Ein Scheich für Mörwald: Großinvestor Al Jaber steigt in die Nobelgastronomie ein

Scheich Al Jaber erwirbt die Mehrheit an Mörwalds verschuldetem Gastro-Reich. Al Jaber übernimmt die Außenstände und ernennt Mörwald dafür zum Küchenchef im neuen Hotel Schwarzenberg.

So ganz verstehen kann die Sache niemand. Ausgerechnet den Job im Ambassador hängt Toni Mörwald ( im Bild ) an den Nagel. Am 28. Februar läuft sein Vertrag dort aus, das Duo Wini Brugger und Klaus Biber nimmt dann Mörwalds Platz hinterm Herd ein. Dabei lief es für den Promikoch und Multigastronomen gerade in der schicken Wiener Fünf-Sterne-Herberge gut: Das Res­taurant florierte trotz Wirtschaftskrise und schrieb im Gegensatz zu Mörwalds sonstigen Betrieben Gewinne.

Adieu, Ambassador
Dennoch: Mörwald geht – und das liegt nicht (nur) an den Differenzen mit den Hotelbetreibern. Wie FORMAT in Erfahrung brachte, wird sich kein Geringerer als Scheich Al Jaber an Mörwalds Firmenreich beteiligen. „Wir sind in der Prüfungsphase, die aber noch mehrere Wochen andauern dürfte. Geplant ist eine Mehrheitsübernahme der Mörwald Holding in enger Kooperation mit Mörwald“, bestätigt ein Sprecher Al Jabers auf Anfrage. Mörwald bleibt somit Aktionär und Geschäftsführer der von ihm gegründeten Gruppe. Er selbst meint auf Anfrage, dass es noch zu früh sei, um dar­über Auskunft zu geben.

Küchenchef im Schwarzenberg
Der saudische Scheich will den Haubenkoch auch zum Küchenchef im Palais Schwarzenberg machen. Das noble Hotel wird gerade im großen Stil umgebaut; läuft alles nach Plan, öffnet es Ende des Jahres seine Pforten. Ursprünglich hatten Al Jabers ­Berater den ehemaligen Coburg-Koch Christian Petz für die Position vorgesehen, doch da der abwinkte, soll die Freude über Mörwalds Zusage groß gewesen sein. Die Chemie zwischen Scheich und Koch stimme jedenfalls, heißt es aus Mörwalds Umfeld. An einer langen Partnerschaft bestehe auf beiden Seiten kein Zweifel.

Der Scheich schultert die Schulden
Scheich Al Jaber gilt gemeinhin als ­Gutmensch. Er ist Sonderbeauftragter der Unesco, spendet Unsummen für wohltätige Zwecke, gewährt mittellosen Studenten Stipendien und ist ob seiner vielen Verdienste um die Republik schon seit Jahren österreichischer Staatsbürger. Auch bei Mörwald will er sich äußerst großzügig zeigen. Der 41-jährige mehrfach preisgekrönte Koch aus Feuersbrunn ist schon lange in finanziellen Nöten. Die Bilanz der Mörwald Holding wies für 2007 2,1 Millionen Euro Schulden aus, laut einem Insider waren es im Vorjahr sogar 3,5 Millionen Euro. Mörwald hofft nun, durch Al Jaber Oberwasser zu bekommen. Er selbst gilt zwar als guter Koch, im Gegensatz zu Al Jaber allerdings als schlechter Wirtschafter. Wie hoch die Mehrheitsbeteiligung des Milliardärs nun ausfällt, steht noch in den Sternen. Fix ist indes, dass der Scheich die Schulden von Mörwald übernimmt.

Schwere Restaurant-Kost
Mörwald betreibt vier ­Restaurants in Niederösterreich, „Zur Traube“, „Kloster Und“, „Schloss Grafenegg“ und „Toni M.“. In guten Zeiten war das Reich des dreifachen Familienvaters freilich auch schon mal größer. Die Betriebe schreiben größtenteils Verluste, weil sie, wie es heißt, in unmittelbarer Nachbarschaft liegen und einander somit Konkurrenz machen würden. So befinden sich „Toni M.“ und „Zur Traube“ in Feuersbrunn, „Kloster Und“ liegt in Krems, 14 Kilometer von Grafenegg und 16 Kilometer von Feuersbrunn entfernt. Zudem gelten die Restaurants für Wiener gemeinhin als „weit weg vom Schuss“ und bestenfalls am Wochenende einen Abstecher wert. Die aktuelle Wirtschaftskrise hat den Druck auf Mörwald zudem erhöht.

Saudisch-österreichische Verbindungen
Mit dem schwierigen Umfeld vertraut, glaubt Al Jaber dennoch an die Zukunft des Gastroreichs. Der 49-jährige Saudi besitzt in Österreich unter anderem das Grand Hotel und die Luxusherberge The Ring; darüber hinaus ist Al Jaber an der Privatuni am Kahlenberg beteiligt. Mit den Österreichern will er nur gute Erfahrungen gemacht haben. Einzige Ausnahme: Ex-AUA-Boss Alfred Ötsch. Von ihm soll der Scheich im Zuge seines noch vor einem Jahr geplanten Einstiegs bei der Airline hinters Licht geführt worden sein. Die Sache ist nun vor Gericht, Ötsch als AUA-Boss bereits Geschichte.

Von Silvia Jelincic

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