Finanzmarktregulierung: Schattenbanken
bleiben unkontrolliert – ein Risikofaktor

Während Banken immer stärker reguliert werden, wuchert der Sektor um Hedgefonds und Derivate hemmungslos weiter.

Die Forderung nach einer strengeren Regulierung der Finanzmärkte ist älter als die Krise selbst, passiert ist seit deren Ausbruch aber aus der Sicht vieler Experten zu wenig. „Nach wie vor gibt es keine Übereinkunft, wie eine geordnete Insolvenz von Banken ablaufen soll, die ‚too big to fail‘ sind“, beklagt Klemens Riegler-Picker vom Ökosozialen Forum, das als Mitglied der neu gegründeten NGO „Finance Watch“ in Zukunft den Finanzmärkten stärker auf die Finger sehen will.

Immerhin wird in dieser Hinsicht nun ein erster Schritt gesetzt: Die internationalen Bankenaufseher des Finanzstabilitätsrats (FSB) wollen einer Liste von rund 30 systemrelevanten Banken zur Risikominimierung noch höhere Kapitalanforderungen vorschreiben. Während nach dem jüngst verabschiedeten Bankenregelwerk „Basel III“ alle Kreditinstitute ab 2019 eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent aufweisen müssen, soll es für Großbanken Aufschläge von bis zu 2,5 Prozent geben, abhängig von Größe, Komplexität und Vernetzung der Bank. Die endgültige Entscheidung über die betroffenen Institute und die Höhe der Aufschläge soll am 18. Juli getroffen werden. Der Widerstand von Bankenseite ist bereits groß.

Diskussionsbedarf sehen Experten auch in einem anderen Punkt, den Basel III womöglich zu wenig streng regelt. „Nach wie vor können Banken Staatsanleihen ohne Risikohinterlegung kaufen“, sagt Kai Carstensen vom ifo-Institut. Das heißt: Selbst für Griechenland-Anleihen sind bisher keine Absicherungen nötig. Fraglich bleibt, ob im Falle eines weiteren weltweiten Crashs die höheren Eigenkapitalquoten Banken vor dem Untergang bewahren. „Geht ein Staat pleite, sieht es auch für seine Banken schlecht aus“, warnt etwa Stefan Bruckbauer von der UniCredit Bank.

Schattenbanken

Wenig erfolgreich ist bisher der internationale Versuch geblieben, nicht nur die Banken stärker zu regulieren. Vor allem die Schattenbanken, die einer Studie der New Yorker Notenbank zufolge 2010 allein in den USA Kredite in Höhe von 1.600 Mrd. Euro ausstehen hatten – 300 Mrd. Euro mehr als der reguläre Bankensektor –, sind für viele ein Risikofaktor auf den Finanzmärkten. „Dieser Bereich ist völlig undurchsichtig“, schlägt Jochen Sanio, Chef der deutschen Bankenaufsichtsbehörde BaFin, Alarm.

Zu den Schattenbanken zählen Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften, die auf ungeregelten Märkten mit Kreditausfallsversicherungen (CDS) oder ähnlichen Derivaten handeln. Die Branche boomt: Die Summe des von Hedgefonds verwalteten Kapitals hat laut Branchenschätzungen mit 2.000 Milliarden Dollar zuletzt ihren Höchststand erreicht. Die Regelungen sind überschaubar geblieben: In Europa müssen Hedgefonds ab 2013 bekannt geben, in welchen Märkten sie aktiv sind und welche „Klumpenrisiken“ drohen. In den USA müssen sie sich bei der Börsenaufsicht SEC melden. Eine Obergrenze für die aufgenommenen Kredite oder Absicherungsregeln gibt es bisher nicht. „Man würde es gar nicht erkennen, wenn hier eine Krise entsteht“, so BaFin-Chef Sanio. Er fordert ein internationales Regelwerk.

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