Energie-TREND: Sonne, Wind, Wasser und Biomasse befinden sich auf Vormarsch

Die E-Wirtschaft ist durchaus bereit zu neuen Investitionen. Pläne für sinnvolle Projekte gibt es genug, Geld ist auch vorhanden. Nur bei der Umsetzung spießt es sich noch.

Kurz vor Weihnachten werden allerorten Pakete geschnürt: In Brüssel wurde, zweieinhalb Jahre nachdem die Europäische Kommission das Strategiepapier zur Treibgasreduktion initiiert hatte, nun das Klimapaket präsentiert. Und es ist vor allem bei den Plänen für die erneuerbare Energie und die Steigerung der Energieeffizienz ehrgeizig. Die EU-Vorgaben werden die E-Wirtschaft in den kommenden Jahren prägen: Europa will den Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber 1990 bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent reduzieren. Um das zu erreichen, soll unter anderem der Anteil von Öko-Energie, also Wasser, Wind, Solar und Biomasse, bis 2020 von derzeit EU-weit acht Prozent auf 20 Prozent ausgebaut werden. Durch Energiesparmaßnahmen sollen 20 Prozent mehr Energieeffizienz erreicht werden. Österreich muss seinen Anteil an erneuerbaren Energien bis 2020 von derzeit 23 auf 34 Prozent erhöhen.

Zehn Milliarden Investitionen
Die Energieversorger sind durchaus gewillt, massiv zu investieren: in Kraftwerke, neue Leitungen, Speicher, in alternative Energieparks, in Projekte im Inland und im Ausland. Rund eine Milliarde Euro soll bis 2015 für die Erneuerung der heimischen Stromnetze ausgegeben werden. Bis zum Jahr 2020 sollen zudem 8,4 Milliarden Euro in die Wasserkraft in Österreich investiert werden. Das sieht der „Masterplan Wasserkraft“ vor, zu dem sich auch die neue Bundesregierung bekennt. Vom theoretischen Gesamtpotenzial an Wasserkraft in Österreich von 56 TWh (Terawattstunde) sind 38 TWh bereits ausgebaut. Von den restlichen 18 TWh könnten – ohne Antasten von Nationalparks oder Weltkulturerbe – 13 TWh wirtschaftlich sinnvoll realisiert werden, davon 7 TWh bis zum Jahr 2020. Dies entspräche in der Größenordnung etwa siebenmal dem Kraftwerk Wien-Freudenau.

Wasserkraftland Österreich?
Der Investitionsdruck im Bereich Wasser ist nicht nur notwendig, um die EU-Klimaziele zu erreichen: Im Durchschnitt wächst der Energieverbrauch in Österreich jährlich um zwei bis drei Prozent. Zwar wird die aktuelle Wirtschaftskrise auch hier einen Dämpfer mit sich bringen. Aber langfristig, so sind sich die Experten sicher, steigt der Stromhunger. Schon seit 2001 ist Österreich auf Importe aus dem Ausland angewiesen, um den Elektrizitätsbedarf zu decken. Derzeit werden rund zehn Prozent importiert. Dass der Strom in Österreich hauptsächlich aus Wasserkraft kommt, stimmt schon. Aber der Anteil der Hydro-Power ging in den letzten Jahren stetig zurück und liegt nun bei knapp 60 Prozent.

Hydro-Power-Projekte
Ausbaupläne gibt es vor allem in den westlichen Bundesländern und der Steiermark. Doch diese umzusetzen ist nicht immer einfach, wie aktuell das Beispiel ÖBB zeigt. Die Bundesbahnen wollen im Tiroler Lechtal die Wasserkraft nutzen, doch Umweltschutzgruppen wie der WWF sind gegen diesen Plan und machen intensiv Stimmung dagegen. Dass es zudem mehrere Jahre dauert, bis eine Baugenehmigung überhaupt erteilt wird, wird von der E-Wirtschaft regelmäßig kritisiert. Das Beratungsunternehmen Capgemini warnt davor, dass rückläufige Investitionen in die Energie-Infrastruktur die Versorgung nach dem Ende des derzeitigen wirtschaftlichen Abschwungs gefährden würden. Betroffen sei vor allem der Ausbau der Stromerzeugung sowie der Strom- und Gasnetze, sodass nach dem Ende der Wirtschaftskrise eine Energiekrise mit dem dann kommenden Aufschwung droht. Denn die Versorgungssicherheit in Europa sei zwischen 2006 und 2007 trotz des relativ milden Winters gesunken.

6.000 neue Jobs möglich
Eine raschere Umsetzung der bereits vorliegenden Pläne könnte im Gegensatz dazu der schwächelnden Konjunktur einen neuen Schub geben, ist man nicht nur in der E-Wirtschaft überzeugt. Auch die Industriellenvereinigung plädiert dafür, den Kraftwerksbau vorzuziehen, um Jobs im Land zu sichern. Mit fünf bis zehn großen Kraftwerksprojekten könne die heimische Konjunktur ordentlich angekurbelt werden. Dazu seien keine Steuergelder notwendig, sondern nur der politische Wille, die Genehmigungsverfahren in absehbarer Zeit abzuschließen, meint Industriellenvereinigungs-Generalsekretär Markus Beyrer. Auch Verbund-Chef Pistauer sieht im Kraftwerksbau große Chancen für eine Konjunkturbelebung. Laut Studien würde der Kraftwerksausbau in Österreich 6.000 Arbeitsplätze sichern.

