Europas Fluglinien zittern vor Etihad

In der ansonst so beschaulichen Schweiz herrscht helle Aufregung. Anfang Juni hat der Golf-Carrier Etihad Airways die Flugverbindung von Zürich nach Abu Dhabi einmal täglich aufgenommen und gilt nun als Nationalfeind Nummer eins.

Europas Fluglinien zittern vor Etihad

Die Eidgenossen bangen seitdem um "ihre“ Swiss, die ja so wie die AUA bereits seit Jahren der deutschen Lufthansa gehört. Denn Etihad startet mit Kampfpreisen, die zum Teil um drei Viertel unter jenen ihres Schweizer Konkurrenten liegen. Auch mit der Luxusausstattung ihrer Flieger wollen die Araber punkten.

Doch kampflos wollen sich die Schweizer nicht geschlagen geben. Also haben sie kurzerhand die Verträge mit Etihad Regional auf der Strecke Zürich-Lugano aufgekündigt und diese mit ihrer Partner-Airline Tyrolean, einer AUA-Tochter, neu aufgesetzt.

Ein Nebenschauplatz vielleicht, aber symptomatisch für die Angst, die in Europa vor den großen Golf-Fluglinien umgeht. Wurden vor einigen Jahren vor allem Emirates und Qatar Airways als Hauptbedrohung wahrgenommen, so ist es aktuell die aggressiv wachsende Etihad Airways mit Sitz in Abu Dhabi. In nur elf Jahren ihrer Existenz ist die Scheich-Airline rascher gewachsen als die beiden anderen Mitbewerber aus dem Morgenland. 4,5 Milliarden Euro Umsatz, 719 Millionen Euro Gewinn und eine Flotte von knapp 100 Fliegern lassen manche Europäer neidisch werden. Auch deshalb, weil sich Etihad nicht nur mit Flugverbindungen nach Europa begnügt, sondern europäische Airlines im großen Stil - aus rechtlichen Gründen dürfen nie mehr als 49,9 Prozent erworben werden - aufkauft: Neben der deutschen Air Berlin gehören auch die Air Serbia, Aer Lingus und seit Kurzem auch die angeschlagene Alitalia zum Imperium der Araber. 1,25 Milliarden Euro will Etihad angeblich bis 2018 in die italienische Fluglinie pumpen.

Protestbrief nach Brüssel

Der Kauf der Alitalia führte denn auch zu heftigen Reaktionen. Die Chefs von KLM, Air France, Lufthansa, Swiss, Brussels und AUA verfassten deswegen sogar Protestbriefe an den Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas und an Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. AUA-Chef Jaan Albrecht findet angesichts dieser Bedrohung ungewöhnlich scharfe Worte: "Die Kommission muss sich nun schon die Frage stellen, ob sie die Rückverstaatlichung über die Hintertür arabischer Luftfahrtkonglomerate haben will. Denn Etihad wird damit die faktische Kontrolle über die Alitalia übernehmen, so wie sie auch bei der Air Berlin und der Air Serbia faktische Kontrolle erlangt hat. Und natürlich schadet das dem Standort, weil dem Flughafen Wien à la longue Substanz entzogen wird. Entweder spielen Staaten gegen Staaten oder Unternehmen gegen Unternehmen. Staaten gegen Unternehmen, das kann auf Dauer nicht gutgehen.“

Reverstaatlichung deshalb, weil sich alle drei Golf-Airlines im Eigentum der jeweiligen Staaten befinden, Etihad gehört den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und deren Geldquellen scheinen schier unerschöpflich. Erst kürzlich stand Etihad-Chef James Hogan deswegen unter massivem Beschuss: Hinweise auf eine Drei-Milliarden-Dollar-Geldspritze durch die Königliche Familie waren aufgetaucht, von Hogan allerdings umgehend dementiert. Als die Lufthansa die Märkte kürzlich mit einer Gewinnwarnung schockte, wurden auch die "bösen“ Golf-Airlines als ein Grund dafür genannt. Nun wollen die Deutschen darauf mit einer eigenen Billig-Airline auf der Langstrecke kontern.

Auch die AUA hat die Langstrecke letztes Jahr wieder als Wachstumsmarkt neu entdeckt. Nach Chicago im Jahr 2013 kommt Newark heuer als neue Destination hinzu. Bis 2018 war geplant, jedes Jahr einen neuen Flieger dazuzukaufen. Diese Kaufpläne liegen allerdings wegen der Gehaltsstreitigkeiten mit den Piloten aktuell auf Eis. Albrecht: "Für heuer rechnen wir mit mindestens 100.000 Passagieren mehr, die meisten davon aus den USA. Und diese bringen Österreich Geld - über den Tourismus oder Geschäftsreisen. Geld, das freilich in Zukunft auch in den Arabischen Emiraten landen könnte.“

Neue Niki-Langstrecke

Oder beim heimischen Konkurrenten Niki, der über die Mutter Air Berlin ebenfalls Etihad zuzurechnen ist. Niki startet nämlich ab November erstmals mit Langstreckenflügen, und zwar von Wien nach Abu Dhabi. Vorerst mit einem Flug täglich. Insider vermuten aber, dass es sich dabei nur um einen Testballon handelt. Schon bald könnten zusätzliche Flüge folgen, entweder von Niki oder von Etihad selbst. Denn Niki soll sich nach FORMAT-Informationen bei den Behörden massiv um eine Etihad-Flugnummer für den Abu-Dhabi-Flug bemühen. Das werten Airline-Experten als Indiz dafür, dass Etihad schon bald weitere Flüge von bzw. nach Wien plant. Angesucht wurde darum angeblich bereits im Frühjahr im Verkehrsministerium. Als aber nur vier statt der gewünschten 20 Frequenzen bewilligt wurden, zog sich Etihad - vorerst - zurück. Etihad Regional fliegt jedoch seit Juni täglich zwischen Wien und Zürich.

Airline-Boss James Hogan nimmt diese Woche auch an einer Zivilluftfahrtkonferenz in Wien teil und wird auf Vertreter des Verkehrsministeriums treffen, um weiter Lobbying in eigener Sache zu betreiben. Erliegt Ministerin Doris Bures seinem Charme, könnte die AUA - wie auch die Lufthansa - schon bald zwischen Emirates und Etihad aufgerieben werden.

AUA-Betriebsrat Alfred Junghans wünscht sich, dass sich heimische Behörden an den kanadischen orientieren. In Kanada gibt es seit Jahren genaue Kontingente für Golf-Carrier, um die nationale Airline am Leben zu erhalten.

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