Finanzkrise in den USA: Wie groß die Gefahr für Ihr Vermögen ist

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers reißt weltweit die Börsenkurse nach unten. Auch österreichische Banken und Versicherungen sind samt ihren Kunden betroffen.

Da waren es nur noch zwei. Von den fünf mächtigen US-Investmentbanken stehen nur noch Goldman Sachs und Morgan Stanley auf eigenen Beinen, letztere freilich selbst stark unter Druck. Bear Stearns und Merrill Lynch mussten von anderen Banken aufgefangen werden. Bei Lehman Brothers sprangen am vergangenen Sonntag alle Interessenten ab – und das bisher Undenkbare passierte. Lehman blieb mit Außenständen von insgesamt 613 Milliarden Dollar nur der Gang zum Konkursgericht. Die erste große Bankenpleite seit dem Fall der Barings-Bank im Jahr 1995 jagte in kürzester Zeit Schockwellen durch das weltweite Finanzsystem. Die Liste der Opfer wird immer länger – und jeder fragt sich: Wer wird der Nächste sein?

Börsenkurse fallen wie Steine
Die US-Versicherung AIG, die größte Assekuranz der Welt, konnte Dienstagnacht nur durch eine Quasi-Verstaatlichung durch die US-Notenbank vor dem Kollaps gerettet werden. Für die Aktionäre ist es schon fast egal – die Aktie verlor innerhalb von fünf Tagen 85 Prozent. In Russland fiel die Börse drei Tage wie ein Stein, bis sie am Mittwoch geschlossen wurde. Der Wiener ATX wurde mit in den Strudel gerissen. Allein seit Donnerstag der Vorwoche beträgt das Minus 10,9 Prozent. Vom Höchstkurs im Juni 2007 haben sich inzwischen in Wien Börsenwerte in der Höhe von 64,7 Milliarden Euro in Luft aufgelöst. Statistisch bedeutet das pro Einwohner einen Verlust von 7.900 Euro. Auch wenn nur ein knappes Zehntel der Österreicher Aktien besitzt, sind doch fast alle betroffen – über den sinkenden Wert ihrer privaten Altersvorsorge oder durch den drohenden Abbau vieler Arbeitsplätze (siehe Die Folgen der US-Finanzkrise in Österreich ).

Ausnahmezustand in Österreich
In den österreichischen Bank-Zentralen herrscht seit Wochenbeginn der Ausnahmezustand. „Ich bin schon eine Ewigkeit im Bankgeschäft“, sagt Georg Kraft-Kinz, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, aber: „Dass Lehman Brothers einmal pleitegehen würde, habe ich mir nicht vorstellen können.“ Hierzulande zählt nahezu jede Großbank zu den Kunden von Lehman – und daher auch zu den Opfern. Vom Bondhandel bis zu Swap-Transaktionen werden seit vielen Jahren rege Geschäfte getätigt. Entsprechend bitter ist es für die erfolgsverwöhnten Austrobanken, zuzugeben, dass sie als Verlierer des globalen Spekulationskarussells nun Hunderte Millionen abschreiben müssen.

Massive Verluste für Raiffeisen
Hart trifft es laut FORMAT-Informationen die Raiffeisen Zentralbank. Das Spitzeninstitut des Raiffeisensektors musste der Bankenaufsicht am Dienstag zähneknirschend mitteilen, dass sie mit einem Volumen von rund 252 Millionen Euro engagiert ist. Verärgerung herrscht auch in den Raiffeisenlandesbanken, die auf Anraten der RZB Lehman-Papiere gekauft hatten und nun Millionen abschreiben müssen. „Keiner konnte damit rechnen, dass so etwas passiert“, klagt RLB-NÖ-Wien-General Erwin Hameseder: „Wir sind indirekt betroffen. Trotzdem rechne ich mit keinen nennenswerten Auswirkungen auf unsere Ertragsentwicklung. Weniger als 0,5 Prozent unserer Gesamtveranlagungen entfallen auf Lehman-Produkte.“

Banken-Millionen wackeln
Laut FORMAT-Recherchen wackeln bei Raiffeisen rund 20 Millionen Euro. Die Bank Austria beziffert ihr Exposure auf weniger als 50 Millionen Euro. Bank-Austria-General Erich Hampel gelassen: „Aufgrund unserer konservativen Risikopolitik sind die Auswirkungen der Lehman-Brothers-Insolvenz auf unser Haus absolut limitiert.“ Die Erste Bank zittert laut eigenen Angaben um 40 Millionen Euro, die sich aus einem syndizierten Kredit und einem Lehman-Bond zusammensetzen.

Lehmann-Papiere im Keller
In der Volksbanken AG kalkuliert man mit einem Wertberichtigungsbedarf von 30 bis 50 Millionen Euro. Volksbank-Vorstand Manfred Kunert: „Wie hoch die Verluste letztlich sind, hängt von der späteren Rückzahlungsquote ab.“ Am Markt werden vorrangige Lehman-Papiere mit 70 Prozent Abschlag gehandelt. Experten hoffen, mit deutlich geringeren Verlusten davonzukommen und vielleicht ein Drittel echt abschreiben zu müssen. Wer das Pech hat, nachrangige Anleihen zu besitzen, kann jetzt schon alle Hoffnungen fahren lassen – es wird gar nichts mehr zu holen sein.

Von Martin Kwauka, Corinna Milborn, Ashwien Sankholkar

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