Finanzielle Rückschläge und Flops konnten den Gebrüdern Soravia nichts anhaben

Das Familiensilber wird verscherbelt, die wichtigsten Beteiligungen sind an die Banken verpfändet. Trotzdem denken die Brüder Soravia über weitere Expansion nach und versprühen jede Menge Optimismus.

Irgendwie stinkt es Erwin Soravia. Der Chef der Baufirma Porr wird zum Wirtschaftsgipfel der Regierung eingeladen, er aber nicht. „Wir als Immobilien-Developer sind es doch, die die Arbeitsplätze im Land schaffen. Nur wird das zu wenig registriert“, klagt der Co-Chef der Soravia Group. Das Jahr 2012 soll nun die große Wende in der Außenwahrnehmung der Kärntner Unternehmensgruppe einleiten. Zu diesem Zweck wurde ein Leistungsbericht mit dem Titel „Mehr als man denkt“ angefertigt, der nun an 2.500 Kunden und Geschäftspartner verschickt werden soll.

In diesem Bericht sparen die Soravia-Brüder Hanno und Erwin nicht mit Eigenlob: Die Gruppe habe seit ihrem Bestehen 482 Projekte im Real-Estate-Bereich realisiert, 8.200 Wohnungseinweihungsfeste ermöglicht sowie Büros auf einer Fläche von 418.943 Quadratmetern errichtet. Zudem habe man viel mehr zu bieten als Immobilien. Die Conclusio im Bericht: „Die Soravia Group schafft mehr, als man denkt“, und sie hat „Lust auf mehr!“.

Auf der Kippe

Dabei stand den beiden Herren vor wenigen Monaten das Wasser noch bis zum Hals. Die Gläubigerbanken machten 2010 massiven Druck, ein Restrukturierungsplan wurde mühsam gezimmert, der den Soravias schließlich einen Beitrag von 20 Millionen Euro abverlangte. Die meisten Kreditlinien in der Gesamthöhe von 420 Millionen Euro wurden von den Hauptgläubigerbanken Erste Bank, Bank Austria, RZB und Sparkasse OÖ dafür bis Ende 2012 verlängert. Zu dieser stark angespannten Situation kam es, weil der Immobilienmarkt in Osteuropa zusammengebrochen war und die Gruppe auf ihren Immobilien sitzen blieb. Ende 2010 wiesen 22 von insgesamt 30 Immobilienbeteiligungen in Osteuropa ein negatives Eigenkapital auf. Vor allem Projekte in Rumänien, Mazedonien und Albanien erwiesen sich als Ladenhüter.

Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. „Im Ausland sind praktisch keine Exits machbar“, bestätigt Erwin Soravia. Wer aber gedacht hat, die Brüder ließen sich durch die Krise in Osteuropa entmutigen, der liegt falsch. Heuer sollen 41 Millionen Euro in neue Projekte in Osteuropa fließen, die Suche nach Investoren dafür ist in vollem Gange. „Wir sprechen gerade mit großen institutionellen Investoren“, bestätigt Hanno Soravia, der in der Gruppe für die Sorgenkinder, nämlich Immobilien in Rumänien, Bulgarien und Albanien, zuständig ist. 50 bis 60 Millionen Euro möchte er in einer Finanzierungsrunde im ersten Halbjahr eintreiben. Das Geld – Mindestinvestment ist eine Million Euro – soll in einen Immobilienfonds eingezahlt werden. Mutigen sollen attraktive Renditen winken: 12 bis 20 Prozent stellt Hanno Soravia in Aussicht.

Schenkt man den Soravias Glauben, gibt es trotz der nach wie vor angespannten Lage genug Interessierte: „Die Gespräche laufen sehr gut.“ Und Erwin Soravia ist überzeugt: „Wenn ich in Immobilien in Osteuropa investieren will, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt.“

Anders als in Osteuropa, läuft die Immobilienentwicklung in Österreich recht gut. Allein 2011 sind hierzulande Projekte mit einem Volumen von 147 Millionen Euro hinzugekommen. Darunter etwa der Umbau der Wiener Sofiensäle, wo bis 2013 um 46 Millionen Euro Wohnungen gebaut werden. Bruder Erwin ist zufrieden: „Bereits heute haben wir davon 60 Prozent vermietet.“ Überhaupt möchten sich die Soravias in den nächsten Jahren stärker dem städtischen Wohnbau und da wiederum dem unteren bis mittleren Segment widmen. Aber auch zwei neue Hotels kommen heuer in Wien dazu, eines davon in Schönbrunn.

Dicke Fische

Doch die beiden Soravia-Brüder, die seit Anfang 2010 die Geschicke ihrer Gruppe alleine lenken, werden nicht müde zu betonen, dass sie mehr zu bieten haben als nur Immobilien. Und tatsächlich sind es ihre anderen Beteiligungen, die in der Krise nun die dringend benötigten Gewinne abwerfen. Vor allem der 26-Prozent-Anteil am Dorotheum und die in Linz beheimatete IFA-Finanzgruppe erfreuten zuletzt mit Millionenerträgen.