Wind und Biomasse
„Das ambitionierte Ziel von 34 Prozent erneuerbarer Energien im Jahr 2020 wird für Österreich nur erreichbar sein, wenn im Rahmen eines umfassenden Programms rasch alle Möglichkeiten ergriffen werden, die sich zum Ausbau bieten, und zugleich Effizienzprogramme massiv gefördert werden“, sagt die Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), Barbara Schmidt. Nicht nur in Wasserkraft, sondern auch in die Bereiche Wind und Biomasse müsste massiv investiert werden. Und auch diese Investitionen würden neue Jobs bringen: Mit einer Energiewende könnten in Österreich bis zu 80.000 neue Jobs geschaffen werden, meint etwa der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski. Allerdings wären für den Umstieg auf mehr Biomasse jährliche Investitionen von rund vier Milliarden Euro notwendig. Derzeit arbeiten in der österreichischen Umwelttechnik-Industrie nach Angaben des Biomasse-Verbands 25.000 Personen. Der Branchenumsatz liege bei sechs Milliarden Euro.

Ökobranche im Aufwind
Die Ökoenergie-Branche hofft nicht nur auf Aufwind durch das EU-Klimapaket. Auch vom neuen US-Präsidenten Barack Obama verspricht sie sich viel. Daher setzen auch die großen Energiekonzerne verstärkt auf alternative Energien. Laut Capgemini stiegen im Jahr 2007 die Investitionen in erneuerbare Energien, vor allem Windenergie: So will der niederösterreichische Versorger EVN bis 2010 rund 100 Millionen Euro in Projekte für erneuerbare Energie investieren. Insgesamt will die EVN bis 2010 in Niederösterreich 750 Millionen Euro ausgeben. „Das bedeutet zusätzliche Beschäftigung und ist ein Beitrag zur Krisenbewältigung“, sagt EVN-Chef Burghard Hofer.

Niederösterreichische Windparks
Die Tiroler Tiwag hat vor kurzem eine 100 Meter lange Fotovoltaikanlage auf einer Autobahn-Lärmschutzwand in Betrieb genommen. 2009 soll die Anlage verlängert werden, weitere Standorte sind in Vorbereitung. Und der Verbund erwarb heuer drei Windparks in Niederösterreich, die knapp 30.000 Haushalte mit Strom versorgen können. Weltweit gesehen sind die USA die führende Nation bei der Gewinnung von Windenergie, auch weil es sehr großzügige Steuervorteile für diese Projekte gibt. Auch in Deutschland und Spanien ist das Wachstum sehr groß. Im November hat Windkraft in Spanien kurzfristig sogar bereits einmal 43 Prozent des benötigten Stroms produziert. Allerdings wurde dieser Rekord um fünf Uhr in der Früh aufgestellt, zu einem Zeitpunkt, wo wenig Strom gebraucht wird. Im Durchschnitt stammen rund zehn Prozent der benötigten Energie Spaniens aus Windkraft.

Expansion im Ausland
Auch die Österreicher investieren kräftig in erneuerbare Energien im Ausland: In Ungarn wurde ein Windpark mit Bewag-Beteiligung in Betrieb genommen. Auch die Wien Energie hat in Ungarn einen Windpark eröffnet. Die oberösterreichische Energie AG investiert in Tschechien. Der Verbund ist mittlerweile in halb Europa aktiv, heuer wurde der Startschuss für drei Kraftwerke in der Türkei gegeben und ein spanisches Fotovoltaik-Kraftwerk gekauft. In Albanien bauen sogar die früheren Erzfeinde Verbund und EVN gemeinsam ein Wasserkraftwerk. Die Krise bringt allerdings alte Wirtschaftlichkeitsrechnungen durcheinander. Einerseits steigen die Finanzierungskosten. Auf der anderen Seite werden zumindest kurzfristig die Einnahmen sinken. Denn im Gefolge des Ölpreises werden auch die Preise für andere Energiequellen günstiger. „Sowohl die Einstandspreise bei Strom als auch die Gaspreise haben jetzt wieder das Niveau von 2007 erreicht“, sagt Walter Boltz, Geschäftsführer der Energie-Control.

Energie-Preise
2009 werden die Endkunden diesen Preisrückgang auch auf ihrer Stromrechnung spüren, glaubt Verbund-Chef Michael Pistauer (siehe Interview ). Boltz rechnet damit, dass sich auch die Endkundenpreise wieder jenen des Jahres 2007 annähern werden. „Dies wird allerdings bei Haushalten und Industriekunden unterschiedlich verlaufen“, sagt Boltz. Viele Industriekunden würden ihre Energie in einem Portfolio beziehen, das heißt, sie kaufen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein, um das Risiko zu minimieren. „Sie werden dadurch wohl bereits einen hohen Anteil des Energiebedarfs für 2009 zu hohen Kosten beschafft haben“, so Boltz. Für die Haushalte beschaffen die Versorger Strom mit einer ähnlichen Strategie wie die Industrieunternehmen. „Besonders jene Versorger, die sich langfristig zu hohen Preisen eingedeckt haben, werden deshalb im Jahr 2009 unter Druck geraten, weil Anbieter mit jetzt günstigem Strom auf Kundenfang gehen können“, sagt Boltz.

Von Miriam Koch

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