Ende einer Ära bei Magna: Gründer Frank Stronach tritt ab

Nächste Woche tritt Frank Stronach nach 40 Jahren als Chairman „sei ner“ Firma Magna ab. Ans Aufhören denkt der 78-Jährige aber nicht: Seine ganze Energie und sein Geld steckt er jetzt in das E-Car.

Wenn Frank Stronach am nächsten Mittwoch im Hilton Suites Toronto das Podium betritt, wird es sein letzter Auftritt als Chairman von Magna sein. Und schon jetzt ist sicher: Es wird kein stiller Abschied werden. Aus zweierlei Gründen: Stronach hat Hauptversammlungen stets gerne dazu genützt, den Aktionären und der Politik ausführlich die Welt zu erklären. Zudem haben einige Investoren im Vorfeld dieser Hauptversammlung angekündigt, ihrem Unmut über Stronachs Ausstieg beim Autozulieferer Luft machen zu wollen.

Diese Hauptversammlung zeigt einmal mehr, wie stark der Mensch und Unternehmer Frank Stronach polarisiert. Ihm wird auf der einen Seite Achtung dafür entgegengebracht, dass er Magna ohne größere Schrammen durch die Krise geführt hat: Letztes Jahr hat Magna bei stark gestiegenen Umsätzen (plus 39 Prozent auf 24,1 Milliarden Dollar) wieder einen Milliardengewinn erwirtschaftet. Auf der anderen Seite nehmen es die Investoren, vor allem die großen Pensionsfonds, Stronach übel, dass er sich seinen Abschied über Gebühr vergoldete.

Eine knappe Milliarde hat er sich für seinen Rückzug aus Magna auszahlen lassen. Ähnlich lief es bei einer anderen Magna-Gesellschaft, der MI Developments: Stronach bekam das gesamte Pferdesportbusiness zuzüglich 20 Millionen Dollar für seinen Ausstieg bei MI „ geschenkt“. Experten schätzen den Wert dieses Pakets, zu dem die größten Pferdesportparks Nordamerikas gehören, auf mehr als 600 Millionen Dollar.

„Verwalter, keine Business-Men“

Es wäre nicht Frank Stronach, wenn er Kritik an seiner rigiden Unternehmensführung während der letzten vier Jahrzehnte – verbunden mit seiner Millionengage –, kommentarlos hinnehmen würde. „Diese Kritik kommt von Menschen, die keine Business-Men sind. Sie sind nur Verwalter“, ließ er seinen Kritikern kürzlich in einem Interview mit einem kanadischen Fernsehsender ausrichten. Nachsatz: „Ich habe mich immer regelkonform verhalten, jeder hat davon profitiert.“

Dass der 78-Jährige ein Vollblut-Business-Man ist, hat er in den letzten 54 Jahren eindrucksvoll bewiesen: Aus einem Einmannbetrieb in einer Hinterhofgarage in Toronto hat er den fünftgrößten Autozulieferer der Welt mit 96.000 Mitarbeitern gemacht. Allerdings musste er im Laufe der Jahre auch epochale Rückschläge einstecken: Weder bei der Voest noch bei Chrysler und Opel kam er zum Zug. Und auch sein Pferderennsport bescherte ihm herbe Verluste. Auch das Magna Racino in Ebreichsdorf kam nie richtig in die Gänge. 2009 musste sein Entertainment-Business (MEC) sogar Insolvenz anmelden.

Sein eigenes Vermögen vermochte er dennoch zu steigern: 1,7 Milliarden Dollar schwer soll der gebürtige Weizer mittlerweile sein. Zugutezuhalten ist Stronach dabei, dass er nicht nur zu sich selbst stets großzügig war. Er war einer der Ersten, die auch die Mitarbeiter über Gewinnbeteiligungen an dem Unternehmenserfolg teilhaben ließen. Seine Manager bezahlte „Frank“ fürstlich: Der damalige CEO Sigi Wolf bekam letztes Jahr 15,6 Millionen Dollar, und der frühere Kanzler Franz Vranitzky, der sein Mandat als Direktor bei Magna kürzlich nach 14 Jahren zurückgelegt hat, kassierte auch beachtliche 310.000 Dollar pro Jahr für seinen Rat.

Das Aus für Stronach als Magna-Chairman ist aber lange nicht das Aus als Business-Man. „Ich bin ein gesunder Mann, und mein Leben ist noch lange nicht vorbei. Ich möchte der Menschheit mehr hinterlassen als Magna“, meinte der Tycoon kürzlich. Seine Top-Priorität liegt hier eindeutig beim Elektroauto. Bei seinem Abschied von Magna hat sich Stronach ausbedungen, die Kontrolle über diesen Geschäftsteil zu behalten. 80 Millionen Dollar für 27 Prozent an „E-Car“ blätterte Stronach letztes Jahr hin. Geschätzte 500 weitere Millionen werden es in den nächsten Jahren sein. Aber der Austromilliardär ist überzeugt davon, dass sich seine Investments rechnen werden. Bis zu 20 Milliarden Dollar Umsatz mit Teilen für Elektroautos will Stronach im Jahr 2020 machen. „Das Business wird dann größer als das gesamte Geschäft von Magna sein“, prophezeit er.

Auch seiner Pferdeleidenschaft will Stronach weiter frönen. Am Tag seines Abschieds bei Magna geht im Racino der größte Pferdesportevent, den Österreich je gesehen hat, mit 600 Pferden über die Bühne. Weitere Projekte sind programmiert. „Ich habe noch genug Energie, einige andere Geschäfte auszuprobieren“, kündigt der Nimmermüde an.

– Angelika Kramer

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