Fette Jahre für Österreich: Der Wohlstand der Österreicher soll bis 2015 weiter steigen

Wir werden reicher: Bis 2015 soll das Finanzvermögen der Österreicher pro Jahr um 2,7 Prozent steigen – auf 538 Mrd. Euro. Allerdings wird die Wirtschaft nicht gerade boomen, denn die Staatsschulden bremsen die Dynamik.

Um 7.900 Euro bekommt man ein neues Auto, einen Dacia. Man könnte zwei Wochen nach Mauritius fliegen oder sich 40 Menüs samt Weinbegleitung im Nobellokal Steirereck leisten. Bis zum Jahr 2015 noch kann der Durchschnittsösterreicher davon träumen, was er sich um diese Summe gönnen würde – denn um genau diesen Betrag wird das durchschnittliche Geldkapital pro Person steigen. Statt 54.900 Euro wie im Jahr 2010 wird 2015 das Pro-Kopf-Finanzvermögen 62.800 Euro ausmachen. Das geht aus einer neuen Studie von Macro-Consult hervor.

Der Ökonom Josef Christl, früher Wirtschaftsberater von Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Direktor der Oesterreichischen Notenbank, jetzt Chef von Macro-Consult, hat versucht herauszufinden, ob Österreich bis 2015 ärmer oder reicher wird. Fazit: Der Wohlstand steigt weiter. „Es stehen uns keine schlechten Jahre bevor“, sagt Christl. Nachsatz: „Aber sicherlich auch keine besonders guten.“

Geringeres Wachstum

Insgesamt wird das Geldvermögen der privaten Haushalte in den kommenden fünf Jahren auf 538 Milliarden Euro steigen. Derzeit liegt es bei 461 Milliarden. Von dieser Summe kann man noch die Kreditschulden der privaten Haushalte abziehen, die rund 161 Milliarden Euro ausmachen.

Dass das Durchschnittsvermögen (bestehend aus Bankeinlagen, Wertpapieren, Beteiligungen, Versicherungs- und Pensionskassenansprüchen sowie Bargeld) um 2,7 Prozent pro Jahr steigt, ist erfreulich. Allerdings fiel das Wachstum in der Fünf-Jahres-Periode von 2005 bis 2010 trotz Ausbruch der Finanzkrise und den daraus entstandenen Turbulenzen etwas höher aus; es lag bei 3,4 Prozent pro Jahr.

Auch das Wachstum der Wirtschaft wird laut dieser Prognose schwach bleiben. Denn der große öffentliche Schuldenberg, zunehmende Alterung der Gesellschaft, geringe Investitionsbereitschaft, strengere Regeln für Banken und steigende Steuerquoten lassen wenig Platz für Dynamik. Vor allem 2014 und 2015 dürfte sich die Konjunktur abschwächen. In diesen beiden Jahren sei auch mit deutlichen Einbrüchen am Aktienmarkt zu rechnen, meint Christl. Er ist mit seiner Prognose pessimistischer als etwa das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO.

Sparen ist out

Die Finanzwirtschaft stellt sich ebenfalls bereits auf weniger fette Jahre ein. „Der heimische Kreditmarkt wird in den nächsten drei Jahren mit zwei bis drei Prozent pro Jahr eher moderat wachsen“, sagt Thomas Uher, Vorstandssprecher der Erste Bank Österreich. Das hänge einerseits mit dem schwachen Wirtschaftswachstum zusammen, andererseits mit schwierigeren Rahmenbedingungen. Unternehmen wie auch Banken werden in Zukunft mehr Eigenkapital benötigen. „Insgesamt werden Österreichs Unternehmen rund acht Milliarden Euro an Krediten pro Jahr brauchen“, meint Uher. Zudem trifft die Banken auch die sinkende Sparbereitschaft – der Anteil der Spareinlagen am Finanzvermögen sinkt.

„Die Anleger sind deutlich risikoscheuer geworden und in den vergangenen drei Jahren wenig überraschend in täglich fällige Einlagen und kurzfristig gebundene Kapitalsparbücher gegangen“, so der Erste-Österreich-Chef. Nach Ausbruch der Finanzkrise schien vielen eine längerfristige Bindung des Geldes riskant. Zudem wurde lieber konsumiert, als das Geld für spätere Zeiten aufzubewahren.

