Erste Hoffnungsschimmer? Immer häufiger drehen Vorlaufindikatoren ins Positive

Immer mehr nationale und internationale Konjunkturbarometer drehen langsam nach oben. Wird die Lage falsch eingeschätzt oder zeichnet sich wirklich ein Ende der Krise ab?

Wenn im Frühling die Tage länger werden, haben meine Kunden weniger Angst – dann läuft mein Geschäft schlechter“, sagt Christian Fischer. In ­diesem Frühjahr kann sich der Chef von Security Land, dem österreichweit größten Vertrieb von Sicherheitsprodukten, über mangelnde Nachfrage allerdings nicht beklagen. „Durch die Wirtschaftskrise rechnen viele mit vermehrten ­Einbrüchen“, erklärt Fischer, der mehr Videoüberwachungssysteme, Alarman­lagen und Co verkauft als je zuvor. Der Wirtschaftsabschwung läuft für den ­Sicherheitsunternehmer unter umgekehrtem Vorzeichen.

Positives unter den Turbulenzen
Möglich, dass sich für Fischer der Wind bald wieder dreht. Denn beinahe un­bemerkt mischt sich unter die Flut negativer Wirtschaftsnachrichten - etwa, dass heuer die deutsche Wirtschaft um historische sechs Prozent schrumpfen wird - die eine oder andere Positivmeldung. Erste Konjunkturindikatoren, die seit Monaten lotrecht abstürzen, zeigen wieder zarte Anzeichen von Gegenbewegungen (siehe Grafiken links) .

Verlangsamter Abschwung
So tastete sich ein wichtiges Wirtschaftsbarometer, der ZEW-Indikator des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, im April erstmals seit Mitte 2007 wieder in den positiven Bereich. ZEW-Chef Wolfgang Franz sieht darin eine „begründete Aussicht, dass die Abwärtsdynamik zum Stillstand kommen wird“, und hält jetzt eine „zaghafte Belebung“ der Wirtschaft für wahrscheinlicher. Auch in den USA, der Brutstätte der gegenwärtigen Krise, gibt es nun erste Signale für einen nahenden Aufschwung. In knapp der Hälfte der US-Bezirke verzeichnet die Notenbank Fed eine Verlangsamung des Abschwungs. Der Hypothekenfinanzierer Freddie Mac sieht die US-Hausverkäufe am Tiefpunkt. Die Anträge auf Arbeits­losengeld sinken stärker als erwartet. Und sogar die Banken vermelden wieder erste Quartalsgewinne.

Wende-Signale  
Auch hierzulande keimt die Hoffnung. Der Absturz des Konjunkturbarometers der Industriellenvereinigung (IV) sei zwar beispiellos, sagt IV-Chefökonom Christian Helmenstein, aber immerhin „verlangsamt sich das Tempo der Verschlechterung“. Und: Die Lage in einem halben Jahr sieht eine Mehrheit der befragten 455 Unternehmen positiver als heute, der Erwartungsindex steigt. Bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB) teilt man – wie auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im FORMAT-Interview – diesen vorsichtigen Optimismus. Der RZB-eigene Export­indikator prognostiziert die Entwicklung in Österreichs wichtigsten Ausfuhrmärkten und könnte bald die Talsohle erreichen. „Die Exportquoten dürften zwar noch weiter sinken“, schätzt Raiffeisen-Analyst Gottfried Steindl, „aber die Abwärtsdynamik lässt nach. Das Schlimmste liegt hinter uns.“

Hoffnungsschimmer
Ralph Solveen, Volkswirt bei der Frank­furter Commerzbank, kann sich dem ­an­schließen. Sein Index, der Earlybird , läuft der Konjunktur um sechs bis neun Monate voraus. Und steigt, und zwar bereits seit November des Vorjahres. Seit kurzem liegt er sogar wieder im positiven Bereich. „Die Konjunktur könnte sich jetzt bald stabilisieren“, glaubt Solveen. Das Münchner ifo-Institut gibt seinem vorsichtigen Optimismus Recht: Der unter 7.000 Unternehmen erhobene Erwartungsindikator konstatiert ein leicht verbessertes Geschäftsklima (siehe www.ifo.de ) . Und: Bei einem Earlybird über null und steigenden ifo-Erwartungen ist in den vergangenen 17 Jahren noch immer die Konjunktur nachgezogen.

Schwacher Start
Doch auch wenn die Wirtschaft wieder anspringt, mit Wachstumsraten wie in der Vergangenheit rechnet niemand. „Es wird wieder aufwärts gehen, wenn auch gebremst“, sagt Solveen. Zinssenkungen und Konjunktur­pakete bräuchten eben immer ein paar Quartale, bis sie bei den Unternehmen konkrete Schritte auslösten. „Seit dreißig Jahren wachsen wir durchschnittlich 2,5 Prozent jährlich – in naher Zukunft werden wir jedoch über ein halbes Prozent Wachstum nicht hinauskommen“, quantifiziert Erste-Bank-Ökonom Thomas Ka­rall den kommenden schwachen Aufschwung. Auch sein Kollege von der Industriellenvereinigung ist wenig opti­mis­tisch, was den Wachstumspfad betrifft: „Wenn der Aufschwung überhaupt bald kommt, gibt es dafür nur ein Wort“, sagt Helmenstein: „Zäh.“

Von Arndt Müller

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