Feilschen um die Telekom

Knalleffekt bei der Telekom: Während Investor Ronny Pecik mit der norwegischen Telenor-Gruppe verhandelt, will Mirko Kovats für eine reiche Familie aus dem Oman die Anteile der ÖIAG erwerben.

Eines lässt sich jetzt schon sagen: Erholsam wird diese Reise sicher nicht. Am Donnerstag, dem 15. Dezember, fliegt der Vorstand und Aufsichtsrat der Telekom Austria (TA) zur Klausur nach Zagreb. In der Zentrale der kroatischen Telekom-Mobilfunktochter Vipnet wird man am darauf folgenden Tag die Köpfe zusammenstecken und über die Zukunft der Telekom Austria beraten. „Von morgens bis abends“, heißt es dazu aus dem krisengebeutelten Unternehmen.

Ein Tag dürfte aber kaum ausreichen, um die vielen Probleme der Telekom in den Griff zu bekommen. Insbesondere die Gefahr einer feindlichen Übernahme bereitet Sorge. Der Investor Ronny Pecik ist seinem Ziel, Teile des Unternehmens ans Ausland zu verkaufen, einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Und auch Peciks früherer Partner, A-Tec-Chef Mirko Kovats, meldet sich überraschend zu Wort. In einem FORMAT vorliegenden Brief von Kovats an ÖIAG-Boss Markus Beyrer steht, dass Investoren aus dem Oman das 28,42-Prozent-Paket der ÖIAG an der Telekom erwerben wollen.

Feilschen um die Telekom

Während Kovats’ Pläne auf den Staatsanteil abzielen, muss Pecik auf keine politischen Entscheidungen warten. Er plant den Einstieg bei der durch Affären gebeutelten Telekom durch die Hintertür. Wie exklusiv berichtet (FORMAT 37/11), verhandelt der kroatischstämmige Investor abseits der Öffentlichkeit seit gut einem halben Jahr um Telekom-Optionen. Gemeinsam mit einigen Investoren hat sich Pecik schon mehr als zwanzig Prozent am börsennotierten Unternehmen gesichert – und dafür jetzt einen Bestbieter ausgemacht: die norwegische Telenor.

Die Norweger spitzen schon seit Jahren auf die Telekom Austria und wollen die Schwäche der Österreicher nutzen. Wie FORMAT erfuhr, bietet Telenor Pecik 11,30 Euro je Aktie, doch der Spekulant erhofft sich mindestens 11,50 Euro – obwohl das Papier tageweise sogar unter acht Euro notiert. Analysten der Erste Bank sehen die Entwicklung des Papiers negativ, das Kursziel liege bei nur 5,50 Euro. Und besser wird es so schnell nicht: Für das Gesamtjahr ist mit neuerlichen Ergebnisrück gängen zu rechnen. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ist das Betriebsergebnis um 56,2 Prozent auf 208,8 Millionen Euro abgesackt.

Diese Zahlen machen es Pecik schwer, die Telekom als attraktives Übernahmeziel zu präsentieren. Er will seine Anteile so rasch wie möglich veräußern. Dabei dürfte er sogar Glück haben. Laut einem Insider laufen die Verhandlungen mit den Norwegern „ziemlich gut“. Es sei davon auszugehen, dass Pecik mit Telenor handelseins werde. Pecik selbst will sich nicht in die Karten blicken lassen und lässt eine Anfrage unbeantwortet.

Das Pikante am Deal: Noch hat Pecik wenig in der Hand. Offiziell hat die RPR Privatstiftung von Ronny Pecik per 14. Oktober 2011 eine Option auf 5,4 Prozent der Aktien der Telekom Austria erworben. Zudem wurden zum Teil über Töchtergesellschaften knapp 400.000 Anteilsscheine der TA, also 0,085 Prozent, gekauft. Peciks restliche Options-Pakete sind bei Schweizer Bankinstituten geparkt, die sie treuhändisch verwalten bzw. bei Bedarf an Pecik verkaufen.

Knapp 45 Millionen Euro hat Pecik allein für die Optionen auftreiben müssen – was ihm vor allem dank der finanziellen Hilfe des ägyptischen Milliardärs und Ex-Orascom-Chefs Naguib Sawiris gelungen ist. Tatsächlich würde auch der einflussreiche Ägypter vom Deal mit den Norwegern profitieren. Denn Telenor hält 31,67 Prozent an der russischen VimpelCom, wo Sawiris Großaktionär ist.

Doch Sawiris’ Interesse an der Telekom Austria ist begrenzt. Er plant in Europa den Einstieg bei mehreren Telekommunikationsanbietern und will sich wegen der österreichischen Telekom nicht den Ruf eines „feindlichen“ Investors einhandeln. Pecik, gelernter Starkstromtechniker, muss daher dringend frisches Geld auftreiben, um die Optionen in Aktien umzuwandeln. In Summe braucht er für die zwanzig Prozent an der TA mehr als 750 Millionen Euro (gesichert hat er sich die Aktien zu einem Durchschnittspreis von 8,50 Euro). Erreicht er sein Ziel – mindestens 25 Prozent der Aktien –, benötigt er sogar 200 Millionen Euro mehr.

Stumpf an Bord

Deshalb hat Pecik vor kurzem sogar seinen Expartner Georg Stumpf um Hilfe gebeten. Leicht soll ihm das nicht gerade gefallen sein. Zwischen Pecik und Stumpf herrscht im Grunde Funkstille. Die beiden hatten sich gemeinsam an Konzernen beteiligt, darunter Oerlikon, Sulzer und M+W Zander. Zum Eklat kam es des Geldes wegen. Stumpf hatte Pecik sogar mit rechtlichen Schritten gedroht. Die Sache war vom Tisch, als Pecik seine Anteile an M+W Zander Stumpf übertrug und er dafür Stumpfs Anteile an der Beteiligungsfirma Victory erhielt.

