Aufsichtsratsmitglieder gewählt. Gesiba-Chef Ewald Kirschner soll dem Vernehmen nach neuer Präsident werden – zumindest bis Ende 2011. Danach will Herbst zurück an die Spitze des Kontrollgremiums. „Eine Aufgabe, die ich gerne wieder übernehme“, sagt der Wiener (siehe Interview ). Doch ob Herbst seinen alten Job zurückbekommt, wird sich zeigen.

Heftige Grabenkämpfe zwischen Rot und Schwarz – die Länder NÖ und Wien sind mit je 20 Prozent die größten Flughafen-Aktionäre – waren der Bestellung der Aufseher vorausgegangen. Wiens einflussreicher Bürgermeister Michael Häupl wollte Kirschner auf fünf Jahre in den Aufsichtsrat wählen lassen, doch NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll stellte sich quer und setzte sich für seinen Schützling Herbst ein – offenbar mit Erfolg. Derzeit sieht es danach aus, als dürfte Herbst Anfang 2012 wieder an die Spitze des Aufsichtsrats zurückkehren.

Warum der Anwalt den Vorstandsvorsitz allerdings früher als geplant zurücklegen will, hat mehrere Gründe. So wird sich Herbst bis zum 27. Mai als Richter am Verfassungsgerichtshof (VfGH) bewerben. Ein VfGH-Richter meint, der Flughafen-Chef habe „einen durchaus intakten Ruf und trotz seines zarten Alters von 50 Jahren gute Chancen, genommen zu werden“. Auch dazu schweigt sich Herbst aus und meint: „Diese Aufgabe ist bestimmt interessant.“

Die Richtersuche dürfte jedenfalls schnell ablaufen und nur zwischen vier und sechs Wochen dauern. Am Flughafen sieht es mit Personalbesetzungen zuweilen anders aus. Allein der Bestellung der Aufsichtsräte waren in der SPÖ lange Diskussionen vorausgegangen. So hätte auch Wolfgang Ruttenstorfer, früherer OMV-Chef, gerne den Vorsitz übernommen. Doch weil Kirschner einen besseren Draht zu Häupl hat, löst Ruttenstorfer „nur“ Alfred Reiter als Aufsichtsrat ab und vertritt damit für die SPÖ die Mitarbeiter-Stiftung. Anstatt Karl Skyba, Ex-Chef der Wiener Stadtwerke, kommt Gabriele Domschitz, die im Vorstand der Stadtwerke sitzt. Bei den schwarzen Aufsehern scheidet nur Johannes Coreth aus. Ihm folgt Bettina Glatz-Kremsner nach, Vorstandsmitglied bei den Casinos Austria.

Neue Vorstände

So schlimm wäre ein schneller Abflug von Christoph Herbst im Grunde gar nicht. „Herbst konnte nur stabilisieren, aber für die wichtigen Probleme wie den Bau der dritten Piste wäre er ohnehin viel zu kurz geblieben“, heißt es am Flughafen. Diese Aufgaben müssten jetzt andere übernehmen.

Die Suche nach einem Zweiervorstand dürfte zäh verlaufen. Daran vermag auch der international gut vernetzte und mit der Suche nach neuen Chefs beauftragte Headhunter Egon Zehnder nichts zu ändern. Grund dafür ist die Politik: Obwohl ÖVP und SPÖ beteuern, dass der Vorstand nicht mehr parteipolitisch besetzt werden soll, könnte die politische Couleur abermals eine große Rolle spielen. Herbst ist das ein Dorn im Auge: „Viele Probleme ließen sich vermeiden, wenn sich die Politik nicht einmischen würde. Es sollte um die Leistung gehen und nicht um die Partei.“

Gerhard Schmid, langjähriger Technikvorstand am Flughafen, wartet noch auf ein Okay aus der SPÖ, um sich wieder für den Chefsessel zu bewerben. Er selbst soll sich bereits Hoffnungen auf den Job machen. Als Wunschkandidat im roten Lager wird auch Julian Jäger genannt – obwohl er erst 40 Jahre alt ist. Der Jurist ist Chef des Malta International Airports (MIA), einer Tochter des Flughafens Wien, und in der SPÖ gut vernetzt. SP-Mann Friedrich Lehr, am Airport Leiter des Bereichs Aviation, soll ebenfalls auf den Job spitzen.

Zehnder wird an die dreißig Bewerber präsentieren. Wer das Rennen macht, entscheidet die Politik. Interesse am prestigeträchtigen Job hat auch Otmar Lenz, Vorstand von Laudas Airline NIKI. Der Salzburger gilt als guter Stratege, der seit Laudas Anfängen im Airlinebusiness mit an Bord ist. Der 59-Jährige wird für seine gemütliche Art geschätzt, mit seinem Abgang würde Lauda seinen starken Mann an der Spitze verlieren. Allerdings dürften Lenz’ Chancen begrenzt sein, da er keiner politischen Couleur angehört. Lenz selbst sagt: „Ich mache meine Arbeit bei NIKI sehr gerne, der Vorstandsjob am Flughafen würde mich reizen. Das wäre etwas Neues. Ob ich mich bewerbe, weiß ich noch nicht.“

Schwerer Job

Eines ist aber jetzt schon klar: Wer auch immer den Job an Land zieht, wird keine ruhige Kugel schieben. Die Lage am Flughafen ist ohne Übertreibung gesagt desaströs. Neben dem Skylink-Debakel warten eine ganze Reihe anderer Baustellen, allen voran die Errichtung der dritten Piste. Noch heuer wird der Bescheid zur Umweltverträglichkeitsprüfung vorliegen, der Baubeginn danach festgesetzt.

Laut FORMAT-Informationen wird der Schuldenberg des Flughafens nach Fertigstellung des Skylinks Mitte 2012 auf mehr als 700 Millionen Euro angewachsen sein. Die Hoffnung ist, die bis zu 1,8 Milliarden Euro für die neue Piste aus dem laufenden Cashflow bedienen zu können – eine Illusion. Wie die Finanzierung erfolgen soll, steht bis dato in den Sternen. Womöglich über eine Kapitalerhöhung. Hinzu kommt ein Platzproblem, sagt ein Flughafen-Bauexperte. „Wir werden einen ganzen Hügel abtragen müssen, um die Piste bauen zu können. Außerdem brauchen wir ein neues Betriebsgebäude, weil der Platz nicht ausreicht. Das kann ja heiter werden.“

Auf die neuen Vorstände wartet auch am Skylink neuer Ärger. „Zu Stoßzeiten wird es Probleme bei der Abfertigung der Passagiere geben“, heißt es am Flughafen lapidar. Dass das dort einigen so locker über die Lippen geht, verwundert allerdings, zumal die Kosten auf mehr als 900 Millionen Euro explodiert sind.

Auch die Staatsanwaltschaft Korneuburg beschäftigt der Skylink noch länger: Acht Kriminalbeamte und drei Staatsanwälte ackern sich gerade durch 160 Laufmeter Aktenordner und drei Terabyte an beschlagnahmten Daten. Hinzu kommen Ermittlungen der Justiz gegen ehemalige Vorstände wegen Untreue sowie wegen eines von FORMAT aufgedeckten Skandals rund um einen Masterplan, den der Ex-Lobbyist Peter Hochegger im Auftrag des Flughafens verfasste, um den Austrian Airlines (AUA) und dem Airport-Händler Rakesh Sardana zu schaden.

Die Verfahren dürften sich in die Länge ziehen. Christoph Herbst sitzt dann schon wieder im Aufsichtsrat. Aber auch das kann sich noch ändern.

– Silvia Jelincic

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