Ex-Telekom-Manager Schieszler wird Kronzeuge bei Aktienboni-Affäre

Ein Ex-Vorstand der Telekom hat in der Aktienaffäre beim Staatsanwalt ausgepackt. Nun ermittelt die Justiz gegen frühere Manager. Boni müssen wohl zurückgezahlt werden.

Einer muss der Erste sein, mag er sich gedacht haben. Ex-Telekom-Vorstand Gernot Schieszler nützt die neue Kronzeugenregelung in der Justiz – und legt nach und nach alle Details des Skandals um die Telekom-Aktienoptionen offen. Aus informierten Kreisen verlautet gar: „Schieszler sprudelt wie ein Wasserfall.“ Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass mit dem ehemaligen TA-Manager über eine Kronzeugenregelung verhandelt wird. Damit hätten die mutmaßlichen Kursmanipulationen, die der Telekom-Führungsriege Aktienboni von über neun Millionen Euro einbrachten, für Schieszler keine allzu ernsten Konsequenzen. Er könnte sogar straffrei ausgehen.

Wahrscheinlichste Variante: Er wird zu einer sogenannten Diversion vergattert, sprich: zu einer Geldzahlung oder gemeinnütziger Arbeit. Einziges Risiko für Schieszler: Die Bewilligung, als Kronzeuge zu agieren, wird erst in einem späten Stadium des Verfahrens erteilt, dann nämlich, wenn sich herausstellt, dass der Betroffene die Wahrheit gesagt und der Justiz dadurch geholfen hat.

Während der frühere Finanzvorstand im Festnetzbereich also die Flucht nach vorne angetreten hat, wird es für andere ehemalige Topmanager der Telekom jetzt so richtig eng: für den früheren Festnetz-Boss Rudolf Fischer, einst enger Vertrauter Schieszlers, für Heinz Sundt und Stefano Colombo, zum Zeitpunkt der Malversationen 2004 CEO und Finanzvorstand der Telekom-Holding. Denn während sich bisher nur die Indizien häuften, dass im Februar 2004 nachgeholfen wurde, um den Kurs der Telekom-Aktie über die für die Bonusauszahlung ausschlaggebende Marke zu pushen, gibt es nach dem Auspacken Schieszlers eigentlich kein Entrinnen mehr.

Die Staatsanwaltschaft führt laut FORMAT vorliegenden Informationen neben Schieszler in der Stock-Options-Causa nunmehr folgende Personen als Beschuldigte: den mittlerweile pensionierten Telekom-General Sundt, weiters Fischer und Stefano Colombo sowie den Investmentbanker Johann Wanovits, der als Käufer von TA-Aktien den Kurs trieb, und den skandalumwitterten PR-Unternehmer Peter Hochegger, über den das Geschäft mit Wanovits lief. Auch Sundt-Nachfolger Boris Nemsic wird als Beschuldigter geführt, wenngleich bei ihm die Verdachtslage strittig ist. Der amtierende Telekom-Vorstandschef Hannes Ametsreiter ist nicht auf der Liste. Es gibt derzeit keine Vorwürfe gegen ihn. Die Unschuldsvermutung gilt für alle anderen auch.

Spannende Einvernahmen

Noch wurden nicht alle Beschuldigten von den Ermittlern einvernommen. Ausgesagt hat bereits Rudolf Fischer. Entgegen der bislang medial verbreiteten Version gibt er an, von den Überlegungen zur Kursmanipulation durchaus gewusst zu haben. Und zwar nicht erst danach, sondern bereits in der Vorbereitungsphase. Fischer belastet sich selbst, gibt als Mitverantwortliche aber auch Sundt und Colombo an. Der vorgeworfene Tatbestand ist Untreue. Aufgrund der hohen Schadenssumme könnten den Betroffenen bis zu zehn Jahre Haft drohen. Die Ermittler konzentrieren sich nach ihren Verhören mit Schieszler jetzt auf die genaue Teilnehmerrunde an einer klandestinen Besprechung, wo die Kursmanipulation ausgearbeitet worden sein soll. Zahlreiche Zeugenaussagen werden eingeholt: Immerhin ist der Kreis der Nutznießer hoch – er umfasst rund 100 Personen aus der Telekom.

