Finanzberater - Die Buhmänner der Krise:
Branche gerät immmer mehr unter Druck

Die Krise trifft Finanzberater besonders hart. Nicht immer sind sie daran unschuldig. Klagen, Umsatzeinbrüche und schärfere Kontrollen sind die Folge.

Seit seiner Ankündigung, gegen den Finanzberater AWD in Sachen Immofinanz vorgehen zu wollen, steht beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) das Telefon nicht mehr still. „Wir sind jedenfalls schon bei einer dreistelligen Zahl von Beschwerden angelangt“, berichtet Peter Kolba vom VKI. Die Probleme sind überall die gleichen: Aktien oder Fonds seien als bombensicheres Investment, in manchen Fällen gar als „mündelsicher“ dargestellt worden. Eine Streuung des Portfolios habe es nicht gegeben, auf das Risiko sei nur am Rande oder gar nicht hingewiesen worden. „Den Konsumenten wird vom Berater eine Sicherheit vorgespielt, die in erheblichem Widerspruch zur Realität steht“, berichtet der Grazer Anwalt Harald Christandl, der bereits in Sachen AMIS, Meinl, AvW und Immofinanz für Anleger tätig ist.

Super-GAU für Marktführer?
Besonders stark unter Druck geraten ist durch den Kursverfall bei Immoeast und Immofinanz vor allem der AWD. Bei dem „Finanzoptimierer“, wie er sich selbst nennt, fühlt man sich angesichts des aktuellen Problems hingegen in einer komfortablen Lage. „Mir sind nur sechs konkrete Beschwerdefälle bekannt. In all diesen Fällen sind unterschriebene Gesprächsprotokolle vorhanden. Ich schließe Beratungsfehler aus“, gibt sich der neue AWD-Österreich-Chef Kurt Rauscher (im Bild) selbstsicher. Brancheninsider bezeichnen die Causa Immofinanz für den AWD, den Marktführer unter den unabhängigen Finanzberatern, aber als „Super-GAU“.

AWD stolpert über Klumpenrisiko
„Geht man von nur einem Prozent Fehlberatung aus, dann wären das für den AWD immer noch rund tausend Fälle“, rechnet ein Finanzberater mit AWD-Background vor. Denn der unabhängige Finanzberater soll in der Vergangenheit rund ein Drittel aller Immofinanz-Aktien vertrieben haben, Brancheninsider sprechen von einer „zumindest sechsstelligen“ Kundenzahl. Genau dieses Klumpenrisiko soll auch dem früheren AWD-Österreich-Chef Wolfgang Prasser zum Verhängnis geworden sein, ist zu hören. Obwohl offiziell stets von einem freiwilligen Rückzug des Langzeit-AWD-Chefs gesprochen wurde, ist im Firmenbuch von einer „Abberufung“ des Geschäftsführers die Rede.

Branchenschrumpfen vorhergesagt
AWD, wo Österreich immer unter den Ländern mit dem stärksten Umsatz- und Gewinnzuwachs aufschien, mussten heuer erstmals starke Einbrüche verzeichnet werden. Damit steht AWD in der Branche nicht allein da, denn nicht nur das Geschäft mit Aktien und Immobilien, sondern auch ­jenes mit Tilgungsträgern liegt danieder. Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der heimischen Wertpapierdienst­leister, im letzten Jahr noch bei 330, bis Ende 2009 auf höchstens 150 reduziert ­haben wird. Ernst Brandl, Kapitalmarktrechtsexperte der Kanzlei Brandl & Talos, begründet das so: „Es werden sich jene durchsetzen, die der Versuchung widerstanden, dem von den großen Gesellschaften aufgebauten medialen Druck standzuhalten, und die Kunden diversifiziert hatten.“

Mehr Kontrollen, härtere Strafen
Für jene Anbieter, die nach der Finanzkrise und zahlreichen Prozessen noch übrig bleiben, wird das Leben auch nicht unbedingt leichter: Die FMA will den Beratern in Zukunft nämlich noch genauer auf die Finger schauen und bei mindestens 30 Unternehmen pro Jahr Vor-Ort-Prüfungen durchführen. Außerdem fordert sie härtere Strafen für „schwarze Schafe“ (siehe Interview ). Nach Gesetzesänderungen für Finanzbe­rater rufen auch andere: „Das System des Strukturvertriebs müsste untersagt werden, und die Qualität der Anlageberater müsste entscheidend verbessert werden“, fordert Anwalt Christandl.

Neues Entlohnungssystem angedacht
Aber auch über ein ­neues Entlohnungssystem, weg von Provisionen, hin zu Stundensätzen, wird immer lauter nachgedacht. VKI-Experte Kolba fordert außerdem bessere Mittel zur Rechtsdurchsetzung: „Eine Sammelklage brächte sicher eine deutliche Verbesserung.“
Aber nicht nur die Finanzberater, auch die Kunden werden gescheiter aus der Krise­ hervorgehen. „Viele Kunden ignorieren die Risikoaufklärung einfach“, weiß Anwalt Brandl. Kolba wiederum rät dazu, mehrere Leute als Zeugen zu Beratungsgesprächen hinzuzuholen.

Von Angelika Kramer

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