Fairtrade: Markenzeichen – gutes Gewissen

Das Dorf Kumkal im ostindischen Bundesstaat Odisha: Die Baumwollfarmer der Region haben sich versammelt, um über ihre Erfahrungen zu erzählen.

Fairtrade: Markenzeichen – gutes Gewissen

"Als wir unsere Baumwolle noch mit Pestiziden spritzten, sind meine Ziegen daran gestorben“, berichtet der Farmer Radha Kanthsahu aus der Kalahandi-Region. Heute ist die Baumwollgenossenschaft Chetna Organic von Fairtrade zertifziert. Das bedeutet: höhere Preise für die Bauern, Verbot von genmanipuliertem Saatgut und die Umstellung vom herkömmlichen Anbau auf Bio-Landwirtschaft. Der konventionelle Anbau von Baumwolle benötigt mehr Pestizide als bei jeder anderen Pflanze: Zehn Prozent aller weltweit eingesetzten Pestizide werden dafür verwendet. Die Hälfte aller Pestizide in Indien werden auf den Baumwollfeldern benötigt, obwohl diese insgesamt nur fünf Prozent der Anbauflächen ausmachen.

Großkonzerne profitieren

Diesen Umstand machen sich Konzerne zunutze, um Farmern die Chemikalien teuer zu verkaufen. Ein Viertel ihres Gewinns müssen die Bauern zudem in gentechnisch verändertes Saatgut investieren, von dem sie sich höhere Gewinne und kurzfristige Resistenz gegen Schädlinge versprechen - ein Markt, den der US-Riese Monsanto kontrolliert. Fallen die Weltpreise für Baumwolle, oder ist die Ernte schlecht, können die Bauern nicht mehr in die nächste Aufzucht investieren. Die Folge: Seit 1996 nahmen sich mehr als 260.000 indische Farmer das Leben, weil sie in der Schuldenfalle gefangen waren und keinen Ausweg daraus mehr sahen.

Hier setzt Fairtrade mit seinem Mindestpreis an: Wenn der Weltmarktpreis über diesen Mindestpreis steigt, erhalten die Kooperativen den höheren Marktpreis. Liegt der Weltmarktpreis unter dem Mindestpreis, muss dieser trotzdem vom Händler an die Produzentengruppe ausbezahlt werden. Zudem erhalten die Genossenschaften eine Fairtrade-Prämie für soziale Projekte oder Bildung, derzeit fünf Eurocent pro Kilo.

Die Farmer der Kalahandi-Region finanzierten mit dieser Prämie eine Linsen- und Reismühle sowie Baumschulen. Kalahandi ist eine von vielen Regionen Indiens, die vom Baumwollanbau leben. Indien ist nach China der größte Baumwollproduzent und liegt beim Anbau von Bio-Baumwolle an erster Stelle. Der organische Baumwollanbau verbietet nicht nur die Verwendung von giftigen Chemikalien und von genmanipuliertem Saatgut. Er erfolgt ohne künstliche Bewässerung, also nur mit verbesserten Methoden der Regenwassernutzung. Die Vorteile: gesunde Umwelt und biologische Diversität, die längere Fruchtbarkeit des Bodens garantieren, und gesündere Arbeitsbedingungen für Pflückerinnen und Bauern.

Haarsträubende Zustände

Savar, Bangladesch: Im April 2013 starben 1138 Menschen, als eine baufällige Textilfabrik einstürzte. Wenige Monate zuvor waren beim Brand einer Fabrik in Tazreen, ebenfalls in Bangladesch, 112 Menschen ums Leben gekommen. Textilmarken wie Kik, C&A, Mango oder Benetton ließen in diesen Fabriken produzieren. "Fairtrade arbeitet eng mit der International Labour Organisation zusammen, um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. "Es muss Ziel der Gewerkschaften sein, einen Kollektivvertrag für Arbeiter in der Textilbranche zu verhandeln.“

Kleidung, die wir in Europa kaufen, wird zum Großteil in Asien, Lateinamerika und Afrika unter teils haarsträubenden Bedingungen produziert. Von der Herstellung in Billiglohnländern profitieren Textilkonzerne durch extrem niedrige Herstellungs- und Lohnkosten - das gilt für Billigmarken ebenso wie für Designerklamotten. "Hier sind die großen Modemarken gefragt“, ergänzt Kirner. "Ihre Aufgabe ist es, mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten, um Verbesserungen zu erreichen.“ Wegen schlechter Bezahlung ist es den Arbeiterinnen - 90 Prozent der Arbeitskräfte in der Bekleidungsindustrie sind Frauen - trotz Überstunden nicht möglich, ihre Familien ausreichend zu versorgen.

Produktion in Osteuropa

Eine aktuelle Studie der Clean-Clothes-Kampagne ergab, dass es in der Bekleidungsindustrie in Osteuropa und der Türkei nicht viel anders aussieht: Auch dort werden Näherinnen mit Löhnen abgefertigt, die unterhalb der Armutsgrenze liegen. Firmen wie Hugo Boss, Adidas, Zara, H&M oder Benetton lassen ihre Kleidung in Osteuropa fertigen. "Made in Europe ist keine Garantie für menschenwürdige Arbeitsbedingungen“, stellt Michalea Königshofer, Koordinatorin der österreichischen Clean-Clothes-Kampagne, fest. Auch österreichische Textilunternehmen lassen zu 80 Prozent in Osteuropa fertigen, weiß Eva-Maria Strasser vom Fachverband Textilindustrie, Berufsgruppe Bekleidung. "Nur einige wenige - etwa Triumph, Tostmann oder JMB Fashion - stellen ihre Ware in Österreich her.“

Fairtrade-Mode für Textilketten

Zurück zu Fairtrade: Um Baumwollbauern den Verkauf ihrer Ware zu erleichtern, hat Fairtrade das System der Rückverfolgbarkeit umgestellt. "Es wird jetzt, ähnlich wie beim Ökostrom, mit der Mengenbilanz gearbeitet“, erklärt Hartwig Kirner. Das bedeutet, dass die Menge an Baumwollfaser, die für ein Fairtrade-zertifiziertes Kleidungsstück benötigt wird, von einer Kooperative gekauft wird, aber nicht zwangsläufig in eben diesem Kleidungsstück verwendet wird. Das ist auch ein Zugeständnis an große Textilketten, da die Rückverfolgbarkeit bei Baumwolle durch die vielen Zwischenschritte in der Verarbeitung komplex und nicht gerade billig ist. "Ziel ist es, den Textilriesen zu ermöglichen, ohne Probleme größere Mengen an Fairtrade-Baumwolle einzukaufen“, sagt Kirner.

Auch andere Fairtrade-Produkte wie Kaffee, Tee, Bananen oder Rosen garantieren menschenwürdige Arbeitsbedingungen und überwiegend Bio-Anbau. "Neu bei den Fairtrade-Standards sind die sogenannten Living Wages für Bananen- oder Tee-Plantagen“, sagt Kirner. Es sollen Löhne ausgezahlt werden, von denen die Menschen auch leben können - was bei den staatlichen Mindestlöhnen oft nicht der Fall ist.

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