Ex-Bank-Austria-Vorstand Hemetsberger: „Spätestens 2012 ist Griechenland pleite“

Starbanker Willi Hemetsberger, Chef von Ithuba, und der Ithuba-Chefanalyst Martin Blum über die griechische Todesspirale und das Ende des Euro.

Format: Kann Griechenland noch gerettet werden?
Hemetsberger: Auch wenn jetzt 45 Milliarden fließen, reicht das Geld nur für ein Jahr. Und es wird kaum weitere Unterstützungspakete von EU und IWF geben. Dann ist Griechenland in zwei bis drei Jahren pleite. Die Schuldner müssen entweder hinnehmen, dass der Nominalwert der Anleihen zum Beispiel um 40 Prozent gekürzt wird, oder die Zinskupons werden deutlich reduziert. Anders wird es nicht gehen.

Format: Selbst radikale Sparprogramme der Athener Regierung könnten den Prozess nicht aufhalten?
Hemetsberger: Griechenland müsste derart viel sparen, dass die Wirtschaftsleistung einbricht und damit auch die künftigen Steuereinnahmen weiter sinken. Das ist eine Todesspirale, die nicht mehr zu stoppen ist.

Format: Wenn die Pleite ohnehin kommt, warum sollen dann Österreich und die anderen Staaten jetzt überhaupt noch Budgetmittel überweisen? Nur um die Banken und andere Anleihengläubiger heraus­zupauken, deren Papiere bald auslaufen?
Hemetsberger: Natürlich würden einige Banken und Versicherungen profitieren. Aber wenn man jetzt Griechenland Zeit gibt, einen geordneten Schulden­erlass durchzuführen, ist das letztlich immer noch günstiger als eine neue chaotische Pleite wie damals bei Lehman. Dann verlieren nicht nur die Gläubiger Griechenlands, sondern auch die Portugals und Spaniens viel mehr.

Format: Wenn Griechenland fällt, wer kommt dann als Nächstes an die Reihe?
Blum: Wir haben die notwendigen Ein­sparungen der einzelnen Staaten bis zum Jahr 2030 analysiert und daraus einen eigenen Ithuba-Risikoindex entwickelt. Nach Griechenland ist Japan am meisten gefährdet. Von den Eurostaaten sind Portugal und Spanien am schlimmsten dran. Spanien hat zwar noch ein relativ niedri­ges Budgetdefizit, aber die Sparkassen sind extrem durch faule Immobilienkredi­te belastet. Portugal und Spanien haben aber noch die Möglichkeit, das Ruder durch Einsparungen herumzureißen.
Hemetsberger: Die Schuldenkrise der Eurostaaten wird sechs bis sieben Jahre dauern, es gibt keine schnelle Lösung. Ich fürchte, es wird in Europa zu sozia­len Unruhen kommen.

Format: Wie steht es um Österreich?
Hemetsberger: Wenn wir die Schuldendynamik nicht rechtzeitig stoppen, bekommt auch Österreich gröbere Probleme. Aber die nötigen Einsparungen sind zu schaffen.

Format: Wäre es sinnvoll, dass Griechenland aus dem Euro ausschert und wieder die Drachme einführt?
Hemetsberger: Das wäre für Griechenland angesichts der dann über 300 Milliarden Schulden im Euro erst recht eine Katastrophe. Der Wechselkurs der Drachme würde sofort ins Bodenlose stürzen, die Zinsen explodieren, der reale Schuldenberg immer höher. Nein, ich rechne in einem solchen Katastrophenfall stattdessen damit, dass die starken Mitglieder der Eurozone, allen voran Deutschland, den Euro aufgeben und wieder die D-Mark oder so etwas wie eine Euro-Mark einführen. Zu dieser Gruppe könnten auch die nordischen Staaten und Österreich gehören, vielleicht sogar Polen.

Format: Sie rechnen ernsthaft mit einem solchen Szenario?
Hemetsberger: Ja. Wir brauchen eine EU-Regierung, die auch die Macht über die Steuern hat. Sonst ist der Euro auf Dauer nicht zu halten.

Format: Wann ist es so weit?
Hemetsberger: Entweder es geht diesmal noch alles gut, und der Euro wird in fünf bis zehn Jahren abstürzen. An einem 1. Jänner im nächsten Jahrzehnt zahlen wir wieder mit der Mark, wie immer sie dann heißen wird. Wir planen bereits einen Fonds, mit dem Großanleger sich auf solche Entwicklungen und die weltweite Schuldenkrise vorbereiten können.

Format: Und was passiert mit dem Euro-Vermögen der Privatpersonen?
Hemetsberger: Für jeden Anleger gilt: Es gibt keine wirklich risikolose Geldanlage mehr. Die technische Währungsumstellung könnte ähnlich ablaufen wie die Einführung des Euro: Es gibt eine Umtauschfrist von zum Beispiel drei Monaten, und ­danach ist der Euro in Österreich, Deutschland und einigen anderen starken Mitgliedern der Währungsunion kein Zahlungsmittel mehr.

Martin Kwauka

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