Faymanns findiger Strippenzieher

Dietmar Hoscher, geboren 1962 in Wien, wurde von der SPÖ als Nachfolger von Niko Pelinka in den ORF-Stiftungsrat entsandt. Der studierte Volkswirt, der Mitte der 90er-Jahre im Finanzministerium gearbeitet hat, ist seit 2007 Vorstand der Casinos Austria AG und dort Chef-Lobbyist. Daneben ist Hoscher ein ebenso glühender wie lautstarker Rapid-Fan.

Die Niko-Pelinka-Parodie von Burgschauspieler Nikolaus Ofczarek in der ORF-Satire „Wir Staatskünstler“ hat in kurzer Zeit Kultstatus erreicht. Dementsprechend groß war die Spannung, was nach dem Pelinka-Abschied aus dem ORF passieren wird. Seit letzter Woche weiß man: Ofczarek parodiert jetzt Dietmar Hoscher, der Niko ­Pelinka als Leiter des SPÖ-Freundeskreises im ORF-Stiftungsrat nachfolgen soll. Nicht minder amüsant.

Der Name Dietmar Hoscher hat es dadurch zu plötzlicher Popularität gebracht. Aber kaum wer weiß, was der Mann eigentlich macht. Über die Sendung „Wir Staatskünstler“ will er nichts sagen. Er habe das bewusst nicht angeschaut, lässt er ausrichten.

Dabei ist Hoscher sonst jemand, der ganz und gar nicht im Stillen werkt: Der Vorstand der Casinos Austria ist viel unterwegs, höchst kommunikativ, sein Handy ist immer in Griffweite. Der 49-Jährige ist ein Fixstern des roten Wien, ist Vizepräsident des Wiener Wirtschaftsklubs (Vorstandsmitglieder sind u. a. Alfred Gusenbauer und Wolfgang Hesoun), Vorsitzender des Rapid-Kuratoriums, Mitglied des „Kuratoriums Sicheres Österreich“. Der findige Fädenzieher gibt Kanzler Werner Faymann Input bei Wirtschaftsfragen, er kann gut mit SP-Geschäftsführerin Laura Rudas, ein Mann für heikle Fälle: Nach den Turbulenzen im ORF soll der Vater einer Tochter im SP-Freundeskreis die Wogen wieder glätten. Kann der gebürtige Wiener das?

Hochintelligent, aber nachtragend

Kein Zweifel, meinen seine Freunde. „Er ist geradlinig, mutig, sagt, was er denkt, und kennt sich immer gleich aus“, lobt Ex-­Finanzminister Rudolf Edlinger, für den Hoscher im Kabinett arbeitete. Als „hochintelligent, sehr strukturiert und kreativ“ beschreibt ihn der frühere SP-Abgeord­nete Kurt Eder. Ein Mensch „mit völligem Einsatz bei allem, was er macht“, sagt der Musiker Hans Theessink. Andere – auch Parteigenossen – zeigen sich weniger angetan. Hoscher sei jemand, der Leute umgarnt, solange er sie brauche, und dann fallen lässt. Der sich selbst als „extrem nachtragend“ bezeichnet, „mit Betonung auf extrem“. ­Einer, der unbedingt nach oben will.

Und Karriere hat Hoscher, der in einem Gemeindebau aufwuchs und davon träumte, Finanzminister zu werden, in der Tat gemacht: Nach dem Volkswirtschaftsstudium in Wien begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ludwig Boltzmann Institut und wechselte in die Nationalbank, wo Generaldirektor Adolf Wala sein Vorbild wurde. Mit 26 Jahren kam Hoscher in den SPÖ-Klub im Parlament. Dort arbeitete er für den jetzigen Notenbankchef Ewald Nowotny. 1995 bis 1998 war er im Finanzministerium, anschließend wurde er Hauptabteilungsleiter bei den Casinos Austria. Daneben werkte er zunächst als Sekretär der Zentralen Kommission im Gewerkschaftsbund, als Bundesrat und später als Nationalrat. Den Titel „Abgeordneter zum Nationalrat, a.D.“ führt er immer noch auf seinem Türschild.

Die Vernetzung mit der Politik nützt ihm im Job. Seinen größten Erfolg hatte der Casinos-Cheflobbyist, als er im Sommer 2006 von den geplanten Änderungen im Glücksspielgesetz unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser Wind bekam. Er schaff­te es im letzten Moment, die Novelle zu verhindern – und stieg bei den Casinos in die Vorstandsetage auf: zuständig für Public Affairs. Sein Tippgeber aus dem Finanzministerium wurde beim Glücksspielkonzern mit dem Posten des Leiters der Rechtsabteilung belohnt.
Hoschers Idee soll es auch gewesen sein, den Burschenschafterball WKR für alle Zukunft aus der Hofburg (an der die Casinos Austria zwei Prozent halten) zu vertreiben. Durchaus mit dem Hintergedanken, „Pluspunkte“ bei den Grünen zu sammeln. Denn im derzeit laufenden Korruptions-U-Ausschuss, wo bekanntlich die Grün-Abgeordnete Gabriele Moser den Vorsitz hat, soll auch das Lobbyingkonzept der Casinos kritisch hinterfragt werden.

Von Blues bis Grün-Weiß

Doch Hoscher schreibt nicht nur Lobbyingpapiere: Er war am Wirtschaftsprogramm der SPÖ und an Fachbüchern zu Energie und Wohnen beteiligt. Der Fan der Rockgruppe The Who ist Autor zahlreicher Bücher über Blues, über seinen Freund Theessink hat er eine Biografie geschrieben (erschienen – erraten – im roten Echomedia Verlag). „Dietmar ist wie ich ein Bluesbesessener“, sagt Hans Theessink. Neben der Musik und ­einer Sammelleidenschaft für Gitarren und Schallplatten hat „Didi“ eine weitere Leidenschaft: „die“ Rapid. In seinem Büro bei den Casinos hängen Schals und Poster, ­seine Couch daheim ist grün. Er soll auch einer der Fans sein, die auf der VIP-Tribüne schon mal laut „Schiri, du Arschloch!“ schreien, wenn der Schiedsrichter gegen die Grünen entscheidet. Gerne wäre er 2009 Präsident der Bundesliga geworden. Die angebliche „Intrige“ gegen ihn – initiiert von VP-General Karlheinz Kopf – wurmt ihn noch heute.

Lachen könne Hoscher „über hintergründiges Kabarett und Humor à la Monty Python“, sagte er einmal. Und dass er Angst habe, seinen Humor zu verlieren. Vielleicht sollte er sich doch einmal die „Staatskünstler“ ansehen.

– Miriam Koch, Angelika Kramer

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