Unterdessen forderte die Affäre bereits ein erstes Opfer in der Telekom. Letzte Woche wurde der Wholesale-Manager Josef T. fristlos entlassen. Dieser stellte den Kontakt zu Johann Wanovits her, jenem Banker der Euro Invest, der die Kursbewegung nach oben mit einem Millionen-Investment steuerte. Der in Blitzgeschwindigkeit entlassene T. verbrachte letzten Dienstag verzweifelt in seinem Haus im Burgenland, unweit des Domizils von Wanovits, und wurde von der Justiz als wichtiger Zeuge für die Vorwürfe einvernommen.

Für die Firmenleitung rund um Hannes Ametsreiter – immerhin profitierte auch er vom Bonusprogramm – geht es jetzt um viel. Sie muss das Image des Unternehmens und das eigene Ansehen retten.

Um den guten Willen zu beweisen, wurde am Montag der Staatsanwaltschaft ein Revisionsbericht mit 400 Seiten übergeben. Dort geht es zwar nicht um die Aktien-Optionen, aber um andere verdächtige Malversationen. Die drei Ordner beinhalten konkret 16 Tatbestände, wo von Peter Hocheggers Beratungsfirma Valora Rechnungen an Fischer bzw. Schieszler gelegt wurden, zu denen die exakten Leistungen fehlen. Die Behörde soll nun auch untersuchen, ob womöglich Kickbacks geflossen sind.

In einer separaten Sachverhaltsdarstellung hat die Telekom mögliche Betrugsfälle in ihrem Immobilienbereich zusammengefasst.

Causa beschäftigt die ÖIAG

Während der strafrechtliche Ausgang der Aktienaffäre noch offen ist, ist eine andere Konsequenz so gut wie sicher: Die Telekom-Manager werden die neun Millionen Euro Boni zurückzahlen müssen. Das könnte sogar schon im Telekom-Aufsichtsrat am 16. August beschlossen werden. Der seit Juli bestellte ÖIAG-Chef Markus Beyrer lässt bereits zwei rechtliche Gutachten dazu ausarbeiten. Was die Sache erleichtert: ÖIAG-Chef Peter Michaelis hat vorausschauend die Auszahlung der millionenteuren Boni im Jahr 2004 an die Bedingung geknüpft, dass keine Rechtswidrigkeiten aufgedeckt werden. Michaelis hatte offenbar schon damals ein mulmiges Gefühl und ließ auf Empfehlung eines Gutachters das Geld nur unter Vorbehalt auszahlen. Dies wurde allen Vorständen brieflich mitgeteilt. Die mussten wiederum alle Mitarbeiter, die vom Stock-Options-Programm profitierten, ebenfalls über den Vorbehalt informieren.

Die Politik hat unterdessen die Causa bereits für Stimmungsmache entdeckt. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter ortet spektakuläre Fortschritte in der Korruptionsaufklärung und verspricht sich weitere Maßnahmen in den Causen Buwog, Grasser und Immofinanz. Die Grün-Abgeordnete Gabriele Moser fordert, dass die Telekom-Kassierer ihre Boni bis zur endgültigen Klärung auf einem Treuhandkonto parken. Hannes Ametsreiter geht sogar schon einen Schritt weiter: Er hat die freiwillige Rückzahlung der ihm 2004 zugeteilten 92.000 Euro Gewinn aus dem Stock-Options-Programm mit dem Aufsichtsrat der Telekom Austria – nach gerichtlicher Verifizierung des Sachverhaltes – vereinbart.

Auch Kronzeuge Schieszler wird einen fünfstelligen Betrag zurückführen müssen – und hoffen, dass er wenigstens straffrei bleibt.

– Florian Horcicka, Angelika Kramer

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