Flächenschacher: Ungereimtheiten bei der Flächenvergabe am Flughafen Wien

Die Freunderlwirtschaft bei der Vergabe von Verkaufsflächen am Flughafen geht weiter. Mieter sprechen von Ungerechtigkeiten. Doch der Vorstand reagiert nicht – und kämpft ums eigene Überleben.

Nicht überall kehrt weihnachtlicher Frieden ein. Am Flughafen Wien wächst im Zuge des laufenden Ausschreibungsverfahrens für vermietbare Flächen am Skylink-Terminal die Unruhe. So tauchen jetzt erneut Vorwürfe der Freunderlwirtschaft bei der Vergabe von Retail- und Gastronomieflächen auf.

Es geht um viel. Genauer gesagt um knapp 10.000 Quadratmeter vermietbare Fläche. Internationale wie nationale Unternehmen bemühen sich gleichermaßen um das 33 Retail- und 19 Gastroflächen umfassende Skylink-Areal. Bis zum Jahresende sollen sie alle vergeben werden. Doch die Zeit wird knapp, und bisher wurden nur fünf Mietverträge abgeschlossen. „Es laufen Gespräche mit etwa zwanzig weiteren Betreibern“, sagt Airport-Sprecher Peter Kleemann. Mehr könne man derzeit nicht sagen.

Gute Kontakte

Fix dabei sind das deutsche Handelsunternehmen Gebr. Heinemann sowie der indische Geschäftsmann und langjährige Flughafenhändler Rakesh Sardana. Letzterer will auf Ebene 3 des Skylinks Luxusmarken wie Hermès und Etro anbieten. Ein Plan, der bereits für heftige Diskussionen sorgt: Sardana und der für die Flächenvergabe zuständige Vorstand Ernest Gabmann sind befreundet. Häufig werden sie in bekannten Wiener Lokalen gesichtet, mal im indischen „Koh-i-noor“, mal im noblen „Novelli“. Das allein wäre ja nicht verwerflich, doch Sardana bleibt der Flughafen Wien AG immer wieder hohe Mieten schuldig.

Wie aus einem FORMAT vorliegenden internen Schreiben hervorgeht, beliefen sich Sardanas Schulden beim Flughafen Wien im April 2010 auf 472.030,20 Euro (281.223,70 Euro waren über Sardanas Saveria- Gruppe ausständig, 190.806,50 kamen über die Firma Artifacts dazu). Nachdem sich die Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien die Sache genauer angesehen hatte, wurden die Außenstände schnell beglichen. Vorgegangen wird jetzt anders: Die Mieten für die Airport-Flächen sind vergleichsweise niedrig, der Flughafen ist aber an den Umsätzen der Händler beteiligt. Hier soll Gabmann seinem Freund Sardana großzügig entgegen kommen, zum Beispiel werden Verhandlungen um Umsatzbeteiligungen in die Länge gezogen, wodurch Sardana Zeit gewinnt – und Geld spart.

Erst vor zwei Monaten hat der Inder drei weitere Geschäfte am Flughafen Wien übernommen, darunter einen Stiefelkönig-Shop. „Das hat hier keiner gewusst. Wir hätten uns auch gerne um eine der Flächen beworben“, ärgert sich ein Flughafen-Mieter. Einem anderen ist sogar gesagt worden, dass es keinen Sinn mache, sich um eine Vertragsverlängerung zu bemühen, zumal Gabmann seinem Freund Sardana die Fläche schon versprochen habe. „Eine unfassbare Ungerechtigkeit“, heißt es.

Wie eine Angestellte erzählt, soll Sardana auch gute Karten im Rennen um einen weiteren Standort am Airport haben, woraus er einen Harrods-Shop oder ein Meeresspezialitätenrestaurant machen will.

Dreißig lange Jahre ist Sardana schon Mieter am Flughafen. Seine engen Kontakte zur Chefetage – Sardana hatte über Gabmann auch Einfluss auf damaligen Flughafen-Vorstand Christian Domany ließen ihn zum größten Händler am Airport aufsteigen. Zu seinem Portfolio gehören auch Topbrands wie Zegna, DKNY oder Hugo Boss.

Zwar werden laut anderen Airport-Mietern Ausschreibungen durchgeführt, doch heißt der Bestbieter fast immer Rakesh Sardana. „Ich weiß nicht, ob Sardanas Angebote besser sind, aber ich zahle meine Mieten immer pünktlich.“ Aus Sorge, bei Verhandlungen um Pachtverlängerungen nicht benachteiligt zu werden, wollen die Mieter lieber anonym bleiben. Ihr Ärger ist aber längst zum Vorstand durchgesickert – allerdings reagiert dieser nicht.

Vorstand kämpft

Herbert Kaufmann und Gerhard Schmid (beide SPÖ) sind derzeit nämlich damit beschäftigt, ihre Jobs zu retten, und erhalten dabei Unterstützung aus SPÖ und ÖVP (Wien und NÖ sind mit je zwanzig Prozent die größten Flughafen-Aktionäre). Von den vielen medialen Attacken verärgert, die den beiden SP-Vorständen eine Mitschuld am Skylink-Debakel geben, zieht Wiens Stadträtin Renate Brauner mit den roten Aufsichtsräten an einem Strang und setzt sich für den Verbleib von Schmid – und sogar von Kaufmann – ein. In dem Fall würde auch Gabmann (ÖVP) bleiben.

Die Stimmung zwischen roten und schwarzen Aufsehern ist düster. Aufsichtsratschef Christoph Herbst (ÖVP) hat sich mit seinem Bestreben, am Flughafen aufzuräumen, Feinde geschaffen. Ob der zuletzt eingebrachte Antrag der ÖVP auf Abberufung aller Vorstände durchgehen wird, ist nicht fix. Ein roter Aufseher sagt, man wolle bei der Sitzung kommenden Mittwoch vor allem für Schmid kämpfen.

Aus Michael Häupls Umfeld heißt es, zumindest Kaufmann müsse gehen, allein schon, weil es um den guten Ruf des Bürgermeisters gehe, der ja schon personelle Konsequenzen angekündigt hatte.

– Silvia Jelincic

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