Einstellungssache - Der große Job-Report: 10.000 neue Arbeitsplätze für Österreich

Trotz Trendwende am Arbeitsmarkt und Horrormeldungen über Kündigungen und Kurzarbeit suchen viele heimische Betriebe neue Mitarbeiter. FORMAT fand mehr als 10.000 offene Stellen.

Kündigungen, Kurzarbeit, Einstellungs­stopp: Diese Meldungen dominieren die Nachrichtenlage. Mit bis zu 25.000 Jobsuchenden mehr rechnet das Arbeitsmarkt­service AMS, die Wirtschaftsforscher vom WIFO sehen über das Jahr knappe 130.000 Stellen verschwinden. Aber der österreichische Arbeitsmarkt ist nicht so düster, wie es scheint: Viele Unternehmen, vom Handel über den Tourismus, die Industrie bis hin zu Banken, nehmen weiterhin neue Mitarbeiter auf.

Verkäufer, Techniker, Kapitäne
Gesucht werden Verkäufer, IT-Fachleute, Fräser, Förster, Techniker, Mathematiker bis hin zum Bootskapitän, den der Verbund beschäftigen möchte. Verbund-Boss Wolfgang Anzengruber: „Wir planen ­heuer 172 Neuaufnahmen, vor allem gut ausgebildete Fachkräfte suchen wir hände­ringend.“ AMS-Chef Johannes Kopf will deswegen auch nicht schwarzmalen. Die Konjunkturtalfahrt sei für seine Einrichtung sicher eine Herausforderung, aber: „Auch heuer werden zwei Drittel der Jobsuchenden binnen drei Monaten einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben“, macht Kopf Mut. Wie sich die Krise mittelfristig wirklich niederschlägt – ob in der Branche, im Unternehmen oder bei jedem Einzelnen – ist daher auch Einstellungssache.

Job-Maschine Handel
Erkennbar ist, dass der Handel einer der größten Job-Motoren ist. „Die Finanzkrise trifft offenbar langlebige Konsumgüter härter als uns“, meint der neue dm-Chef Martin ­Engelmann. Die Drogeriemarktkette sucht knapp 400 neue Mitarbeiter, vor allem Lehrlinge. 1.700 Personen will die Lebens­mittelkette Spar heuer einstellen. Darunter nicht nur 900 Lehrlinge, wie Spar-Chef Gerhard Drexel erklärt, sondern auch Nachwuchs- und Führungskräfte und ­Spezialisten aus den Bereichen ­Marketing, IT und Immobilien. Auch der Marktführer im Lebensmittelhandel, die Rewe Group, stellt laufend neues Personal ein.

Baristas für McDonald's
Bei Ikea sind rund 70 Jobs im Angebot, vor allem Lehrlinge werden aufgenommen. „Am Dienstag, dem 27. Jänner, gibt es an allen Standorten einen Tag der offenen Tür für die Lehrlinge, an denen Interessierte einen Blick hinter die Kulissen werfen können“, sagt Ikea-Sprecherin Barbara Riedl. Expansiv unterwegs ist auch McDonald’s: Die Fastfoodkette will heuer 50 neue McCafés eröffnen – und braucht dafür rund 500 neue Mitarbeiter. Seit einigen Jahren werden an manchen McDonald’s-Standorten neben Hamburgern und Pommes auch Kaffee und Kuchen verkauft. „Wir sind sehr erfolgreich damit“, sagt Marion Maurer, Personalchefin von McDonald’s Österreich. Daher wird dieser Weg weiterverfolgt, die Beschäftigten in den McCafés erhalten eine eigene Barista-Ausbildung, um der Kaffeemaschine alle Geheimnisse entlocken zu können.

