Erfolgreich abgeschleppt: Ein Jahr nach der Lufthansa-Übernahme steigen AUA-Umsätze

Ein Jahr nach der AUA-Übernahme durch die Lufthansa fliegt die rot-weißrote Airline auf Turnaround-Kurs. Auch die Passagierzahlen und Umsätze steigen wieder. Saniert ist die AUA aber noch lange nicht.

Von hektischer Betriebsamkeit keine Rede. Viele Büros sind verwaist, gespenstische Stille auf den Gängen, nur selten entdeckt man einen Mitarbeiter in der AUA-Zentrale gegenüber dem Flughafen Schwechat. Obwohl es Donnerstagnachmittag ist, weit entfernt von einem Feiertag und viel zu früh, um schon in den Feierabend aufzubrechen. Die letzten Monate haben ihre Spuren hinterlassen bei der AUA. Viele Büros stehen leer, weil ihre Benutzer gekündigt wurden. Erst nach und nach sollen AUA-Mitarbeiter aus dem Flughafengebäude hierher übersiedeln und den Geisterbüros wieder Leben einhauchen.

Ein Viertel weniger

In den zwölf Monaten nach der Übernahme der rot-weiß-roten Airline durch die deutsche Lufthansa mussten mehr als 1.000 Mitarbeiter gehen. Im Vorfeld der Übernahme auch schon einige Hundert, bis zum Jahresende kommen weitere 400 dazu. Insgesamt wird diese Transaktion also 2.000 von ursprünglich 8.000 Mitarbeitern bei Austrian Airlines den Job gekostet haben. „Wir haben mit jedem, der gekündigt wurde, ein persönliches Gespräch geführt. Das war alles andere als angenehm, wir haben ja viele davon gut gekannt“, berichtet AUA-Chef Peter Malanik.

Aber auch die AUA-Mitarbeiter, die an Bord bleiben durften, mussten Haare lassen: Von 2010 bis 2015 verzichten alle – nach langen, zähen Verhandlungen – auf fünf Prozent ihrer Entlohnung. Allein diese Maßnahme wird mit 150 Millionen Euro zu Buche schlagen. Zumindest in einem haben die Kritiker der deutsch-österreichischen Lösung also Recht behalten: Tausende Arbeitsplätze werden wegfallen.

Aber auch andere mussten Federn lassen, um dieses größte Sparpaket in der Geschichte der Airline – insgesamt 250 Millionen Euro – durchzukriegen. Erst kürzlich etwa gingen die Verhandlungen mit dem Flughafen Wien zu Ende. Das Ergebnis: Von jährlich 200 Millionen Euro, die die AUA an Gebühren zahlen muss, werden dem Homecarrier künftig zwölf Millionen nachgelassen. Das Ergebnis war hart erkämpft: Zwischen dem Management der beiden Gesellschaften flogen zwischenzeitlich die Fetzen derart, dass Malanik sogar einmal mit rotem Kopf den Verhandlungstisch verlassen musste. „Ohne uns gäbe es keine Drehscheibe Wien. Das haben viele lange Zeit vergessen“, resümiert AUA-Co-Chef Andreas Bierwirth.

Der Flughafen hätte in der Vergangenheit zu sehr auf Billigflieger gesetzt, der Marktanteil der AUA in Wien lag zeitweise nur noch bei 45 Prozent. Jetzt ist er wieder im Steigen begriffen: Nach 48,7 Prozent vor der Übernahme waren es zuletzt schon wieder 51,4 Prozent. Hilfe beim Erreichen dieses Millionen-Rabatts gab es auch von der Mutter höchstpersönlich. In einem Gespräch zwischen Lufthansa-Vorstand und AUA-Aufsichtsratschef Stefan Lauer und dem Aufsichtsratschef des Flughafens, Christoph Herbst, habe man sich noch einmal der engeren Zusammenarbeit versichert. Dafür ist Lauer nun von Wien als Drehkreuz mehr denn je überzeugt. „Wien als Drehscheibe soll weiter ausgebaut werden“, sagt er im FORMAT-Interview und ergänzt: „Wäre das nicht so, hätten wir beim AUA-Kauf eine Fehlinvestition getätigt.“ Punkt zwei auf der Liste der Lufthansa-AUA-Kritiker hat sich also nicht bewahrheitet: Der Flughafen Wien hat nicht an Bedeutung verloren.

Verhandlungen mit Austro Control

Auf ihren Lorbeeren ausruhen wollen sich die Lufthansa/AUA-Leute aber nicht. Lauer sieht es so: „Wir haben ein Drittel des Weges geschafft. Aber der Berg, der vor uns liegt, ist noch hoch.“ Auf dem noch zu beschreitenden Weg liegen etwa die in Kürze stattfindenden Verhandlungen mit der Flugsicherungsbehörde Austro Control. Für 2010 hat diese ihre Gebühren um 13 Prozent hinaufgeschnalzt, obwohl diese, so kritisiert die AUA, im EU-Schnitt ohnehin zu den höchsten zählen. Die von der Airline eingesparten Personalkosten gingen so praktisch zur Gänze wieder verloren. Nun verhandelt man über eine Rücknahme der Erhöhung, aber auch eine andere Lösung wäre denkbar. „Einige der Leistungen, wie etwa das Verlängern von Pilotenlizenzen, könnten wir im Unternehmen durchführen“, schlägt Bierwirth vor.

