Ex-Voest-Chef Struzl und Ex-Staatssekretär Finz sollen bei der A-Tec Sanierung helfen

Ex-Voest-Chef Franz Struzl und der frühere Staatssekretär Alfred Finz sollen als neue A-Tec-Aufseher die Sanierung des Unternehmens begleiten und auch einen Investor finden. Leicht wird das nicht.

Sie kamen zu dritt und blieben fast einen ganzen Tag: A-Tec-Boss Mirko Kovats führte seine zwei neuen Berater Franz Struzl und Alfred Finz in der Vorwoche durch das Kupferwerk in Brixlegg. Die beiden Herren, die sich da mit Kovats umschauten, sind in Wirtschaft und Politik keine Unbekannten: Franz Struzl war zwischen 2001 und 2004 Vorstandschef der voestalpine und wechselte nach dem Vorwurf des Insiderhandels zu Böhler-Uddeholm nach Brasilien. Alfred Finz war in der Ära Wolfgang Schüssel ÖVP-Finanzstaatssekretär, Parteiobmann der ÖVP Wien sowie Sektionschef und Präsidialvorstand des Rechnungshofs.

Am 11. Februar werden Struzl und Finz im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung in den Aufsichtsrat der in die Insolvenz geschlitterten A-Tec-Gruppe gewählt. „Wir haben sie geholt, weil sie für das Unternehmen die beste Wahl sind. In dieser heiklen Phase sind sie von großem Nutzen“, sagt A-Tec-Aufsichtsratschef Freimut Dobretsberger. Struzl und Finz beraten Mirko Kovats und seinen Vize Christian Schmidt schon seit Anfang Jänner. Als neue Aufsichtsräte sollen sie zu Garanten für die Erbringung der versprochenen Quote für die Gläubiger werden und auch bei der Investorensuche helfen. Für die A-Tec sind sie das neue A-Team, ist Dobretsberger überzeugt.

Was beim unternehmerisch erfahrenen Franz Struzl noch nachvollziehbar ist. Beim stets farblos erscheinenden Alfred Finz hingegen weniger.

Die Zeit wird knapp

Will die A-Tec überleben, muss dringend ein Investor her. „Es kann auch ein Konsortium sein“, sagt Dobretsberger, ehemals Chef der Postsparkasse (PSK). Doch noch ist kein einziger Interessent in Sicht. Bei der A-Tec gibt man sich – notgedrungen – zuversichtlich: Die Weihnachtsferien haben ja lange gedauert, heißt es, und in China, der Heimat potenzieller Investoren, habe das neue Jahr gerade erst begonnen.

Doch viel Zeit bleibt nicht. Bis Ende Juni muss Insolvenzverwalter Matthias Schmid, der bei der außerordentlichen Hauptversammlung zum Treuhänder des verbliebenen A-Tec-Vermögens gewählt wird, einen – oder mehrere – Käufer präsentieren. Bis 30. September muss die 47-Prozent-Quote an die Gläubiger ausbezahlt werden, der Kapitalbedarf wird auf 250 bis 300 Millionen Euro geschätzt. So sich kein Investor findet, wird mit der Verwertung der Assets begonnen, der Erlös aus deren Verkauf muss dann binnen zwei Jahren ausbezahlt werden. Scheitert auch dieses Szenario, wird die A-Tec liquidiert, und die Gläubiger werden sich mit bedeutend weniger als den angepeilten 47 Prozent zufrieden geben müssen.

Nach der Veräußerung der A-Tec-Anlagenbautochter AE&E – der Österreich-Teil ging an Andritz – zählt die Gruppe noch 6.500 Beschäftigte, davor waren es 11.500. Geblieben sind der Werkzeugmaschinenbauer Emco, die Montanwerke Brixlegg und der Motorenbauer ATB.

Struzl soll sanieren

Kovats will seine neuen Aufseher in den nächsten Wochen gleich durch mehrere Werke führen, was vor allem Struzl ein Anliegen ist. Der 68-jährige Manager soll bei der Sanierung eine zentrale Rolle spielen, von seiner Erfahrung dürfte vor allem die ATB profitieren. Deren Töchter sind, so erzählt ein ehemaliger ATB-Manager, ein Sammelsurium an maroden Firmen, die verkauft oder aufgelassen werden müssen. Die größten Töchter sind ATB Sever (Serbien), ATB Tamel (Polen) und ATB Dalian (China). Sie alle performen schwach, Struzl soll sich der Sache annehmen. „Ich bin erst vor kurzem aus Brasilien zurückgekommen und setze mich gerade mit dem Firmengeflecht auseinander“, sagt er. Kollege Finz wird das Zahlenwerk prüfen. „Früher war ich nur auf der makroökonomischen Seite tätig, jetzt auf der mikroökonomischen. Das ist für mich eine besondere Herausforderung“, meint Finz. Profitieren will man laut Aufsichtsratschef Dobretsberger auch von Finz’ weit verzweigten Kontakten in die Politik.

