Ex-ÖOC General Jungwirth unter Verdacht:
Geheime Konten, dubiose Transaktionen

Die interne OÖC-Prüfung ist abgeschlossen. Der Verbleib von drei Millionen Euro wird jetzt die Staatsanwaltschaft beschäftigen.

Am 30. April ließ Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), drei Berichte an die Staatsanwaltschaft übermitteln. Eigentlich sind es drei Teile eines großen Berichts: nackte Zahlenbelege, die Wirtschaftsprüfer Walter Knirsch klassifiziert hat, dazu eine rechtliche Beurteilung des Experten Franz Marhold und die von der Kanzlei BDO durchgeführte Steuerprüfung.
Am 8. Mai präsentierte Stoss dem Präsidium und dem Vorstand des ÖOC eine um juristische Details bereinigte Fassung über die Machenschaften des früheren ÖOC-Generalsekretärs Heinz Jungwirth (Bild links). Der hat das olympische Motto „Dabei sein ist alles“ etwas frei interpretiert und war vor allem beim Kassieren gerne dabei.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt: Verdacht auf Untreue

Justiz ist am Drücker. Für Stoss ist die interne Aufarbeitung der Affäre jetzt abgeschlossen. Alles Weitere ist Aufgabe der Salzburger Staatsanwaltschaft, die gegen Jungwirth wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Die Justiz wird die von den Gutachtern erhobenen Vorwürfe weiter untersuchen. Ob und wann es zur Anklage kommt, steht noch nicht fest.

Die Hoffnung von Karl Stoss, dass innerhalb des ÖOC mit der Übergabe des Materials nun Ruhe einkehrt, wird sich aber so schnell nicht erfüllen – zumal die Causa auch eine politische Dimension hat (siehe Interview mit Sportminister Darabos). Die Malversationen haben eine Dimension, die weiter für hitzige Diskussio­nen sorgen wird, wie so etwas unter den Augen von Stoss-Vorgänger Leo Wallner passieren konnte.

Im Zentrum der Affäre stehen ein Geheimkonto des ÖOC, auf dem sich 3,2 Millionen Euro befanden, ein geheimes Sparbuch mit einem Guthaben von zwei Millionen, das als Puffer zur ÖOC-Buchhaltung diente, sowie ein Privatkonto von Heinz Jungwirth bei der UniCredit, das die Prüfer entdeckten. Es stellte sich her­aus, dass offizielle Ausschüttungen des IOC an Österreich nicht offiziell, sondern auf dem Schwarzkonto verbucht wurden.

Wo ist das Geld?

Drei Millionen abgezweigt? In einem Zwischenbericht war von 6,25 Millionen Euro an dubiosen Geldflüssen die Rede, später wurden weitere Transaktionen durchleuchtet: in Summe ein Volumen von rund neun Millionen Euro. Übrig geblieben sind nach der Untersuchung drei Millionen Euro, deren Verwendung im ÖOC mit dem Etikett „kriminelle Energie“ versehen wird – deren Verbleib also mehr als zweifelhaft ist.

Bei 2,3 Millionen davon ist noch nicht restlos geklärt, wohin sie geflossen sind. Es handelt sich um diverse Barabhebungen und Auszahlungen an verschiedene Personen, unter anderem an einige Autohändler. Hingegen können laut Gutachten 700.000 Euro eindeutig Jungwirth, für den die Unschuldsvermutung gilt, zugeordnet werden. 300.000 Euro betreffen direkt an ihn getätigte Barauszahlungen – also Auszahlungen an den Privatmann Jungwirth, die der Funktionär Jungwirth veranlasste.

Luxus-Urlaube, High End Hi-Fi und teuere Dienst-Autos

Auf 150.000 Euro belaufen sich auf Jungwirth ausgestellte Rechnungen, die vom ÖOC bezahlt wurden: etwa für Luxusurlaube mit Familie auf Mallorca und Ibiza, für Reparaturarbeiten an seinem privaten Domizil samt Pferdestall oder für Ausstattungen wie zum Beispiel ein Schwimmbad, einen Schlagbohrer oder Tuning-Sets für den privaten Fuhrpark von Jungwirth.

