"Es gibt kaum Menschen, die das aus Reue machen"

FORMAT: Herr Wehrheim, hat Sie der Fall Hoeneß angesichts Ihrer Erfahrung als Steuerfahnder überrascht?

Frank Wehrheim: Nicht wirklich. Ich verstehe nicht, wie sich jemand mit dem Wissen, dass er Millionen in der Schweiz geparkt hat, so als Moralist aufführen kann. Das ist schon ziemlich heftig.

Genauso wie die Hausdurchsuchung.

Wehrheim: Die ist tatsächlich komisch. Normalerweise sagt der Fiskus bei Selbstanzeigen vielleicht, er wolle diese Unterlage oder jene Belege noch. Dann kriegen die das auch sofort, damit die Selbstanzeige zu Straffreiheit führt. Deshalb ist es ungewöhnlich, dass noch eine Hausdurchsuchung zur Überprüfung der Selbstanzeige nötig war. Das ist eigentlich eher die Ausnahme als die Regel.

Was könnte dahinter stecken?

Wehrheim: Da kann man nur mutmaßen. Im Normalfall braucht man für die Vorbereitung einer Selbstanzeige, wenn keine Entdeckung droht, schon mehrere Wochen. Sie müssen ja alle Unterlagen und Kontoauszüge, die meist im Ausland liegen, für die vergangenen zehn Jahre besorgen. Ich mache inzwischen als Steuerberater immer mehr Selbstanzeigen und habe gerade bei einem viel kleineren Fall zweieinhalb Monate gebraucht. Der Normalweg ist: Sie liefern alles, lassen die Hosen komplett runter. Aber in der Regel kommen Selbstanzeigen immer kurz vor zwölf. Es gibt kaum Menschen, die das aus Reue machen, sondern meistens, weil etwas passiert.

Wie in Deutschland die Aufkündigung des Steuerabkommens mit der Schweiz vorigen Dezember, was als Anlass für die Hoeneß-Aktion gesehen wird?

Wehrheim: Offenbar. Und dann wird darüber spekuliert, ob er dann wegen eines "stern“-Berichtes über einen damals noch anonymen Spitzenvertreter der Bundesliga, der Schwarzgeld bei der Schweizer Vontobel Bank gebunkert habe, überhastet agiert und die Nerven verloren hat. Oft ist es ja tatsächlich so, dass Banken ihre Kunden anrufen und meinen, sie könnten nicht mehr für die Geheimhaltung garantieren, weil wieder eine Steuer-CD im Umlauf sei. Das sind dann solche Auslöser.

Braucht es solche spektakulären Fälle, um den Kampf gegen Steuerflucht auch politisch zu befeuern?

Wehrheim: Schon. Ich höre von vielen Kollegen, dass die Zahl der Selbstanzeigen dramatisch zugenommen hat. Steuerflucht wird auch ein Wahlkampfthema in Deutschland. SPD-Länder werfen den CDU-Ländern vor, sie würden zu lasch gegen Steuerflüchtlinge vorgehen. Die Praxis in Bayern solle ja einer Steuerfluchtamnestie gleichkommen, heißt es. Fälle wie jener von Hoeneß geben dieser Diskussion ganz neuen Brennstoff. So ein Abkommen mit der Schweiz, wie es Österreich hat, wird es bei uns nun sicher nicht mehr geben. Am automatischen Informationsaustausch führt wohl kein Weg vorbei. Und dann bleibt nur noch der Königsweg der Selbstanzeige.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff