"Es ist keiner der seriösen Wettanbieter in den Skandal involviert"

"Es ist keiner der seriösen Wettanbieter in den Skandal involviert"

FORMAT: Herr Teufelberger, zuletzt lief es für bwin in Sachen Sportwetten ja nicht optimal. Was erwarten Sie von der Fußball-EM?

Norbert Teufelberger: Es stimmt, die Margen waren rückläufig, aber der Wettumsatz ist im zweistelligen Prozentbereich gestiegen. Mit der Kundenaktivität können wir also zufrieden sein. Von der EM erwarte ich mir diesbezüglich auch ziemlich viel. Gut wäre es, wenn wir die eine oder andere Überraschung erleben würden. Überraschungen sind für Buchmacher immer gut.

FORMAT: Wenn Sie sich von der EM viel erwarten, was genau heißt das?

Teufelberger: Ein 13. Monatsumsatz sollte sich schon ausgehen. Außerdem gibt bwin nicht mehr so viel für Werbung aus wie etwa noch im Jahr 2006.

FORMAT: Warum geben Sie heuer weniger für Marketing aus?

Teufelberger: Die Marke bwin hat auch durch unsere Sponsoringaktivitäten einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Wir sehen die Notwendigkeit von aggressiver Werbung bei Großereignissen nicht mehr, zumal viele Kunden eben ausschließlich bei der EM spielen.

FORMAT: Was halten Sie von diversen Boykottaufrufen der EM?

Teufelberger: Ich bin ein sehr unpolitischer Mensch und möchte mich dazu nicht äußern, aber ich finde, der Sport sollte Vorrang haben.

FORMAT: Wo sehen Sie denn, abgesehen von neuen Ländern, noch Marktpotenzial für Sportwetten?

Teufelberger: Gerade der Online-Bereich ist durch die Live-Wetten ein sehr stark wachsender.

FORMAT: Sie haben ja in Spanien kürzlich eine Online-Lizenz bekommen. Was erwarten Sie sich von diesem Markt?

Teufelberger: Spanien ist immerhin der viertgrößte Wett-Markt Europas, und unsere Erwartungen sind sehr hoch. Ich rechne mit einem starken zweistelligen Prozentwachstum in den nächsten Jahren. Seit heute (Anmerkung: 4. Juni) sind wir mit unserer Website www.bwin.es erstmals online und darüber sehr stolz. Hinter dieser gemergten Seite steckt sehr viel Arbeit: 1.000 Softwareingenieure haben in den letzten Wochen daran gearbeitet, dass wir noch vor der EM damit online gehen können.

FORMAT: Apropos Spanien: Es gibt Gerüchte, dass Sie das Sponsoring von Real Madrid bald los sind. Stimmt das?

Teufelberger: Noch ist nicht aller Tage Abend. Das wird sich in den nächsten drei bis vier Monaten entscheiden. Man muss aber schon klar sagen: Heuer zahlen wir erstmals mehr als 100 Millionen Euro an Glücksspielsteuern, und da will eine Investition wie jene in das Sponsoring von Real Madrid wohlüberlegt sein.

FORMAT: In welchen Ländern rechnen Sie noch mit einer baldigen Liberalisierung von Sportwetten?

Teufelberger: In den Niederlanden könnte es bald so weit sein. Ich hoffe aber auch sehr auf die Unterstützung der EU-Kommission. Sie will im Herbst entscheiden, wie sie in Sachen Glücksspiel weiter vorgehen will. Davon erwarte ich mir einiges.

FORMAT: Aber immerhin konnten Sie in Deutschland mit einer Lizenz in Schleswig-Holstein ja einen wichtigen Teilerfolg erringen …

Teufelberger: Leider ist es dafür zu früh, denn nach den dortigen Wahlen sieht alles schon wieder ganz anders aus. Die jetzt regierenden Sozialisten blockieren alles in Sachen Glücksspiel. Das könnte heißen, wir müssen weitere drei bis vier Jahre vor dem EuGH darum kämpfen.

FORMAT: Zermürbt Sie dieser jahrelange Kampf nicht allmählich?

Teufelberger: Ja, manchmal schon, aber man darf auch nicht vergessen, wir haben in den letzten elf Jahren auch viel erreicht.

FORMAT: Amtsmüde sind Sie also noch nicht?

Teufelberger: Na, ja, jünger werde ich nicht, und manchmal sind diese rechtlichen Scharmützel schon sehr mühsam. Aber als CEO von bwin höre ich deswegen sicher nicht auf, wenn Sie das meinen.

