Feier-Abend für Sponsorausgaben: Die Krise ist Gift für gesellschaftliche Top-Events

Zum Ärger über das Korruptionsgesetz kommt nun die Wirtschaftsflaute: Die Sponsorausgaben der Unternehmen gehen um bis zu 20 Prozent zurück. Sogar Kitzbühel bekommt das zu spüren. Und viele Manager meiden den Opernball.

Im Fernsehen werden die Bilder sehr ähnlich sein, wie in den Vorjahren – sofern das Wetter mitspielt: Menschenmassen, gute Stimmung, ausgelassene Fans. Die traditionsreichen Hahnenkamm-Skirennen in Kitzbühel werden Österreich wieder von seiner besten Seite zeigen. Doch hinter den Kulissen ist nicht alles, wie es immer war. Die Partylaune unter den Sponsoren ist spürbar getrübt. Einer der Hauptpartner des hippen Ski-Events, Gösser, lädt nur noch 50 Gäste zum ebenso exklusiven wie kostspieligen Ski-Wochenende ein, halb so viele wie im Vorjahr.

Nagelprobe kommt 2010
Auch andere Unternehmen haben den Sparstift gespitzt. In einschlägigen Seitenblicke-Kreisen kursiert, dass heuer erstmals heiß begehrte VIP-Packages für Kitzbühel (3.000 Euro für drei Tage) am Markt erhältlich sind. Kitzbühel-Vermarkter Harti Weirather bestreitet das zwar: „Wir sind ausgebucht.“ Doch offenbar werden bereits erworbene Packages nun zum Verkauf angeboten. Gröbere Probleme hat Weirather heuer tatsächlich noch nicht. Denn sämtliche Verträge sind seit Monaten unter Dach und Fach. Die Nagelprobe kommt erst. Denn ob die Firmen für Kitzbühel 2010 wieder großzügig in die Tasche greifen, muss angesichts der Wirtschaftsflaute bezweifelt werden. „Ich kann noch nicht sagen, ob wir nächstes Jahr Sponsor bleiben“, sagt Gösser-Kommunikationschefin Veronika Fiereder.

Beisl statt Loge
Ein anderes Topereignis, der Wiener Opernball am 19. Februar, bekommt die neue Bescheidenheit schon diesmal kräftiger zu spüren. Einige Konzerne wie die Volksbanken-Gruppe haben ihre Loge zurückgegeben. Topmanager von Banken, die Staatshilfe in Anspruch nehmen wollen, bleiben dem Ball aus Imagegründen fern. Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad plant, eine illustre Runde von Finanzbossen in ein Beisl einzuladen: Tafelspitz statt Tanzbein schwingen. „Mir ist nicht zum Feiern zumute“, sagt Konrad. Da ist er nicht allein. In der Wirtschaft herrscht Feier-Abend. Rauschende Feste passen nicht in den Zeitgeist. Schon im Sommer schrien große Sponsoren auf, weil sie sich durch die neuen Anti-Korruptions-Paragrafen bei der Einladung von Gästen behindert fühlen. Exfinanzminister Wilhelm Molterer versprach eine Reparatur des Gesetzes, doch dazu kam er nicht mehr.

Sparmaßnahmen der Konzerne  
Nun hat die Wirtschaftskrise die Situation noch massiv verschärft und raubt Sportorganisatoren, Museumsdirektoren und Kulturveranstaltern den Schlaf. Sparmaßnahmen aufgrund sinkender Gewinne und Protest gegen die Korruptionsgesetze lässt Konzerne wie Verbund, Post, Uniqa und Casinos Austria ihre Sponsoringbudgets kürzen. Catering-Guru Attila Dogudan (Do & Co) rechnet mit bis zu 25 Prozent Rückgang im Eventbereich. Vor allem Veranstalter kleinerer Events bangen bereits um ihre Existenz. 2008 ließ die Wirtschaft zwischen 600 und 800 Millionen Euro für Kunst, Sport und Soziales springen.

Ein Viertel weniger für Sponsoring
„Wir schätzen, dass Spenden und Sponsoring von Unternehmen heuer zwischen zehn und 20 Prozent zurückgehen“, prognostiziert Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria. „Wir werden rund ein Viertel weniger für Sponsoring ausgeben“, rechnet Casinos-Boss Karl Stoss vor. Was Kitzbühel betrifft, ist fürs nächste Jahr neben Gösser auch das Engagement der Kärntner Bank Hypo Group Alpe Adria fraglich. Selbst Promi-Fixtermine sind vor bösen Überraschungen nicht mehr gefeit – auch wenn Harti Weirather immer wieder betont, Kitzbühel sei nicht nur ein sportlicher Event, sondern eine Art Mini-Davos, wo sich Wirtschaftskapitäne auf Augenhöhe treffen können. Thema Nummer eins zwischen Abfahrt und der KitzRace-Party wird unter den gut 1.000 VIP-Karten-Inhabern nächste Woche zweifelsohne der Konjunktureinbruch sein.