In der Austro Control wähnen die AUA-Chefs hier allerdings die falschen Ansprechpartner, denn diese hinge am Gängelband des Verkehrsministeriums (siehe Interview ). Und dort habe man die Wichtigkeit der AUA für den Standort Wien noch nicht erkannt. Wie überhaupt das Entgegenkommen der Regierung, die der AUA vor einem Jahr 500 Millionen Euro Mitgift gegeben hat, noch zu wünschen übrig lasse. Auch die neue Flugticketsteuer, die der Regierung 60 Millionen Euro bringen soll, fällt unter dieses Kapitel. „Die Pläne sind schädlich, denn sie schwächen die AUA. Bei der geplanten Steuer geht es nur um den Ausgleich von Haushaltsdefiziten – unter ökologischem Vorwand“, ist sich Lauer sicher.

800.000 Passagiere mehr

Hier sind sich die Austrian Airlines ausnahmsweise einmal einig mit dem Konkurrenten Niki Lauda, der durch die neue Steuer mit Umsatzeinbußen von rund zehn Millionen Euro rechnet. Ansonsten ist das Match Niki – AUA durch die Lufthansa-Übernahme deutlich härter geworden. „Niki ist jetzt nicht mehr der Angreifer, dessen Treiben wir tatenlos zusehen“, sagt Bierwirth. Denn die Airline hat sich viel von den Low-Cost-Carriern abgeschaut und will sich verloren gegangene Passagiere wieder zurückholen.

Mit Erfolg, wie die Zahlen zeigen, denn bis Ende September sind 800.000 Passagiere mehr auf Rot-Weiß-Rot geflogen als letztes Jahr. Lauda ist dennoch überzeugt, dass er den längeren Atem in dem Kampf hat: „Wir haben wesentlich mehr Reserven. Wirtschaftlich macht das für die AUA keinen Sinn.“ Momentan sieht es nicht so aus, als würde er Recht behalten. Denn immerhin ist es Austrian gelungen, das Minus von 164,6 Millionen vor einem Jahr auf nunmehr 44,4 Millionen (nach drei Quartalen) zu reduzieren. Und das, obwohl die Spareffekte durch Mitarbeiter-Gehaltsverzichte noch nicht voll zu Buche schlagen. Für heuer gelingt das Ziel eines positiven Cashflows, ist das AUA-Management überzeugt, nächstes Jahr soll das operative Ergebnis wieder schwarz gefärbt sein, „wenn nicht drei Vulkane ausbrechen“.

Allerdings leiden darunter die Margen der kleinen Reisebüros erheblich. Im Vergleich zu multinationalen Reisebürokonzernen würden sie deutlich schlechtere Konditionen bekommen, seit die AUA unter dem Lufthansa-Dach fliegt, bemängelt der Österreichische Verein für Touristik und will diese Vorgehensweise – wenn nötig – gerichtlich prüfen lassen.

Feinde in Bundesländern

Nicht gerade zu den Fans des rot-weiß-roten/blau-gelben Gespanns zählen auch die Bundesländer. Mit dem Winterflugplan fliegt die AUA wöchentlich fünfmal weniger oft nach Linz und dreimal weniger oft nach Klagenfurt. Die Kärntner Wirtschaftskammer ist erbost, dass der so wichtige Frühflug einfach gestrichen wurde. Die AUA nimmt’s achselzuckend hin. „Wir haben allen Bundesländern die Möglichkeit gegeben, sich an den Kosten zu beteiligen. Passiert ist nichts“, sagt Bierwirth. Am Flughafen im grenznahen Altenrhein lässt man sich die Streichung eines AUA-Flugs nicht so einfach gefallen und will eine eigene Fluglinie nach Wien etablieren – Ende des Streits noch offen. Allerdings soll es zwischen der AUA und dem Flughafen Friedrichshafen bereits erste Sondierungsgespräche geben. Aber auch wenn die eine oder andere Streckenstreichung für manchen Passagier ärgerlich sein mag, der große Kahlschlag bei den Destinationen – wie von vielen befürchtet – blieb bislang aus. Insgesamt sind sieben im letzten Jahr weggefallen.

In Frankfurt zeigt man sich zufrieden mit der Performance des Duos Bierwirth-Malanik. „Die zwei Vorstände haben sehr viel geschultert und den Turnaround eingeleitet. Wir sehen keinen Grund, etwas an dieser Konstellation zu ändern“, sagt Lauer. Auch dann nicht, wenn die Lufthansa in Kürze keinen österreichischen Chef mehr hat. Denn Wolfgang Mayrhuber macht nächstes Jahr dem früheren Swiss-Sanierer Christoph Franz Platz. Und gerade dieser müsste ja die Turbulenzen, durch die die AUA gerade fliegt, bestens verstehen können. Schließlich hat er vor einigen Jahren bei der Swiss Ähnliches durchgemacht. Und das hat ihn ganz schön weit nach oben gebracht.

– Angelika Kramer

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