Stumpf will dieses Mal gleich auf Nummer sicher gehen. Die Kosten für die Optionen trägt er nicht mit. Er sei erst „bei der zweiten Finanzierungsrunde“ dabei, heißt es aus seinem Umfeld. Im Klartext: Sobald sich Pecik und Telenor auf den Preis geeinigt haben und der Deal vertraglich besiegelt ist, müssen die Telekom-Optionen in Aktien umgewandelt werden. Nur in dem Fall, also sobald Telenor als Käufer fix ist, springt Stumpf auf, der sich dazu offiziell nicht äußern will.

Für Pecik könnte es jedenfalls das Geschäft seines Lebens werden. Vom Telekom-Deal erhofft er sich zwischen 120 und 150 Millionen Euro. Sein bisheriges Spekulationsmeisterstück war der Kauf und spätere Verkauf der VA Tech, wo er – mit seinem Expartner Kovats – auf die Schnelle 40 Millionen Euro verdiente.

Pecik will sich aber lieber nicht auf die Großzügigkeit der Norweger verlassen. Falls er die angepeilten 11,50 Euro je Aktie nicht bekommt, will er nach Russland verkaufen, wo gleich zwei namhafte Interessenten warten. Neben der VimpelCom ist auch MTS, Teil der Sistema-Gruppe, interessiert. Dass sich der 49-Jährige beide Optionen offenhält, gilt als riskant.

Sistema wird von Vladimir Jevtusenko kontrolliert, VimpelCom steht hingegen im Einflussbereich von dessen Erzrivalen Michail Fridman. Letzterer ist mit der norwegischen Telenor, die ja fast ein Drittel an VimpelCom hält, in bestem Einvernehmen. Harte Verhandler wie Fridman und Jevtusenko unter Druck zu setzen ist heikel. Pecik soll davor sogar schon von Lobbyisten gewarnt worden sein.

Kovats bringt Araber

Eine ausländische Lösung für die Telekom will offenbar auch A-Tec-Chef Mirko Kovats gefunden haben. In einem Brief an ÖIAG-Boss Markus Beyrer schreibt Kovats, dass eine Investorengruppe mit Sitz im Oman „ am Erwerb von bis zu dreißig Prozent bzw. gegebenenfalls zeitgleich oder zu einem späteren Zeitpunkt aller Aktien an der Telekom Austria “ interessiert sei. Beyrer hat Kovats auch schon geantwortet und schreibt, dass ohne Privatisierungsbeschluss nichts zu machen sei. Zudem wäre „ein solcher absehbar auch nicht zu erwarten“. Kovats will hingegen in Erfahrung gebracht haben, dass die Bundesregierung einem Privatisierungsbeschluss nicht länger abgeneigt sei.

Vor wenigen Tagen sorgte allerdings die Meldung für Aufsehen, Österreich würde eine Schutzmauer um seine Infrastrukturunternehmen ziehen. So hält ein neuer Zusatz zum Außenwirtschaftsgesetz fest, dass Beteiligungen an „Unternehmen im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ ab einer Schwelle von 25 Prozent vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden müssen, sofern der Investor nicht aus der EU, dem EWR oder der Schweiz kommt. Für Peciks Norweger gäbe es somit kein Problem, für Kovats’ Araber hingegen schon.

Bei den Investoren aus dem Oman handelt es sich jedenfalls um Familien aus dem Umfeld von Sultan Qabus (Said-Clan). Auf Wunsch der Araber hat Kovats in der Hauptstadt Maskat schon vor Jahren das „Oman Tourism College“ ins Leben gerufen – sein Türöffner zum mächtigen Herrscherclan Said. Was die Familien mit der Telekom vorhaben, ist ungewiss. Kovats selbst will das Vorhaben „jetzt noch nicht“ kommentieren. Das Angebot kommt überraschend. Es heißt, Kovats wolle damit auch seinen Expartner Pecik verärgern. Die beiden streiten immer wieder vor Gericht, zum Beispiel wegen eines Schiffs, das ihnen einst gemeinsam gehörte.

Betriebsrat bangt

Dennoch: Das Angebot von Kovats klingt sehr ernst, die Omaner würden immerhin rund 1,2 Milliarden Euro für die ÖIAG-Anteile lockermachen. Betriebsratschef Walter Hotz steigt vorsorglich schon einmal auf die Barrikaden: „Ein Verkauf der ÖIAG-Anteile ist ein absolutes No-Go. Wir würden sofort streiken.“ Wie Hotz sagt, seien durch neue Investoren nicht nur Arbeitsplätze gefährdet, sondern auch der Datenschutz.

Mit den Konto- bzw. Adressinformationen von rund fünf Millionen Kunden besitzt die Telekom die wohl größte Sammlung sensibler Privatdaten des Landes. Europaweit sind sogar die Daten von 22 Millionen Kunden gespeichert. Besonders heikel wird es, wenn Teile der Verwaltung eines Unternehmens ins Ausland verlagert werden.

Für reichlich Gesprächsstoff bei der Aufsichtsratssitzung Mitte Dezember ist also gesorgt. Da trifft es sich gut, dass die Zentrale der Mobilfunktocher Vipnet nicht zum Bummeln durch die Zagreber Altstadt anregt. Denn sie befindet sich kilometerweit vom schönen Stadtkern entfernt, an der stark befahrenen Straße „Vrtni put“. Zur Lage der Telekom passt diese trostlose Gegend wohl ohnehin besser.

– Silvia Jelincic

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