Lichtblicke auch in der Industrie
In der Industrie, so erwarten Experten, wird der Beschäftigungsstand zurückgehen. Dennoch gibt es auch hier Lichtblicke und Unternehmen, die expansiv unterwegs sind: Der Flugzeugzulieferer FACC in Ried in Oberösterreich nimmt ab März dank eines Auftrags von Airbus bis zu hundert zusätzliche Mitarbeiter auf. Der Büromöbelhersteller Bene sucht ein halbes Dutzend Fachkräfte. Der Skihersteller Atomic will den Beschäftigtenstand in der Produktion in Altenmarkt heuer um 50 bis 100 er­höhen. In die Lehrlingsausbildung wird trotz Krise investiert: So stellt die ­Voest, die Leiharbeiter abbaut und jeden zehnten Mitarbeiter in Kurzarbeit ­schicken will, heuer dennoch 400 neue Lehrlinge ein.

Mathematiker und Außendienstler
Der Glücksspielkonzern Novomatic investiert derzeit 90 Millionen Euro in eine neue Zentrale in Gumpoldskirchen in Niederösterreich. „Geplant ist die Aufnahme von bis zu 150 neuen Mitarbeitern ab Herbst, primär in den Bereichen IT-Technologie, Spieledesign, Statistik und Mathematik“, sagt Novomatic-General Franz Wohlfahrt. Die Versicherungsbranche sucht 2.000 Außendienstler. So wie die Uniqa: „Allein im Vertrieb werden wir im Laufe des Jahres 500 bis 700 Leuten eine neue Chance geben“, sagt Uniqa-Generaldirektor Konstantin Klien. Gesucht werden sowohl Berufsanfänger als auch Quereinsteiger. Und der große Konkurrent Wiener Städtische will immerhin 300 Außendienstler und 30 Lehrlinge einstellen.

Facharbeitermangel trotz Krise
Die ÖBB halten verstärkt nach künftigen Lokführern und Fahrdienstleitern Ausschau, weil aufgrund von Pensionierungen in den nächsten Jahren hier Bedarf offensichtlich ist. Insgesamt werden heuer rund 550 Personen bei der Bahn neu aufgenommen. Beim Baukonzern Porr sind derzeit 40 Stellen unbesetzt, bei der Strabag inklusive Lehrlinge 141 Stellen. „Wir würden hierzulande gerne mehr als die hundert jährli­chen Lehrlinge ­einstellen“, heißt es aus der Strabag, bei der konzernweit sogar über 400 Jobs offen sind, „allerdings finden wir einfach nicht mehr.“ „Der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken“, glaubt Alexander Artmann von der Linzer Unternehmensberatung Weissmann & Cie. Qualifizierte Fachkräfte fürs eigene Unternehmen zu finden werde künftig, Krise hin oder her, noch schwerer.

Boom bei Wirtschaftsprüfern
Im Prüf-Bereich herrscht trotz des Konjunk­tureinbruches ebenfalls noch Aufbruchstimmung. „Wir haben derzeit 37 offene Stellen, im gesamten Jahr werden wir heuer zwischen 120 und 130 Personen neu aufnehmen“, sagt Claudia Fritscher, Personalchefin bei Deloitte. Sehr stark gefragt sei Restrukturierungs- und Liquiditätsberatung. Nur im Bereich Mergers und Akquisitionen sowie in der Personalsuche für andere Unternehmen verzeichnet man seit Herbst Rückgänge. Auch Ernst & Young wird heuer 40 Personen neu aufnehmen, aktuell sind 15 Stellen ausgeschrieben. „Mit einer akkuraten Finanzberichterstattung kommen die Unternehmen eher an die knappen Kredite heran als sonst“, erklärt Helmut Maukner, Country Managing Partner Ernst & Young, die starke Nachfrage.

AMS-Unterstützung für Skilehrer
Die meisten Mitarbeiter sucht allerdings der Tourismus – vor allem Köche und Kellner. 85.000 offene Stellen wurden im Vorjahr gemeldet, selbst im Dezember nahm die Zahl noch zu. Auf Personalsuche ist auch der Kärntner Skischulverband: 170 SkilehrerInnen werden für die laufende Saison gesucht, für interessierte Bewerber gibt es ab Montag, dem 26. Jänner, eine vom AMS unterstützte Kurzausbildung. Für alle, die mit dem Skilift ein paar Wochen lang hoch ­hinaus wollen.

Von Miriam Koch und Arndt Müller

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