Elch-Test für XXX Lutz: Österreichisches Möbelhaus eröffnet Store in Malmö

Wie das österreichische Familienunternehmen XXXLutz ganz Europa „aufmöbelt“ und jetzt sogar Marktführer Ikea in dessen Heimat Schweden Konkurrenz machen will.

Da staunten die Elche. Am 4. November eröffnete die XXXLutz-Gruppe in Malmö ihr erstes Möbelhaus in Schweden, nur einen Katzensprung von der Ikea-Zentrale entfernt. Auf 25.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten die Oberösterreicher 55.000 Möbel und Wohnaccessoires an. 40 Millionen Euro haben sich die Österreicher das erste XXXLutz-Möbelhaus Skandinaviens kosten lassen. Gag am Rande: Das Grundstück samt Altbau wurde von Ikea erworben. Eineinhalb Jahre lang hat man sich akribisch auf das Abenteuer im Norden vorbereitet. Mit einem eigenen „Schweden-Bomber“ wurden 60 „Test-Schweden“ nach Österreich eingeflogen und deren Kaufverhalten in Lutz-Filialen genau analysiert. Aus 4.500 Bewerbern wurden in eigenen Castings 250 Mitarbeiter ausgewählt.

Elch-Test für XXXLutz

Ein Jahr lang investierte man viel Zeit und Geld in die Marktforschung vor Ort. Thomas Saliger, Sprecher der XXXLutz-Gruppe: „Wir haben dabei zahllose schwedische Wohnungen unterschiedlichster Einkommensklassen besucht, um uns einen Überblick über das skandinavische Wohngefühl zu verschaffen.“ So schläft der Durchschnittsschwede auf zwei Federkernmatratzen und hat einen begehbaren Schrank an stelle der Schrankwand im Schlafzimmer. Saliger rechnet mit 100.000 Besuchern in den ersten Wochen, im ersten Jahr werden eine Million Menschen im Schweden-Lutz erwartet, rund 20 Prozent sollen dabei aus dem nahen Dänemark kommen.

Extrem-Werbung

Damit diese Prognosen auch Wirklichkeit werden, haut XXXLutz bei der Werbung kräftig auf den Putz und geht Wege, die man in Österreich ansonsten nur von Didi Mateschitz kennt. Da wurde ein Extrem-Bungeejumper gesponsert, der illegal von der Öresund-Brücke gesprungen ist. Die Folge: eine hitzige Parlamentsdebatte in Schweden über die Sicherheit des Prestigebaus. Auch der Fahrer des „Malmö Jet Scooters“, eines Rollers mit Raketenantrieb, durfte sich über XXXL-Werbegelder freuen. Seine schräge Wettfahrt mit einem Lamborghini sahen bislang über 180.000 Besucher auf der Internetplattform YouTube. Geht das Konzept auf, will die XXXLutz-Gruppe in den nächsten Jahren 400 Millionen Euro in die Errichtung von sechs Megastores in Schweden investieren.

Turbo-Expansion

Der Einstieg in den schwedischen Markt ist die Krönung einer seit über drei Jahrzehnten andauernden Expansion, die den Möbelhändler aus Haag am Hausruck von einem regionalen Kleinbetrieb mit 6 Millionen Euro Umsatz und 50 Mitarbeitern zum zweitgrößten Möbelhändler der Welt mit 2,8 Milliarden Euro Umsatz und 17.700 Mitarbeitern in derzeit 194 Möbelhäusern gemacht hat.

Der Aufstieg ist unmittelbar mit Richard und Andreas Seifert verbunden. Die beiden jüngsten Söhne von Gründerin Gertrude Seifert, geborene Lutz, haben das Unternehmen Ende der 70er-Jahre übernommen und zügig zuerst zum Marktführer in Österreich und dann durch Zukäufe in Deutschland, Serbien und Slowenien sowie die Eröffnung eigener XXXLutz-Einrichtungshäuser, Mömax-Abholmärkte und Möbelix-Diskonter in der Slowakei, Tschechien, Kroatien und Ungarn zur Nummer 2 am Weltmarkt gemacht. Besonders die Einkaufstour in Deutschland hat dafür gesorgt, dass die im Ausland persönlich unauffällig agierenden Oberösterreicher international ernst genommen werden. Immerhin erwarb die Gruppe seit 2002 die größten Möbelhändler Süddeutschlands wie Mann Mobilia, Neubert oder zuletzt die Hiendl-Gruppe für insgesamt mehr als eine Milliarde Euro.

Sparsamkeit als Tugend

Sparsamkeit und Verkaufstalent sind seit 50 Jahren das Erfolgsrezept der XXXLutz-Gruppe. Ersteres spürt man schon beim Besuch der Unternehmenszentrale des am Weltspartag 1945 gegründeten Unternehmens in der Welser Römerstraße. Der schmucklose Industriebau versteckt sich hinter einem Möbelix und wirkt wie dessen Lager und nicht wie die Zentrale eines Milliardenunternehmens. Enge lange Gänge mit Büros, deren Mobiliar sich aus mehreren Jahrzehnten des Möbelhandels zusammensetzt. Firmenautos werden bei XXXLutz bis 300.000 Kilometer gefahren. Legendär auch die Anweisung, für interne Post die unbeschrifteten Rückseiten alter Preislisten zu verwenden.

Unbekannte Milliardäre

Nicht gespart wird bei der Werbung. Die XXXLutz-Gruppe ist heute mit rund sechs Millionen Euro einer der größten Werbekunden des ORF, wo die Spots mit der „Familie Putz“ inzwischen seit elf Jahren Kult sind. Die „Familie Putz“ täuscht auch sehr erfolgreich über eine Tatsache hinweg: Die echte Familie Lutz kommt in der Öffentlichkeit nicht vor. Es gibt keine Fotos von Richard und Andreas Seifert und keine Interviews.

Von Mutter Gertrude gibt es nur Aufnahmen aus den 50er-Jahren. Über das Privatleben der Seiferts gibt es – nichts. Sie tauchen bei keiner Charity-Feier, in keiner Partei und auf keinem Sport-Event auf. Auch andere Mitglieder der Familie Seifert sind absolut öffentlichkeitsscheu. An dieser „Nachrichtensperre“ halten sowohl Familie als auch Mitarbeiter eisern fest. Saliger: „Die Seiferts legen größten Wert darauf, unerkannt in Wels zum Würstelstand gehen zu können.“ Die Folge: Über eine der reichsten Familien Österreichs ist in der Öffentlichkeit nur das bekannt, was im Firmenbuch nachzulesen ist.

Expansionspläne

Viel lieber kümmern sich die Brüder um die weitere Expansion der Gruppe, denn sie haben noch reichlich Appetit auf mehr. Rund 500 Millionen Euro liegen für Zukäufe und neue Märkte in der Kriegskasse. Auch in Österreich, wo XXXLutz heuer schon ein Möbelhaus in Liezen eröffnet hat, will man noch weiter wachsen. Saliger: „In Rohrbach und Kapfenberg ist noch Platz für ein XXXLutz-Möbelhaus.“

– Christian Neuhold

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