Flughafen-Chef Kaufmann: „Es gibt keine
Indizien für Parteienfinanzierung“

„Erfolgsprämie der Vorstände für 2008 wird stark gekürzt.“

FORMAT: Wird der Vorstand die Probleme beim Skylink durch den Baustopp in den Griff kriegen?
Kaufmann: Das Projekt ist personell und inhaltlich neu aufgestellt worden. Mit Ernest Gabmann gibt es einen neuen Vorstand, der sich darum kümmert. Mit der Bauunterbrechung sollen die bestehenden Verträge neu verhandelt werden. Wenn das nicht möglich ist, werden wir neu ausschreiben. Ziel ist, deutlich unter den prognostizierten Maximalbetrag von 830 Millionen zu kommen.
FORMAT: Wie können Kosten um über 400 Millionen Euro explodieren?
Kaufmann: Wir haben vor rund zwei Monaten eine interne Prüfung eingeleitet, um das zu klären. Noch im Sommer sollte ein Ergebnis vorliegen. Es wird auch geprüft, ob es Unregelmäßigkeiten gab.

"Es gab wohlbegründete Budgeterhöhungen"
FORMAT: Welche Unregelmäßigkeiten könnte es gegeben haben? Die Opposition vermutet Parteienfinanzierung. Können Sie das ausschließen?
Kaufmann: Es gibt kein einziges Indiz dafür …
FORMAT: Und für Korruption?
Kaufmann: Auch da gibt es keine Indizien. Aber wir untersuchen alles.
FORMAT: Hätte man nicht schon viel früher prüfen müssen? Das Budget wurde mehrmals nach oben revidiert.
Kaufmann: Es gab wohlbegründete Budgeterhöhungen von den Projektverantwortlichen. Das zuletzt kommunizierte Budget lag bei 657 Millionen Euro. Erst im Februar hat sich herausgestellt, dass es nicht hält.
FORMAT: Soll der Rechnungshof prüfen dürfen, wie gefordert wird?
Kaufmann: Wir fürchten uns nicht vor einer Rechnungshof-Prüfung, aber es muss eine fundierte rechtliche Basis dafür geben.

"Es gab und gibt klare Zuständigkeiten"
FORMAT: Ex-Vorstand Christian Domany wird die alleinige Schuld am Skylink-Debakel gegeben. Da entsteht der Eindruck, Sie wollen sich abputzen.
Kaufmann: Es gab und gibt klare Zuständigkeiten. Die gesamte Baudurchführung fiel in seinen Aufgabenbereich, so wie sie jetzt bei Ernest Gabmann liegt. Natürlich gibt es einen Stab an Experten, angefangen bei der begleitenden Kontrolle über örtliche Bauaufsicht und Projektsteuerung bis zur Kostenverfolgung. Einer Person allein kann nicht die Verantwortung gegeben werden.
FORMAT: Ist Christian Domany freiwillig gegangen, oder musste er gehen?
Kaufmann: Da müssen Sie ihn fragen.
FORMAT: Hatten Sie nie Zweifel an diesen Experten?
Kaufmann: Der zuständige Vorstand hat mit Experten nach Lösungen für jedes aufgetauchte Problem gesucht, und sie auch gefunden. Das Skylink-Team bestand aus den honorigsten Fachleuten. Eskaliert ist die Sache erst durch die Nichtein-
haltung des Budgets im Februar 2009.

"Es wurde reagiert"
FORMAT: Aber die teuren Konsulentenverträge wurden doch größtenteils vor dem Oktober 2004 unterzeichnet.
Kaufmann: Bis Mitte 2006 war alles im grünen Bereich. Übrigens basieren mehr als 90 Prozent der Überschreitungen bei den Konsulentenkosten auf Verträgen, die erst nach 2004 abgeschlossen worden sind.
FORMAT: Nachdem Domany da war …
Kaufmann: Richtig.
FORMAT: Es drängt sich der Eindruck auf, dass es schon lange Probleme gab, aber erst sehr spät reagiert wurde.
Kaufmann: Es wurde reagiert. Es wurde ein Großteil der Haustechnikplanung neu vergeben. Es wurde die Projektsteue-
rung ausgetauscht. Das hat auch nicht geklappt. Deshalb haben wir im März die Reißleine gezogen, und das ganze Projekt wurde personell und inhaltlich neu aufgestellt – es sind ja bisher erst 400 Millionen verbaut.
FORMAT: Sie betonen, nicht zuständig zu sein, aber wichtige Entscheidungen haben Sie mit getroffen …
Kaufmann: Ich streite nicht ab, dass fallweise der gesamte Vorstand eingebunden war. Aber Entscheidungen sind immer auf Vorschlag des zuständigen Vorstandes getroffen worden.

"Jetzt gibt es die Zeitverzögerung sowieso"
FORMAT: Trotz des Debakels am Skylink hat jeder Airport-Vorstand 2008 ca. 150.000 Euro Erfolgsprämie kassiert Wie erklären Sie das der Öffentlichkeit?
Kaufmann: Die im Vorjahr ausgezahlte Prämie bezog sich auf das Jahr 2007, und da war noch alles in Ordnung, und wir schrieben, wie übrigens auch 2008, ein Rekordergebnis. Gehen Sie davon aus, dass die Prämie für 2008 signifikant gekürzt wird.
FORMAT: Bis vor kurzem hat sich der Flughafen-Vorstand gegen einen Baustopp ausgesprochen, weil dadurch ein weiterer Kostenanstieg befürchtet wurde. Jetzt gibt es den Baustopp, weil man dadurch Kosten sparen will …
Kaufmann: Das Argument war immer, dass die Kostensteigerungen primär durch die Zeitverzögerung verursacht werden. Jetzt gibt es die Zeitverzögerung sowieso, und im Rahmen dieser wollen wir die Kosten durch Neuverhandlung der Konsulentenverträge unter 830 Millionen drücken. Solange die Prognose bei 657 Millionen Euro lag, hat die
Sache anders ausgesehen.

"Mein Verhältnis zu Gabmann ist gut"
FORMAT: Die Causa hat politische Brisanz. Fürchten Sie, die ÖVP könnte den Skylink benützen, um Sie abzulösen?
Kaufmann: Die ÖVP nicht, aber es kann schon sein, dass persönliche Interessen verfolgt werden. Mir geht es darum, ein Sachproblem zu lösen.
FORMAT: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Herrn Gabmann beschreiben, der aus der ÖVP kommt?
Kaufmann: Es ist gut.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff