Erfolgsgeschichte Oberösterreich: Vom Problemfall zum Musterschüler

Oberösterreichs Unternehmen zählen zu den innovativsten in Österreich. Viele von ihnen haben es in ihrer Nische bis an die Weltspitze geschafft. Eine Erfolgsgeschichte.

Zum Beispiel FACC. Vor 20 Jahren war das Unternehmen nicht viel mehr als ein kleines, kurios klingendes Joint Venture des Skierzeugers Fischer und der Salinen Austria. Heute ist die FACC (Umsatz: 250 Millionen Euro) ein wichtiger Zulieferer der Flugzeugindustrie. Oder die Greiner Group: Über die Jahre hat sich das Familienunternehmen zu einem Global Player in der Kunststoffindustrie gewandelt, der zuletzt weltweit eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftete. Oder Teufelberger, ebenfalls ein Familien unternehmen, ebenfalls mit enormen Wachstumsraten – und in seiner Nische der Stahlseil- und Faserseil-Erzeugung nicht mehr wegzudenken.

All diese Firmen haben ein paar Dinge gemeinsam: Sie sind enorm innovativ, sie zeichnen sich durch konsequentes Umsetzen ihrer Nischenstrategien aus – und sie stammen aus Oberösterreich.

Mit 1,4 Millionen Menschen ist Oberösterreich das drittgrößte Bundesland, hält aber nach der Hauptstadt Wien den zweitgrößten Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Mit prognostizierten 2,6 Prozent schafft Oberösterreich heuer wieder das stärkste Wirtschaftswachstum im Ländervergleich. Und mit 3,7 Prozent hatte es im September die niedrigste Arbeitslosigkeit. „Gerade Oberösterreichs Unternehmen profitieren vom Nachkrisenaufschwung“, sagt Therese Mitterbauer, Bundesvorstand der Jungen Industrie und Geschäftsführerin des Oberflächenveredlers High Tech Coatings, eines Tochterunternehmens der börsennotierten Miba-Gruppe.

Vor rund 20 Jahren war Oberösterreich noch der Problemfall schlechthin. „Wir sind zur Krisenregion erklärt worden“, erinnert sich Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, „es gab massive Probleme bei der verstaatlichten Industrie, zum Beispiel der Voest, in der chemischen Industrie und auch durch die Schließung von Kohlekraftwerken.“ Leitl muss es wissen, denn er war damals in der Landespolitik aktiv, stieg zum Wirtschaftslandesrat auf und hat wohl einigen Anteil daran, dass Oberösterreich heute wirtschaftlich besser dasteht als die meisten anderen.

Erfolgsrezept

Die Gründe für den damaligen Aufschwung klingen einfach und logisch: Gezielt wurden nicht nur Innovationen, sondern auch Betriebsansiedelungen und die Bildung von Clustern gefördert. Der Wandel von einer auf Grundstoffen basierenden zu einer diversifizierten, technologielastigen Wirtschaft wurde vorangetrieben – und gelang mit den Jahren auch.

Heute sind oberösterreichische Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen internatonal gut aufgestellt: Nach wie vor ist die voestalpine ein Arbeitgeber mit Weltruf. BMW produziert ebenso in Oberösterreich wie der Nutzfahrzeughersteller MAN und der Zulieferer Polytec. Engel, weltweit führend in der Produktion von Maschinen zur Herstellung von Plastikteilen, oder Erema, Weltmarktführer für Kunststoffrecycling, sorgen als wenig bekannte „Hidden Champions“ für Innovationen und Wachstum. Aber auch Handelsriesen wie der Lebensmitteldiskonter Hofer und die Möbelkette XXXLutz bearbeiten von Oberösterreich aus den Markt.

„Diese großen Leitbetriebe ziehen natürlich den Mittelstand und das regionale Gewerbe mit sich“, beobachtet Hermann Pühringer, Leiter der Wirtschaftspolitik in der oberösterreichischen Wirtschaftskammer, „zudem gibt es zahlreiche erfolgreiche Unternehmenskooperationen.“

Exportmeister

Auch die Nähe zu Deutschland, dem wichtigsten Absatz- und Zuliefermarkt, und zu Tschechien als Produktionsstandort ist ohne Zweifel ein Vorteil für das Bundesland. Frühzeitig hat die Landespolitik auch auf Kooperationen mit anderen wirtschaftlich starken Regionen in der ganzen Welt gesetzt und pflegt diese Verbindungen besonders intensiv.

Für die hoch spezialisierte Zulieferindustrie ist der österreichische Markt zu eng. FACC hat eine Exportquote von über 90 Prozent, ebenso Engel und der Seilhersteller Teufelberger. Vorstand Florian Teufelberger: „Früher war Europa, jetzt sind die Weltmärkte dran.“

All das funktioniert nicht ohne Wettbewerbsvorsprung und dieser nicht ohne zukunftsweisende Forschung, sagt Walter Stephan, Vorstand von FACC. Die Voraussetzung dafür ist vor allem qualifiziertes Personal – und das kann knapp werden, wenn auf relativ engem Raum viele Unternehmen nach den besten Köpfen suchen. „Uns fehlen Fachkräfte in allen Bereichen und mit den verschiedensten Ausbildungsabschlüssen“, sagt auch Therese Mitterbauer. Die Anbindung der Unternehmen an Berufsschulen, HTLs, Fachhochschulen und die Universität Linz funktioniert immer noch besser als anderswo, dennoch gibt es Nachholbedarf.

Den Ausbau von Forschungskooperationen zwischen Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen sieht Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer und wie ihr Chef Leitl Oberösterreicherin, als zukunftsweisend: vor allem bei den Umwelttechnologien. Hochhauser: „Außerdem liegt in der stärkeren Erschließung des osteuropäischen Marktes immer noch Potenzial.“

Von der Internationalität profitieren auch die regionalen Banken wie die Oberbank oder die Raiffeisenlandesbank, die viele der ansässigen Unternehmen bei der Weltmarkterschließung begleiteten.

Der wirtschaftliche Erfolg dürfte sich auch recht positiv im Selbstbewusstsein der Oberösterreicher niederschlagen. Ein Indiz dafür ist das neue Buch von RLB-Oberösterreich-Chef Ludwig Scharinger. Sein Titel: „Nach meiner Trompete“.

– Martina Bachler

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