Der Opernball-Boykott
Champagner zu trinken, während man beim Staat um Unterstützung ansucht oder Mitarbeiter kündigen muss, das macht kein gutes Bild. Zu den Topmanagern, die den Opernball ­bereits wieder aus ihrem Terminkalender gestrichen haben, gehören auch die Telekom-Vorstände Boris Nemsic und Hannes Ametsreiter sowie ORF-Chef Alexander Wrabetz. „Wir haben derzeit ein großes Sparpaket laufen, und da wäre die Optik nicht so ideal, wenn ich solche Events besuche“, sagt Wrabetz offen. Selbst Erste-Bank-Boss Andreas Treichl wird dem Spektakel fern bleiben, obwohl seine Frau Desirée Treichl-Stürgkh das Fest organisiert. Die Ball-Organisatorin tröstet sich: „Die Logen sind alle vergeben. Wer darin sitzt, das weiß ich allerdings nicht“, sagt die Bankersgattin. Immerhin, die Notenbank-Spitze will geschlossen erscheinen.

Gesetz schreckt ab
Die Casinos Austria haben überlegt, eine ihrer beiden Logen zurückzugeben, es dann aber doch nicht getan. Die Gäste des Glücksspielkonzerns werden nun viel Platz haben, da heuer nur 15 anstatt wie bisher 30 Personen eingeladen wurden: wegen der Restriktionen im Korruptionsgesetz. „Wir konzentrieren uns auf ausländische Geschäftspartner“, sagt Karl Stoss. Das umstrittene Strafrechtsänderungsgesetz ist seit ei­nem Jahr in Kraft. Esregelt unter anderem die Annahme von Geschenken. Besonders aufpassen müssen Beschäftigte in Behörden, Ämtern und auch in Unternehmen, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist. Für sie gelten besonders strenge Regeln. Ein Amtsträger, der einen „Vorteil fordert, annimmt oder sich versprechen lässt, ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zu bestrafen“, heißt es im Paragrafen 304.

Sturm gegen Restriktion
Geringfügigkeitsgrenzen gibt es keine. Auch für private Unternehmer gibt es gewisse Restriktionen. Kann ein Konkurrent pflichtwidriges Verhalten – wie Absprachen – nachweisen, so können Einladungen, die mehr als 100 Euro wert sind, bereits strafrechtliche Folgen haben. Die Verunsicherung ist groß. In den Geruch der Korruption kommen, das will niemand.
Und so laufen viele Manager und Sponsoren gegen die Paragrafen Sturm. „Wir merken, dass Kunden Einladungen der Post verstärkt hinterfragen“, sagt Post-Chef Anton Wais. „Ich halte das Gesetz für völlig überzogen. Aber natürlich werden wir es einhalten“, wettert auch Raiffeisen-General Konrad. Und Uniqa-Boss Konstantin Klien meint: „Wir sind keine Mäzene, sondern sponsern, weil wir Markenpflege betreiben wollen.“

Hardliner im Ministerium  
Eine gemeinsame Initiative von Kulturveranstaltern und Sponsoren will demnächst bei der frischgebackenen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner vorstellig werden. Mit dabei werden die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, und die Chefin von Siemens Österreich, Brigitte Ederer, sein. Ihr Begehr: das Gesetz abzuändern. Kulturministerin Claudia Schmied forderte ebenfalls bereits eine Überarbeitung. Der Druck auf Bandion-Ortner ist groß. Aber: Ihr Kabinettschef, Ex-Staatsanwalt Georg Krakow, gilt als Hard­liner. Martin Platzer, Geschäftsführer von MPM Sponsoring Consulting, erklärt, vielen Sponsoren gehe es nicht dar­um, mit ihrem Geld möglichst große Aufmerksamkeit zu erzielen, sondern um Zugang zum VIP-Bereich, wo sie im Smalltalk Kontakte herstellen können: „Das hat nichts mit Bestechung zu tun.“ Der Zoff drückt zusätzlich auf die ohnehin gedämpfte Feierstimmung. „Der Gesamtmarkt im Eventbereich wird mit Sicherheit kleiner“, analysiert Attila Dogudan. Er schließt auch einen Rückgang der Promi-Dichte bei Formel-1-Rennen nicht aus, wo Do & Co genauso wie in Kitzbühel aufkocht.

Von Miriam Koch, Barbara Nothegger und Gabriela Schnabel

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