FORMAT: Die USA scheinen sich ja allmählich gegenüber dem Online-Glücksspiel zu öffnen. Wann rechnen Sie mit einer Lizenz?

Teufelberger: Das kommt darauf an, ob es zu einer Öffnung auf Bundesstaats- bzw. Bundesebene kommt. Uns wäre natürlich eine Öffnung auf Bundesebene lieber, idealerweise noch vor der Wahl. Wenn es nicht dazu kommt, wird es jedenfalls in Nevada recht rasch gehen. Wir durchlaufen dort gerade einen Lizenzierungsprozess.

FORMAT: bwin ist ja auch Sponsor der italienischen Fußball-Liga, der Serie bwin. Schadet Ihnen als solcher der italienische Wettskandal?

Teufelberger: Das denke ich nicht, denn es ist ja keiner der seriösen Wettanbieter in den Skandal involviert. Ich hoffe, dass die Behörden die Schuldigen jetzt wirklich überführen. Das wäre ein sehr wichtiger Schritt. Klar ist, dass wir für die Wettbranche vernünftige Regulierungsrahmen brauchen, sonst verschwindet das Geschäft immer stärker im Untergrund. Das Ergebnis sehen wir. Der Großteil der Wettbetrügereien findet schon jetzt auf unregulierten Wettmärkten in Asien statt.

FORMAT: Sollte man Spielern das Wetten nicht überhaupt untersagen?

Teufelberger: Das ginge zu weit, aber natürlich sollten Wetten auf den eigenen Club streng verboten werden.

FORMAT: Wie wichtig ist eigentlich für Sie noch der österreichische Markt? Seit der Fusion mit Party Gaming ist bwin am ursprünglichen Heimmarkt nicht mehr so präsent wie davor …

Teufelberger: Österreich ist nach wie vor sehr wichtig. Wir haben hier sehr tolle Mitarbeiter. Zurzeit sind es rund 650 bis 700, die vor allem im Payment- und im Technologiebereich im Einsatz sind. In Gibraltar beschäftigen wir im Vergleich dazu nur 400 Mitarbeiter.

FORMAT: Also ist die Angst unbegründet, bwin könnte seine Wien-Niederlassung zusperren?

Teufelberger: Ja, völlig. Ich rechne sogar damit, dass wir in Wien leicht ausbauen werden.

FORMAT: Sie können ja die Ausschreibung der Casino- und Lotterielizenzen in Österreich erste Reihe fußfrei beobachten. Was sagen Sie dazu?

Teufelberger: Ich verstehe nicht, warum man sich so vor gesundem Wettbewerb fürchtet. Die Ausschreibung hätte man weniger protektionistisch und mit klaren Bedingungen machen sollen.

FORMAT: Sollte es zu einer transparenteren Neuausschreibung kommen, wird bwin dann dabei sein?

Teufelberger: Nein, wir interessieren uns ausschließlich für das Online-Geschäft. Erst wenn eine Online-Lizenz ausgeschrieben wird, sind wir dabei.

FORMAT: In Österreich läuft ja ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen bwin. Wie ist da der aktuelle Stand?

Teufelberger: Diese Woche findet eine Anhörung vor einem unabhängigen Fachsenat statt. Egal, wie die Entscheidung ausfällt, mir ist unverständlich, warum es überhaupt zu diesem Verfahren gekommen ist. Wir haben vor einigen Jahren unseren Server in Österreich aufgestellt, weil uns der damalige Sektionschef Quantschnigg zugesagt hat, dass damit keine Betriebsstätte begründet wird. Für mich sind die jetzigen Entscheidungen der Finanzbehörden klar politisch be-einflusst. Diesen Streit werde ich jedenfalls bis in die letzte Instanz ausfechten.

FORMAT: Zum Schluss noch Ihr Sieger-Tipp für die EM …

Teufelberger: Ich tippe diesmal auf die Niederlande.

Zur Person: Norbert Teufelberger, 47, gründete im Jahr 1997 gemeinsam mit Manfred Bodner den österreichischen Wettanbieter betandwin, später bwin. Mitte 2010 erfolgte die Fusion mit der britischen Firma Party Gaming zum größten börsennotierten Glücksspielkonzern bwin.party, dessen Co-CEO Teufelberger ist. 2011 setzte das Unternehmen 816 Millionen Euro um, der Sportwettenumsatz betrug 260 Millionen Euro. Täglich wetten 114.200 Spieler bei bwin.

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