"Firmen, wo viele Weicheier ihr Unwesen treiben, meiden"

"Firmen, wo viele Weicheier ihr Unwesen treiben, meiden"

FORMAT: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Ihnen Compliance-Regeln eines Konzerns einen One-Night-Stand vermasselt haben.

Gerald Hörhan: Die Dame war Mitarbeiterin einer Schweizer Großbank und hatte das Regelbuch ihres Arbeitgebers wohl auswendig gelernt. Deshalb stellte sie mir vor dem Date viele bohrende Fragen über meine Geschäftsbeziehungen zur Bank und meinen Background, um bei ihren Arbeitskollegen ja nicht in den Verdacht eines Regelbruchs zu kommen. Auch wenn sie durchaus mein Typ gewesen wäre, soviel Unfug verdirbt mir die Laune.

Menschen, die immer brav alle Gesetze und Regeln einhalten, nennen Sie „Weicheier“.

Gerald Hörhan: Weicheier sind Leute, die sich hinter anonymen Regeln verstecken, um keine Entscheidungen treffen und keine Verantwortung tragen zu müssen. Gesetze und Regeln sind notwendig, damit das menschliche Zusammenleben und die Wirtschaft funktionieren. Nur hat der Kontrollstaat in den vergangenen fünf Jahren eine Regulierungswut an den Tag gelegt, die Grundrechte der Demokratie und Freiheit mit Füßen tritt. In so einem Umfeld wird Regelbefolgung belohnt und Leistung teilweise sogar bestraft. Klar, dass Weicheier in so einem Umfeld aufblühen.

Für die haben Sie wenig übrig?

Gerald Hörhan: Leider vermehren sie sich stark. Das Klima in der Wirtschaft prägen Regeln, Kontrollen und die Angst, etwas falsch zu machen. Wer immer brav die Regeln befolgt, macht immer alles richtig. Weicheier, also die Falschen, steigen auf. Leistungsträger, die oft Ecken und Kanten haben, werden gemobbt.

Wie sieht dieses Mobbing aus?

Gerald Hörhan: Der Kontrollstaat und die Kontrollkonzerne fördern aktiv das Mobbing, beispielsweise durch anonyme „Whistleblower Hotlines“, wo der – angebliche – Regelverstoß eines anderen Mitarbeiters anonym gemeldet werden kann. Ein perfides System.

Kennen Sie ein konkretes Beispiel?

Gerald Hörhan: Einer meiner Freunde war einer der besten Vertriebsmitarbeiter eines Konzerns. Einmal lud er Kunden zum Quadfahren mit anschließender wilder Party auf sein Landgut ein. Einer seiner „wohlmeinenden“ Arbeitskollegen hat die Angelegenheit der Verhaltensabteilung gemeldet. Das Ergebnis war ein unnötiger 105-seitiger Bericht mit Details wie dem Neigungswinkel der Wiese beim Quadfahren. Das Ergebnis: Die Firma hat einen ihrer besten Vertriebsmitarbeiter verloren und macht weniger Umsatz. Die Verhaltensabteilung hat in der Zwischenzeit hohe Kosten produziert und viel produktive Arbeitszeit vergeudet, und viele andere Vertriebsmitarbeiter des Unternehmens wurden verängstigt.

Was können Leistungsträger tun?

Gerald Hörhan: Firmen und Unternehmen, wo viele Weicheier und Bürokraten ihr Unwesen treiben, tunlichst vermeiden. Es gibt noch immer viele innovative Unternehmen, meist eigentümergeführte, die Visionen haben, stark wachsen und nicht in unnützem Regelwerk ersticken. Für solche Unternehmen zu arbeiten macht noch Spaß und Sinn, und die Aussichten dort Karriere zu machen sind deutlich besser. Und wenn ein Leistungsträger wirklich sein Potenzial umsetzen will, sollte er überhaupt Unternehmer werden, vielleicht auch außerhalb Europas.

Was ist Ihr Tipp für Menschen, die Karriere machen wollen, ohne zum Weichei zu werden?

Gerald Hörhan: Zuerst das Gehirn einschalten und sich überlegen, was man in seinem Leben machen und erreichen will. Konkrete Ziele und Visionen definieren. Denn wer nicht weiß was er im Leben will, der landet eben irgendwo – und irgendwo heißt heute Kontrollkonzern mit Weicheiern und Bürokraten und einer Verhaltensabteilung, die prüft, ob Weihnachtsgeschenke wieder zurückgeschickt werden müssen, um Compliance-Vorschriften zu erfüllen. Wenn man seine, beruflichen, Ziele kennt, muss man in die Lehre gehen. Egal ob man Investment Banker, Minister, Rechtsanwalt, Top Manager oder Tischler werden will. Das bedeutet, einen Mentor oder ein berufliches Umfeld zu suchen, wo man das Handwerk erlernt. Das bedeutet auch am Anfang viel Arbeit, wenig Kohle, und wenig Freizeit. Wer dazu nicht bereit ist, muss sich mit einer Position als Sachbearbeiter abfinden und sich in seinem Leben von vielen Weicheiern quälen lassen.

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