Weitere 250.000 Euro tauchen auf Rechnungen auf, die auf das ÖOC ausgestellt wurden, aber Heinz Jungwirth zu­ordenbar sind. Darunter finden sich nützliche Dinge wie ein Rasenmähertraktor und Spenden für den Reitverein und für die Freiwillige Feuerwehr seines Wohnortes Mittergraben.

Auch für das Olympische Comité selbst war dem korpulenten Exgeneralsekretär nichts zu teuer. In dem Bericht wird ein VW-Bus erwähnt, der für das ÖOC an­geschafft wurde, ohne dass geklärt werden konnte, wofür das luxuriöse Gefährt diente. Kostenpunkt samt vielen Extras wie Ledersitzen oder Hi-Fi-Anlage vom Feinsten: 58.000 Euro.

Auto-Fetischist. Auffälligkeiten rund um Autos tauchen im Umfeld von Jungwirth immer wieder auf. So sagte der interimistische Generalsekretär Matthias Bogner aus, dass der bis 2009 – zuerst im Bundeskanzleramt, dann bei Minister Norbert Darabos – für Sport zuständige Sektionschef, Robert Pelousek, einen Audi A8 auf ÖOC-Kosten gefahren habe. Dafür wurden allerdings keine Belege gefunden. Sehr wohl fündig wurden die Prüfer in einem anderen Fall: Dem Institut des Sportmediziners Hans Holdhaus, seit 1984 als wissenschaftlicher Koordinator des ÖOC tätig, stellte Jungwirth einen Audi für 50.000 Euro zur Verfügung, den Holdhaus nach nur einem Jahr für wohlfeile 28.000 Euro privat erwerben konnte.

Holdhaus taucht auch in einem anderen Zusammenhang auf. Er war zu 48 Prozent am Kitzbüheler Reisebüro T.F. Reisen GmbH beteiligt, das bis 2005 quasi der Generalveranstalter für das ÖOC war. Und das lief häufig auch so: T.F. Reisen stellte eine Rechnung an das ÖOC aus, die danach wieder storniert wurde, aber dennoch Eingang in Jungwirths Buchhaltung fand – und so den Aufbau von Schwarzgeld-Töpfen ermöglichte. Dem „Kurier“ sagte Holdhaus, er habe den Großteil seiner Anteile an T.F. Reisen lediglich treuhänderisch gehalten. Indizien nähren den Verdacht, dass Jungwirth selbst dahinterstand, was jedoch nicht bewiesen ist. Eine Angelegenheit für die ermittelnde Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat.

ÖOC-Boss Stoss räumt auf

Auch Mitarbeiter müssen zittern. Neben Jungwirth müssen auch andere ehemalige Olympia-Funktionäre zittern. Vor allem wird die einstige Stellvertreterin des Generalsekretärs zumindest der Mitwisserschaft verdächtigt, aber auch der frühere Kassier des ÖOC, der Anwalt Gottfried Forsthuber. Dieser hat zusätzlich Erklärungsbedarf, weil er im Zusammenhang mit dem Ankauf des ÖOC-Gebäudes in Oberwaltersdorf (NÖ) 12.500 Euro eingestreift hat. Aber wofür? Errichtet hat den Vertrag die Kanzlei des Badener Anwalts Rudolf Fries. Und sollte Forsthuber als Funktionär eine Maklerprovision kassiert haben, wäre auch das unsauber.

Für ÖOC-Boss Karl Stoss heißt es nun warten. Die Gutachter Marhold und Knirsch werden empfehlen, dass sich das Österreichische Olympische Comité einem allfälligen Strafverfahren als Privatbeteiligter anschließt, um Schadenersatz von Jung­wirth & Co einzuklagen.

– A. Kramer, A. Lampl, A. Weber

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