Auch wenn der Dorotheum-Anteil zur Gänze und IFA zum Teil an die kreditgebenden Banken verpfändet ist: Die beiden Beteiligungen gelten als fixer Bestandteil des Soravia-Imperiums – wie übrigens auch Hannos Steckenpferd, die Fischzucht. Unter der Marke Soravia Food Market soll diese in den nächsten Jahren stark wachsen. „Wir nehmen gerade einen institutionellen Partner hinein, der uns hilft, die Expansion mitzufinanzieren“, erzählt Hanno Soravia. Dieser Investor, dessen Name noch geheim bleiben soll, wird einen Drittelanteil an Soravia Food Market bekommen. Expandiert werden soll dann vor allem in Österreich, Deutschland und Italien.

Manager Gert Edlinger, bis vor kurzem noch Geschäftsführer im Alpenlachs-Business, soll die Expansion in Zukunft als Berater begleiten. Das starke Wachstum im Fischbusiness sei notwendig geworden, weil der Aufsichtsrat Druck gemacht habe und die Handelsketten Billa und Spar mehr von dem exklusiven Fisch an den Mann bringen wollten. Von der Sushi-Produktion hingegen haben sich die Soravias wieder verabschiedet. Der im letzten Jahr erfolgte Kauf eines Salzburger Sushi-Produzenten habe sich in Zeiten nach Fukushima als veritabler Flop herausgestellt, gesteht Erwin Soravia.

Doch mit Flops haben die Soravias, die auch gern gesehene Gäste bei zahlreichen Society-Events des Landes sind, umzugehen gelernt. Der Kinderpark Minopolis konnte nur mit Mühe vor einer Pleite bewahrt werden. Auch ihr Ausflug in die Welt des Privatfernsehens im Jahr 2002 endete erfolglos.

Dass noch lange nicht alles rund läuft, obwohl die Gruppe nach Eigenangaben 2011 sogar einen kleinen Gewinn geschrieben hat, lässt sich daraus ableiten, dass auch Teile des Familiensilbers verscherbelt werden. Kürzlich wurde die Plakatfirma Megaboard zum Verkauf angeboten. Den Zuschlag bekam der bisherige Partner Gewista, der Soravia rund 17 Prozent abkaufte. Für Branchenkenner ist der Verkauf nur mit Geldknappheit erklärbar, warf Megaboard doch in den letzten Jahren stets Gewinne ab und galt als Stolz der Familie. Megaboard, Megaboard International und die Autobahnwerbung, ebenfalls alle an die Gläubigerbanken verpfändet, werden nun zusammengelegt. An dieser neuen Gesellschaft hält die Soravia Group nur noch 50 Prozent. Auch Käufer für die Firma Aquafit Hochwasserschutz soll es bereits geben, bestätigt Erwin Soravia.

Die Pläne für den Verkauf des Wiener Hilton-Hotels, an dem Erwin und Hanno je 12,12 Prozent besitzen, lassen noch etwas auf sich warten. Ginge es nach den Soravias, würden sich diese allerdings lieber heute als morgen von den Anteilen trennen. Erwin: „Wir könnten jederzeit verkaufen.“ Etwas zögerlicher ist hingegen der Mitbesitzer, die Raiffeisen Leasing.

Verkaufsstopp

Weitere Beteiligungsverkäufe sind danach aber kein Thema mehr, versichert Erwin Soravia: „Ganz im Gegenteil! Wir wollen wieder kaufen.“ Immerhin 234 Millionen Euro sollen heuer in neue Projekte fließen.

Unternehmensintern wird aber der Sparstift gründlich angesetzt: So soll die Soravia Group AG in Kürze aufgelöst werden und in eine GmbH umgewandelt werden. Damit wäre auch der Aufsichtsrat, angeführt von Industriellenboss Veit Sorger, Geschichte. „Die AG war eine unnötige Zwischenebene, die man gut einsparen kann“, ist der jüngere Soravia-Bruder, Erwin, überzeugt.

Allerdings waren die Kosten für den Aufsichtsrat zuletzt ohnehin stark zurückgegangen. Im Frühjahr letzten Jahres erklärten mit Wienerberger-Boss Heimo Scheuch und den Altpolitikern Sepp Rieder und Erhard Busek gleich drei Leute gleichzeitig ihren Rücktritt aus dem Gremium. Das habe aber rein gar nichts damit zu tun, dass sie sich Sorgen um ihre Haftung machten, versichert Erwin Soravia. Rieder und Busek hätten eine Altersgrenze überschritten, und Scheuch sei weiter Stiftungsvorstand.

Wechsel von RZB zu RLB OÖ

Nicht nur die Umwandlung in die GmbH dürfte die Soravias ruhiger schlafen lassen. In den letzten Wochen kam es zu einer Umschuldung: Statt der RZB ist nun die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich die kreditgebende Bank für die Soravia Equity.

Auch die Beziehung zum Partner IFC, einer Tochter der Weltbank, die an Soravia Real Estate Development beteiligt ist, laufe reibungslos, versichern die Unternehmer – und starten trotz Liquiditätsproblemen wieder mit einer Riesenportion Optimismus ins neue Jahr.

– Angelika Kramer

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