Der Sanierungsplan für die A-Tec wird unter Verschluss gehalten. Laut FORMAT-Recherchen ist darin vor allem eine Neuausrichtung der ATB vorgesehen. So werden künftig verstärkt kleine Elektromotoren hergestellt, zum Beispiel für Haushaltsgeräte wie Staubsauger. Die Produktion von Industriemotoren soll auf ein Minimum reduziert werden. Damit will das Unternehmen auf die immer stärker werdende Konkurrenz aus Asien reagieren, die den Weltmarkt mit billigen Großmotoren überschwemmt.

Gut laufen die Geschäfte in Brixlegg, wo wegen der gestiegenen Kupfernachfrage ein Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro für das abgelaufene Jahr erwartet wird. Neue Aufträge vermeldet auch Emco, einzig die Italien-Tochter Mecof bleibt ein Sorgenkind.

Neuer Ärger kommt aus China: Der Masseverwalter einer früheren chinesischen Beteiligung klagt eine Tochtergesellschaft der ATB auf 15 Millionen Euro. Sollte die Forderung anerkannt werden, könnte das die ohnehin gezeichnete Gesellschaft in zusätzliche Nöte bringen.

Unruhe in den Konzern bringen auch Verkäufe von Beteiligungen, weil sie den Gesamtwert der Gruppe schmälern und die A-Tec für Kaufinteressenten dadurch an Attraktivität verliert. So wurde neben einer indischen Tochter der AE&E auch die Emco-Schwester Dörries Scharmann um siebzig Millionen Euro in die Schweiz verkauft. „Es sind aber keine weiteren Veräußerungen geplant“, sagt Dobretsberger, der vor allem die Veräußerung von Dörries Scharmann bedauert. Der verbliebene Wert von Emco und Brixlegg wird auf 150 Millionen Euro geschätzt.

Mirko Kovats bleibt Firmenboss

Allen Unkenrufen zum Trotz will Kovats, seit Bekanntgabe der Insolvenz für Medien nicht zu sprechen, an der Spitze des Unternehmens bleiben. „Er ist mit der Investorensuche beschäftigt, und man darf auch nicht vergessen, dass es noch ein Tagesgeschäft gibt“, verteidigt Dobretsberger den umstrittenen Firmenchef.

Kritisiert wurde Kovats zuletzt, weil er sich kurz vor der Bekanntgabe der A-Tec-Pleite als Begünstigter aus seinen Stiftungen streichen ließ. Sein Verbleib kommt überraschend, zumal er vorhatte, zurückzutreten. Noch vor einem Monat hatte sich vor allem Gläubigersprecher Hans-Georg Kantner für einen Rücktritt ausgesprochen, weil Kovats die A-Tec „sehr spekulativ“ geführt habe. Doch jetzt bleibt Kovats, bis sich ein Käufer findet.

Rückendeckung erhofft sich der Firmenboss aus dem Aufsichtsrat. Mit der Ernennung von Struzl und Finz wird die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder von sechs auf sieben erhöht. Aufseher Klaus Requat hat sein Amt niedergelegt, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden: Requat ist Chef einer M&A-Firma, die den einen oder anderen Auftrag von der A-Tec erhalten könnte.

Je 200.000 Euro für Kuratoren

An der Insolvenz der börsennotierten A-Tec Industries werden einige gut verdienen. Die drei im Rahmen der Insolvenz bestellten Kuratoren Georg Freimüller, Ulla Reisch und Susi Pariasek dürfen sich über 194.000, 192.900 bzw. 191.700 Euro Honorar freuen. In der schriftlichen Begründung heißt es: „ Die zugesprochenen Teilentlohnungen der Kuratoren sind jedenfalls angemessen, weil es sich in der vorliegenden Kuratelsache um eine rechtlich und wirtschaftlich außergewöhnlich komplexe Rechtssache handelt (…)

Aufsichtsratschef Dobretsberger betont, dass die Vergütung der A-Tec-Kontrolleure im unteren Drittel liegt. „Für uns gibt es 20.000 Euro brutto im Jahr.“ Mehr Geld soll es auch für Franz Struzl und Alfred Finz nicht geben.

– Silvia Jelincic

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