In den kommenden drei bis fünf Jahren werde der Anteil der Spareinlagen von 47 auf 43 Prozent des Finanzvermögens zurückfallen. „Im Gegenzug werden festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen & Co und Aktien wieder attraktiver werden“, glaubt Uher. Von jeden 100 veranlagten Euro liegen derzeit 8,9 Euro in Wertpapieren, 2015 werden es 10,3 Euro sein. „Leider bleibt für den Anleger die Unsicherheit der Kursgewinnsteuer. Wir rechnen, dass ein Teil des Kapitals ins Ausland abfließen wird“, sagt Uher.

Seit Jahresbeginn sind die Banken verpflichtet, ein Viertel der Kursgewinne von Aktien, Anleihen, Zertifikaten, Derivaten und Fonds an den Staat abzuführen. Dass Aktien und Investmentfonds in den kommenden Jahren trotz dieser neuen Steuer stärker als bisher gefragt sein werden, könnte der Vermögensbesteuerungsdebatte neuen Schwung geben. Denn die SPÖ will unter dem Motto „Vermögen fair teilen“ die Reichen stärker zur Kasse bitten.

Zuletzt machte sich der Gewerkschaftsbund für eine Reichensteuer stark. Dort schätzt man, dass die Finanzministerin bei einem Vermögenssteuersatz von maximal 1,5 Prozent 2,5 bis 3 Milliarden Euro pro Jahr einnehmen könnte. „Zu mehr Verteilungsgerechtigkeit gehört natürlich eine Besteuerung großer Vermögen“, so der Vorsitzende der sozialdemokratischen Gewerkschafter, Wolfgang Katzian.

Die ÖVP kann diesem Vorschlag nichts abgewinnen, auch wenn Vermögenssteuern in Österreich vergleichsweise gering ausfallen und der Wohlstand innerhalb des Landes sehr unterschiedlich verteilt ist.

Die reichsten zehn Prozent der Haushalte horten nämlich im Schnitt mehr als 560.000 Euro, während die untere Hälfte gerade einmal auf 20.600 Euro an Geldvermögen kommt. Auch die Zahlen aus dem Sozialbericht der Regierung lassen die großen Unterschiede erkennen: Demnach besitzt das oberste Promille (also 0,1 Prozent der Haushalte) acht Prozent des Gesamtgeldvermögens. Etwa gleich viel verteilt sich auf die gesamte untere Hälfte aller Haushalte.

Das reichste Prozent der Haushalte hält 27 Prozent des gesamten Geldvermögens. Dazu kommen Grundstücke, Wohnungen und Häuser. Insgesamt beträgt das österreichische Immobilienvermögen rund 880 Milliarden Euro. Die obersten Zehntausend besitzen 61 Prozent aller Immobilien, 40 Prozent besitzen hingegen gar keine.

Noch ist nicht die Rede von neuen Abgaben oder Leistungskürzungen, zumindest offiziell. Als vor wenigen Tagen der Finanzrahmenplan 2012 bis 2015 beschlossen wurde, erklärte Bundeskanzler Werner Faymann, bis 2015 werde das Defizit in Österreich nur noch bei zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen. „Das ist ohne großes Sparpaket möglich, wenn wir in allen Ressorts täglich sparen. Die tägliche Reform erspart uns tiefe Einschnitte ins Sozialsystem und eine Verunsicherung der Menschen“, betonte der Bundeskanzler.

„Wir müssen aufpassen“

Ökonom Josef Christl glaubt aber nicht daran, dass mit solchen kleinen Schritten so viel eingespart wird. Er sieht das Defizit 2015 bei 3,6 Prozent. „Wir sind zwar ein reiches Land, aber wir müssen aufpassen, dass dieser Reichtum auch erhalten bleibt. Daher sollte der Staat vom Krisenmodus möglichst rasch auf einen normalen Modus umstellen und zu sparen beginnen.“

Denn ohne Enthaltsamkeit in den üppigeren Jahren, die jetzt kommen, könnte der Wohlstand – und damit auch die Träume vom Zusatzurlaub auf Mauritius oder von ausschweifenden Menüs in Nobellokalen – mittelfristig schwinden und Schmalhans als Küchenmeister einkehren.

– Miriam Koch

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