bauMax: Essl muss wieder 15 Millionen Euro zuschießen

bauMax: Essl muss wieder 15 Millionen Euro zuschießen

Traditionsbruch bei der Heimwerkerkette bauMax. Jahrzehntelang war es die Eigentümerfamilie Essl gewohnt, alleine die Entscheidungen zu treffen. Jahrzehntelang ging alles gut. Der Expansionskurs in Österreich und Osteuropa deckte so manche Schwäche zu. Doch plötzlich ist alles anders, die Finanzlage ist angespannt, die heile Unternehmerwelt gestört.

Der Glanz bröckelt wie Verputz von feuchten Mauern. Gründer Karlheinz Essl und sein Sohn Martin müssen langwierige Sitzungen mit den Banken über sich ergehen lassen. Das Beratungsunternehmen Roland Berger wurde engagiert, nachdem die Kreditgeber das nahegelegt hatten. Ein Umbruch steht auch im bislang von der Familie und Freunden dominierten Aufsichtsrat bevor. Martin Essls Ehefrau Gerda soll sich bald aus dem Kontrollgremium verabschieden.

Bis Anfang Dezember laufen intensive Gespräche mit Lieferanten und den kreditgebenden Banken, um die Baumarktkette wieder auf finanziell gesunde Beine zu stellen. In Summe wurden im letzten und im laufenden Jahr über 100 Millionen Euro Verluste angehäuft. Über 260 Millionen an Krediten müssen bedient werden. Mit den Banken gilt derzeit ein Stillhalteabkommen.

Ein erster, für die Familie schmerzlicher Schritt wurde bereits vereinbart, wie FORMAT in Erfahrung bringen konnte: Zur raschen Verbesserung der Liquiditätssituation haben sich die Essls bereit erklärt, erneut eigenes Geld zuzuschießen. Bereits im Vorjahr haben sie rund 40 Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen zurück ins Unternehmen gesteckt. Jetzt werden weitere zehn bis 15 Millionen fließen, die von den Banken als Eigenbeitrag zur Sanierung und für notwendige Umbauarbeiten verlangt wurden. Damit beweist man das Bekenntnis zum Unternehmen und will auch die Kreditversicherer beruhigen, die das Bonitätsrating von bauMax von „gut“ auf „schwach“ abstuften. Zum Restrukturierungsplan zählen etwa die Überarbeitung des Sortiments sowie die Forcierung von Eigenmarken über die derzeitige 20-Prozent-Marke hinaus.

bauMax muss Standorte schließen

Als deutlich radikalere Maßnahme wird in Zusammenarbeit mit dem Team von Roland Berger eine Standortbereinigung ausgearbeitet. Fix ist die Schließung von Filialen in den zwei besonders angeschlagenen Marktregionen Kroatien und Ungarn. Dort hat bauMax 22 Heimwerkermärkte – diese Zahl soll auf eine Größenordnung von 15 bis 18 reduziert werden. Über Schließungen in Rumänien und Bulgarien ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Flankiert werden diese Schritte von einem Personaleinstellungsstopp und aktuellen Abverkaufsaktionen mit Rabatten bis zu 70 Prozent.

Maßgeblich zeichnet der im Juli bestellte Vorstand Michael Hürter für die neuen Strategiemodelle verantwortlich. Der frühere Aldi- und Lidl-Manager aus Deutschland ist der neue starke Mann im vom Martin Essl geführten bauMax-Vorstand und genießt das Vertrauen der Banken. Hürter muss im Zuge der Sanierung Härte zeigen, selbst wenn die Haupteigentümer Bedenken haben. So werden Kündigungen unter den insgesamt 9.200 Mitarbeitern des Unternehmens nicht ausbleiben – eine Tatsache, die der von christlichen Werten geprägten Eigentümerfamilie wenig behagt. Allerdings könnte sonst das gesamte Unternehmen wackeln.

Michael Hürter wird auch zugetraut, alte bauMax-Schwächen auszumerzen oder zumindest zu minimieren. Aktuelle Analysen der Krise haben ergeben, dass das Unternehmen im Peergroup-Vergleich bei einigen Parametern deutlich schlechter liegt als die Konkurrenz: zum Beispiel bei der Warenumschlaghäufigkeit, also der Kennzahl, wie oft sich das Lager dreht. Auch bei den Einkaufspreisen liegt bauMax schlechter als der Mitbewerb. Das ist schon seit vielen Jahren so, konnte aber durch das Wachstum in Osteuropa kaschiert werden. Nun haben sich die Schwachstellen offenbart.

Rote Zahlen

Bis bauMax wieder Gewinne schreibt, wird es trotz allem noch dauern. Vorsichtige Prognosen des Unternehmens gehen von drei Jahren aus, bis man aus den roten Zahl kommt. So schlimm wie im Vorjahr soll es allerdings nicht mehr werden.

Immerhin wurden viele Ursachen der Misere mittlerweile recht genau erkannt: Entgegen der Annahme, dass in schlechten Zeiten die Lust am Heimwerken steigt, verfügt ein Großteil der Kundschaft vor allem in Osteuropa kaum mehr über das Geld für neue Winkelschleifer oder Duschkabinen. Margenträchtigere Produkte aus dem Gartenbereich wurden dort ohnehin nie wirklich angenommen. Hinzu kommt ein brutaler Verdrängungswettbewerb der Baumarktketten, mit dem auch Konkurrent Praktiker zu kämpfen hat.

Weiteres Problem: Gerade in Ungarn und Rumänien sind die Banken bei Konsumkrediten sehr vorsichtig geworden. Vorbei sind die Zeiten, als es in den Filialen über eigene Bankschalter per Unterschrift frisches Geld für Akkubohrer und Rasenmäher gab.

Am Engagement in der Türkei will bauMax jedenfalls festhalten. Die 2010 dort gestartete Expansion trägt trotz hoher Investitionskosten Früchte. Vor allem deshalb, weil außer Praktiker kein Konkurrent eine nennenswerte Filialdichte aufgebaut hat und die türkische Wirtschaft von der europäischen Finanzmisere (noch) abgekoppelt ist.

Hornbach und Obi setzen bauMax unter Druck

In Österreich wächst der Heimwerkermarkt zwar noch im mageren einstelligen Bereich, bauMax – mit hierzulande 67 Filialen – konnte davon allerdings nicht profitieren. Hornbach und Obi haben es mit aggressivem Marketing verstanden, ein neues, cooles Lifestyle-Gefühl der Selbermacher zu etablieren, während bauMax gerade bei jüngeren Käuferschichten abgerutscht ist.

Hinzu kommt massiver Unmut über Wartezeiten und schlechte Beratungsqualität, die sich am Facebook-Auftritt von bauMax feststellen lässt. Auch das muss der Konzern in den Griff kriegen, sonst wird die Kapitalspritze der Familie Essl auf Dauer nichts nützen.

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