Elsner holt im 1. Interview seit der Haft zum Rundumschlag gegen Bawag & ÖGB aus

Im ersten Interview seit seiner Haftentlassung erhebt Ex-Gewerkschaftsbank-Chef Elsner schwere Vorwürfe gegen ÖGB, Bawag und Pleite-Banker Flöttl.

Format: Sie beschäftigen sich intensiv mit den Akten zum Vergleich zwischen der Bawag und den Refco-Gläubigern sowie dem verschwundenen Flöttl-Vermögen und sind dabei auf Verfehlungen der handelnden Personen gestoßen. Was wollen Sie mit der Aufarbeitung erreichen?

Helmut Elsner: Ziel ist, aufzudecken, was mit dem Geld, das die Bawag Flöttl zur Verfügung stellte, passiert ist. Das Lügengebäude von Flöttl, in dem er behauptet, alles verspekuliert zu haben, ist ja bereits zusammengebrochen. Denn ich konnte nachweisen, dass er zumindest eine Milliarde Dollar nicht verspekuliert, sondern veruntreut hat. Spitz formuliert: Flöttl war der Bernie Madoff der Bawag. Mein Ziel ist zudem, das veruntreute Geld nach Österreich retourzubringen. Und zwar dorthin, von wo es gestohlen wurde - nämlich zur Bawag alt und Ex-Bankeigentümer ÖGB.

Die österreichische Justiz hat sich bisher für den Verbleib des Geldes kaum interessiert. Worauf führen Sie das zurück?

Ich kann nur feststellen, dass man schon im Bawag-Prozess Flöttl unbedingt glauben wollte - etwa Computerabstürze und fehlende Aufzeichnungen. Es hat auch keine Rolle gespielt, dass er 150 Millionen Dollar Gewinn gemacht hatte, ohne sie an die Bank zurückzuzahlen. Die Justiz hat zudem abgelehnt, seine Konten zu öffnen. Warum das so war und welches Druckmittel Flöttl gehabt hat, stellt mich noch vor Rätsel.

Wie beurteilen Sie den Schriftverkehr zwischen Ihrem Anwalt, der Bawag und den Personen, die den Vergleich unterfertigt haben?

Den Briefen entnehme ich, dass offenbar allen Vergleichsunterzeichnern klar war, dass sie Falsches behauptet haben. Der Anwalt von Ex-ÖGB-Chef Hundstorfer sagt ausdrücklich: Man hat niemanden vom alten Vorstand und auch mich nicht beschuldigt, aber man musste unterschreiben, damit der Vergleich zustande kam. Ein Vergleich für eine Klagsdrohung, die ohne Zutun des Ex-Bankchefs Nowotny gar nicht möglich geworden wäre. Was soll man davon halten, wenn der seinerzeitige Bawag-Chef die eigene Bank anzündet, um durch einen Vergleich das Vermögen von Flöttl freizukämpfen? Auch hier stellt sich die Frage: Welches Druckmittel hatte Flöttl?

Sie orten politische Absprachen, um von den wahren Schuldigen abzulenken.

Es ist unverständlich, dass sich der frühere ÖGB-Chef Hundstorfer, Bankchef Nowotny und der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser zusammengetan haben, um von ihren eigenen dolosen Handlungen abzulenken. Fakt ist aber, dass die unwahren Behauptungen im Bawag-Vergleich zu einem Strafverfahren wegen Falschaussagen in den USA führen können. Mit der Konsequenz, dass der Deal platzen könnte. Im schlimmsten Fall müsste die Republik die Bawag mit Geld sichern. Das ist bedauerlich, denn die Bank war 48 Jahre ein sehr wichtiger Teil meines Lebens und hatte ein doppeltes A-Rating. Und dann machen Nowotny und der ÖGB die Bawag binnen weniger Monate kaputt und schädigen ihre Unternehmen um nahezu eine Milliarde Dollar.

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