Ex-Bawag-Chef Elsner will beweisen, dass Flöttl die Bank-Millionen gar nicht verzockte

Helmut Elsner will beweisen, dass Spekulant Flöttl seine Millionenverluste auf Rechnung der Bawag getürkt hat, und will die Staatsanwaltschaft zu einer Wiederaufnahme des Monsterverfahrens bewegen.

Die Welten könnten verschiedener nicht sein. Im novembergrauen Wien durchforstet Ex-Bawag-General Helmut Elsner, erst seit wenigen Monaten wieder in Freiheit, penibel die Akten des größten Wirtschaftsprozesses der Zweiten Republik. Jenseits des Atlantiks genießt der einstige Investmentbanker-Shootingstar Wolfgang Flöttl unbehelligt die Freuden des Societylebens zwischen New York und Palm Beach. Doch Elsner arbeitet mit Hochdruck daran, dass Flöttl aus seinem beschwingten Lebenswandel gerissen wird – und meint, jetzt auch handfeste Trümpfe gegen den früheren Geschäftspartner in der Hand zu halten. Ein brutales Fernduell der Bawag-Veteranen.

Schwere Vorwürfe

Angelpunkt der Elsner-Attacken ist der von Millionenzocker Flöttl behauptete zweifache Totalverlust der ihm überantworteten Bawag-Gelder. Zwischen 1995 und Oktober 1998 veranlagte die einstige Gewerkschaftsbank Bawag unter Generaldirektor Elsner rund 639 Millionen Dollar in vier sogenannten Arbitrage-Gesellschaften. Als Broker dieser Investments fungierte der damals in den USA hoch gelobte Banker Flöttl, der Sohn von Elsners Vorgänger.

Im 117 Tage dauernden Prozess gab Flöttl an, das gesamte Kapital riskant veranlagt und verspekuliert zu haben. Doch Elsner ist überzeugt, dass diese Darstellung unrichtig ist und durch das Vorlegen falscher Urkunden sowie durch Falschaussagen belegt wurde. Er glaubt, dass die Bank – und damit auch er selbst – schlicht betrogen wurde. Laut Elsner gehen aus den Brokerkonten der Flöttl-Firma Ross Global Markets für den Oktober 1998 Zinsgutschriften von 1,4 Millionen Dollar hervor, woraus sich ein Kontoguthaben von über 600 Millionen Dollar berechnen lässt.

Auch die Verlustdarstellung hinsichtlich der zweiten Periode von Investments in sogenannte Uni-Bonds im Jahr 2000 vor dem Bundeskriminalamt am 21. Juli 2006 und in der Bawag-Hauptverhandlung behauptete Flöttl, dass „der Verlust in wenigen Tagen eingetreten“ sei, er am 15. November 2000 nach Wien geflogen und „bis zum 20. November der Total verlust eingetreten“ sei. Aus den Kontoauszügen von Ross Capital Markets ist allerdings ein Millionenvermögen ersichtlich – und zwar noch Ende November 2000. Bei der Deutschen Bank betrug der Kontostand am 31. November satte 62,9 Millionen Dollar; und bei Lehman Brothers lag das Gut haben bei 44,2 Millionen Dollar. Alle Brokerkonten zusammen weisen einen Stand von über 150 Millionen Dollar auf.

Der Frontalangriff

Daraus folgert Elsner, dass von einem Totalverlust keine Rede sein könne. Und er schließt weiters daraus, dass seine Verurteilung nur durch falsche Beweisaussagen und falsche Urkunden, die Flöttl eingebracht habe, herbeigeführt wurde. Wenn Elsner das wirklich beweisen kann, dann wird es für Flöttl, für den die Unschuldsvermutung gilt, noch wirklich eng.

Die Anwälte des früheren Bawag-Chefs haben Sachverhaltsdarstellungen bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht. Das Ziel ist klar: Laut Strafprozessordnung ist die Staatsanwaltschaft verpflichtet, einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zugunsten des Angeklagten oder Verurteilten zu stellen, wenn sie Kenntnis von wesentlichen neuen Umständen erlangt. Elsner wird seine Anwälte zudem mit einer Anzeige gegen Flöttl beauftragen.

Relativiert werden die Anstrengungen Elsners allerdings von einem mit der Sache bestens vertrauten Justizinsider. Das Neuaufnahme-Prozedere funktioniere demnach nur bei neuen Beweismitteln, nicht aber bei Prozessakten und im Verfahren bereits vorgelegten Unterlagen. Letztlich entscheidet die Justiz, wobei die Zahl derer, die in der Sache unbefangen agieren, immer kleiner wird. Elsner fordert jedenfalls, der zuständigen Staatsanwältin Sonja Herbst sowie seinem Haftrichter Christian Böhm die Causa zu entziehen.

Flöttls trockener Konter

Flöttls Anwalt Herbert Eichenseder sieht die Angriffe betont gelassen: „Das ist alles nichts Neues. Die Sache wurde bereits im Verfahren ausverhandelt, und es gibt bezüglich der Totalverluste zudem höchst umfangreiche Gutachten. Wir sind nicht beunruhigt. Bislang gab es auch noch keine Anzeigen gegen meinen Mandanten.“ Aber die sollen noch kommen.

Erhärtet sich Elsners Verdacht der manipulierten Totalverluste, stellt sich noch eine höchst brisante Frage: Wo ist das Geld? Flöttl müsste dann nämlich auf einem Hunderte Millionen schweren Vermögen sitzen. Auffällig ist jedenfalls, dass Flöttl einen höchst luxuriösen Lebenswandel führt, obwohl er beim Prozess behauptete, „arm wie eine Kirchenmaus“ zu sein. Die Strafakten der Mega-Causa Bawag werden jedenfalls von der Justiz weiter eifrig durchforstet, wie sich jüngst bei einem Zivilprozess zeigte. Die Aktenumschläge sind bereits stark zerfleddert, wie festgestellt wurde, und weisen deutliche Gebrauchsspuren auf.

– Florian Horcicka

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff