EU-Strategie: Industrie soll angekurbelt werden

EU-Strategie: Industrie soll angekurbelt werden

Die EU-Kommission will Europas Industrie zum Wachtumsmotor machen. Noch fehlen konkrete Pläne. In vielen Bereichen droht die Abwanderung.

Antonio Tajani ist Italiener, ein Protegé Silvio Berlusconis und seit 2009 EU-Kommissar für Unternehmen und Industrie. Anders als seine Kollegen Olli Rehn (Wirtschaft und Währung) oder Michel Barnier (Binnenmarkt) ist er durch die Krise kaum stärker ins öffentliche Rampenlicht gerückt. Erst im Herbst 2012 legte er eine Strategie zur Reindustrialisierung der EU vor. Ihr Ziel: den Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft bis 2020 von aktuell 16 auf 20 Prozent anzuheben. Bis zum Sommer sollen konkrete Maßnahmen ausgearbeitet sein. Im Fokus sollen etwa intelligente Netze und die Elektromobilität stehen.

Dass das Ziel erreichbar ist, wird zumindest vonseiten der Industrie bezweifelt. Bisher fehlen konzise Pläne. Unternehmen fürchten nicht mehr tragbare Kostenbelastungen durch neue Umweltziele und zu wenig Langfristinvestitionen in Bildung. "Es bleibt nicht viel Zeit, will man die Industrie hier halten“, warnt etwa Wolfgang Eder von der voestalpine. "Europa muss die geeigneten Rahmenbedingungen bieten“, sagt OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss.

Weg von der Dienstleistungsgesellschaft

Den Fokus von der reinen Dienstleistungsgesellschaft zurück auf die Industrie zu verlegen kommt nicht von ungefähr: Die Gesamtproduktion liegt zehn Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Die Industrie steht nach wie vor für 80 Prozent der europäischen Exporte und für 45 Prozent der Jobs. Wenig industrialisierte Staaten wie Großbritannien wurden von der Krise besonders hart getroffen. Frankreich, wo die jüngste Werkschließung von Arcelor-Mittal (europaweit 98.000 Beschäftigte) nur eines von vielen Beispielen für Abwanderung ist, verliert ständig an Wettbewerbsfähigkeit. Investitionen in Forschung und Entwicklung gehen durch Abwanderung zurück, neue Technologien rücken nur langsam nach.

Konkurrent USA. In den vergangenen Jahrzehnten zog es Industrieunternehmen kostenbedingt zunächst stärker nach Osteuropa, China und Brasilien. Nun locken die USA. Wie Europa will die US-Regierung die Industrie zurück ins Land holen. "Wir hören von mehreren Unternehmen, dass einige Bundesstaaten sehr gute Standortpakete für Ansiedelungen anbieten“, beobachtet Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung.

Als Hauptvorteil wird aber das günstige Erdgas gesehen. Die USA wurden durch diese von Umweltschützern stark kritisierte Neuerschließung zum billigen Energieexporteur. Europa hat, trotz Innovationskraft, noch keine Antwort darauf.

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